Kröterich wehrt sich

Als Kröterich hörte, wie die Tiere vom Wilden Wald in seinem Krötenhall hausten, war es um seine Beherrschung geschehen. Selbst sein Freund, die Ratte, konnte ihn nicht aufhalten. Kröterich stampfte den Weg entlang bis zum Tor von Krötenhall.

Ein Frettchen stellte sich ihm in den Weg. "Wer da?", rief es energisch.

"Quatsch mit Soße!", rief Kröterich erbost. "Was meinst du wer du bist, so mit mir reden zu dürfen?"

Ohne zu antworten, legte das Frettchen den Gewehrlauf an. Kröterich konnte sich gerade noch flach auf den Boden werfen, da schoss auch schon eine Kugel über seinen Kopf hinweg. Entsetzt rappelte er sich auf und rannte so schnell ihn seine Krötenbeine trugen zum Haus der Ratte zurück. Immer das höhnische Lachen des Fettchens im Genick.

Die Ratte ließ ihn kaum ausreden, da rief sie: "Ja ich habe es dir doch gesagt! Überall stehen bewaffnete Wachen." Doch Kröterich wollte nicht so schnell aufgeben. Er schnappte sein Boot und ruderte flussaufwärts, bis zum Ufer von Krötenhall.

Als er die Schönheit seines Anwesens im Abendlich glänzen sah, ging ihm das Herz auf. Das dauerte aber nicht lange an, denn vom Bootshaus her pfiffen bereits wieder Kugeln in seine Richtung. Vor Schreck platschte die Kröte ins Wasser. Die Hermeline, die dafür verantwortlich waren, lachten heftig und kreischten: "Beim nächsten Mal erwischen wir dich!" Ihr Gelächter verfolgte ihn beinahe bis zum Rattenhaus.

Die Ratte zischte böse, weil der Kröterich nun auch noch das Boot ruiniert hatte. Dazu war der Anzug, den er der Kröte geliehen hatte auch noch zerfetzt. "Es ist ein Wunder, dass du noch Freunde hast. Du bist echt nervig", sagte die Ratte.

Wie so häufig sah der Kröterich sein Versagen ein und entschuldigte sich in aller Form. "Ich sehe ein, dass ich ein Dickkopf war", entschuldigte er sich sogar. Er versprach, künftig nur noch gehorsam und demütig zu sein und ohne Zustimmung keinen Schritt mehr zu unternehmen.

Die Ratte zeigte sich gutmütig. "Setz dich", befahl sie dem Kröterich, "und gib Ruhe." Bevor man nicht Dachs und Maulwurf zu Rate gezogen habe, könne man eh nichts unternehmen, sagte die Ratte. Da erst fiel der Kröte ein, dass es die beiden Freunde ja auch noch gab. Dies machte die Ratte wieder mürrisch. "Das ist typisch für dich. Während du dich in der Welt mit Luxus vergnügt hast, haben diese beiden treuen Freunde dein Hab und Gut unter schlechtesten Bedingungen bewacht. Bei Regen, Wind und Wetter lagerten sie draußen und haben Hermeline und Wiesel dabei beobachtet, was sie auf Gut Krötenhall so treiben", sagte die Ratte. "Sie haben stets überlegt, wie sie dein Eigentum für dich zurückerobern könnten." Die Ratte schimpfte noch eine Weile… "solche Freunde verdienst du gar nicht!"

Wieder vergoss der Kröterich reuige Tränen; die jedoch sofort versiegten, als das Abendessen serviert wurde. Ratte sah es ihm nach, denn immerhin war die Kröte im Gefängnis gewesen. Und da hatte sie sicher einige Entbehrungen auszuhalten, dachte die Ratte.

Sie waren gerade mit dem Abendessen am Ende, als Meister Dachs zu ihnen kam. Man sah ihm die nächtlichen Strapazen an. Er wirkte wild und ungepflegt. "Sei willkommen, Kröte", begrüßte er den Freund mit klangvoller Stimme. "Na ja, eine trübselige Heimkehr muss das für dich sein, du Armer." Nach diesen wenigen Worten setzte er sich an den Tisch und begann zu essen.

Kurz darauf zog der Maulwurf zur Tür herein. Er strahlte: "Na so was! Endlich wieder daheim!" Und er begann zu tanzen. "Bist wohl ausgebrochen, du schlauer Kröterich!" Da begann Kröterich sogleich wieder, sich aufzublähen. Die Ratte hätte das zwar gerne verhindert, doch der Maulwurf bat den abenteuerlustigen Freund, seine Geschichten ruhig zu erzählen.

Am Ende der Mahlzeit erzählte der Maulwurf, wie schlecht die Lage in Krötenhall war. Es sei eine verkorkste Situation, sagte er. Und als die Diskussion zwischen den Dreien immer lautstarker wurde, gebot der Dachs ihnen Einhalt. "Stopp!", rief er und richtete seinen finsteren Blick in Richtung Kröte. "Du machst nur Ärger! Dass du dich nicht schämst. Dein Vater wäre entsetzt, wenn er dies alles von dir hören müsste."

