LABBÉ Verlag
Lesekorb - Geschichten für Kinder

Zu viert im Garten

Mary rannte los um Ben zu holen. Als sie ihn getroffen hatte, gingen sie gemeinsam den Weg zum Gartentor. "Colin wird gesund werden, wenn er nur von nun an immer in den Garten kommen kann", sagte Mary zu dem Gärtner. "Man darf mit ihm nicht über das Sterben oder einen Buckel reden."

Ben Weatherstaff verstand. Sie betraten den Garten und sahen mit Staunen, dass Colin zu einem Baum gegangen war und davor stand.

Im Geist beschwor Mary ihn. "Du kannst es, du kannst es", murmelte sie vor sich hin. Sie wollte nicht daran denken, was geschehen würde, wenn Colin vor Ben in die Knie ging.

Aber es geschah nicht. Colin stand fest und fragte Ben noch einmal:"Habe ich verkrüppelte Beine oder einen schiefen Rücken?"

"Nein. Keins von beidem. Warum wurdest du denn von allen ferngehalten, so als wärst du verkrüppelt oder nicht ganz richtig im Kopf?", fragte Ben ernst.

"Wer hat denn behauptet, ich wäre nicht ganz richtig im Kopf?", wollte Colin wissen.

"Viele Dummköpfe. Warum warst du eingeschlossen?", fragte Ben.

"Jeder glaubte, ich werde bald sterben. Aber ich werde nicht sterben!", antwortete Colin entschieden.

Das glaubte Ben Weatherstaff auch nicht. Dieser tapfere Junge war gesund und machte auf ihn keineswegs den Eindruck, dass er bald sterben würde. Er bat Colin, sich hinzusetzen und ihm Anweisungen zu geben.

Der Rayah ließ sich auf einer Decke nieder. "Was arbeitest du in den Gärten?" fragte er. Ben erzählte, dass er alles tat, was ihm befohlen wurde. Er sagte, er sei nur noch hier, weil Colins Mutter ihn gern gehabt hatte.

"Meine Mutter", sagte Colin. "Dieser Garten war ihrer, nicht wahr?" "Ja. Das stimmt. Sie hat ihn sehr geliebt", antwortete Ben ruhig.

"Jetzt soll er mein Garten sein. Ich liebe ihn auch. Aber er muss ein Geheimnis bleiben, deswegen befehle ich dir, es niemandem zu sagen, dass wir herkommen. Ich werde von Zeit zu Zeit nach dir schicken, damit du uns bei der Gartenarbeit hilfst. Du darfst aber nur kommen, wenn dich niemand sieht", wies Colin an.

Ben lächelte breit. "Ich war schon früher hier. Bin über die Mauer gestiegen und habe nach dem Rechten gesehen. Deine Mutter hat einmal zu mir gesagt: 'Wenn ich eines Tages weg muss oder krank werde, sieh bitte nach den Rosen, Ben'. Und das habe ich auch gemacht nachdem niemand mehr hier hinein durfte, schließlich hat sie mir ihren Befehl zuerst gegeben."

"Ach, du hast hier gearbeitet", fiel Dickon ein. "Ich habe mich schon oft gefragt, wer die Rosen und Bäume beschnitten haben könnte."

"Ich freue mich, dass du das getan hast, Ben", sagte Colin. "Dann wirst du unser Geheimnis sicher auch bewahren."

"Ja, das werde ich, Sir", versprach Ben.

Colin streckte seine Hand nach Marys Spaten aus, der im Gras lag. Er ergriff ihn und begann, ein Loch zu graben. Seine schwache Hand zitterte vor Anstrengung, aber er machte weiter.

Ben fragte, ob er etwas pflanzen wolle und ob er eine Rose holen solle. Als Colin bejahte, beeilte sich der alte Mann und holte aus dem Gewächshaus eine Rose.

"Sie soll im Boden sein bevor die Sonne untergeht", sagte Colin. Mary kam es so vor, als ob die Sonne heute absichtlich ein wenig länger am Himmel stehen blieb.

Feierlich und aufgebracht übergab Ben Colin die Rose. "Hier, mein Junge", sagte er. Colins dünnen, bleichen Hände fassten die Rose und betteten sie in die Erde. Er war ganz rot