Natürlich rollten dem Kröterich wieder sofort Reuetränen über die Wangen, bis sie auf den Bauch tropften. Da wurde der Dachs etwas freundlicher. "Hör auf damit. Wir ziehen jetzt einen Strich unter die Vergangenheit und starten einen Neubeginn."

Der Dachs bestätigte, dass es unmöglich war, auf normalem Wege Krötenhall zurückerobern zu können. Deshalb verriet er seinen Freunden ein großes Geheimnis. Da tupfte Kröterich die Tränen aus dem Gesicht und setzte sich neugierig auf.

"Es führt ein Geheimgang vom Flussufer bis in die Mitte von Krötenhall", sagte der Dachs.

"Quatsch", sagte die Kröte, "so etwas wüsste ich!"

"Du irrst, mein Freund", erwiderte der Dachs mit strenger Stimme. "Dein Vater selbst hat diesen Gang entdeckt und repariert. Weil er wusste, dass du ein schändliches Plappermaul hast, hat er mir das Geheimnis verraten. Damit ich dir im Notfall beistehen kann."

"Ja, stimmt", grinste die Kröte, "ich bin eine Ratschkachel, manchmal."

"Durch geschickte Nachforschungen konnte ich erfahren, dass morgen Nacht ein großes Festessen in Krötenhall stattfinden soll", fuhr der Dachs fort. "Sie werden alle essen, trinken - ohne Knüppel und Säbel. Währenddessen können wir durch den Geheimgang, der direkt zur Speisekammer führt, hineingelangen."

"Ja, wir werden ihnen mit unseren Knüppeln die Hucke vollhauen", rief die Ratte. Auch der Maulwurf zeigte sich begeistert von der Idee. So war es beschlossene Sache. Meister Dachs schickte alle zu Bett. "Morgen Vormittag treffen wir dann die notwendigen Vorbereitungen", schloss er seine Rede. Kröte begab sich zu Bett, wie die anderen. Doch er konnte nicht schlafen, nach diesem aufreibenden Tag.

Am nächsten Tag schlief er ziemlich lange. Die anderen Tiere waren bereits mitten in den Vorbereitungen, als er den Wohnraum betrat. Nach einer Weile bremste der Dachs alle aus. "Das genügt jetzt", sagte er. "Eigentlich könnte ich die Sache ja alleine erledigen, doch wollte ich euch die Freude nicht nehmen", setzte er hinzu.

Während sie so diskutierten, kam der Maulwurf hinzu. Er hatte sich schon vor einer Weile davongestohlen. "Das war ein Spaß", rief er, fast vor Stolz platzend. "Die Hermeline habe ich gehörig an der Nase rumgeführt. Als Wäscherin verkleidet bin ich nach Krötenhall gegangen. Als ich meine Dienste angeboten habe, wollten mich die Wachhabenden wegschicken. Sie sagten ich solle fortgehen. Da antwortete ich, dass es gar nicht mehr lange andauern würde, da laufe hier jemand anders fort, nicht ich."

Die Ratte schimpfte, sie war entsetzt. Doch der Dachs legte seine Zeitung weg und lauschte. "Die haben mir nicht geglaubt. Dann habe ich erzählt, dass heute Nacht hunderte blutrünstige Dachse bis auf die Zähne bewaffnet über Krötenhall herfallen würden. Von der Pferdekoppel aus, vom Ufer her mit Säbeln und Pistolen bewaffnet und eine Extra-Kompanie von der Obstanlage her." Da haben sie es mit der Angst zu tun bekommen. Sie fürchteten, von den wütenden Dachsen zu Püree verdroschen zu werden.

Die Kröte war eifersüchtig und rief: "Oh du dummer Maulwurf. Alles hast du verdorben." Doch der Dachs mischte sich mit ruhigem Ton ein: "Maulwurf, da hast du Verstand bewiesen. Das hast du toll gemacht. Tüchtig und gescheit bist du."

Kröte platzte fast vor Neid, vor allem weil er nicht verstehen konnte, was das Theater des Maulwurfs bewirken sollte. Der Dachs jedoch forderte alle auf, die einfache Mahlzeit einzunehmen. Danach machte er ein Nickerchen; na ja, eigentlich begann er sogleich zu schnarchen.

Die Ratte hingegen richtete die Waffen, eilte emsig umher. Der Maulwurf indessen hakte sich beim Kröterich unter und ließ sich die Abenteuergeschichten bis ins kleinste Detail berichten. Die Kröte schilderte hemmungslos mit lauten Sätzen seine Geschichten, die mit "Hätte ich", "Wäre ich" und "Dann aber", begannen. Dies sind nämlich die schönsten Abenteuer - die mit hinzugedichteten Episoden, die viel schöner sind, als die manchmal enttäuschenden Szenen der Wirklichkeit.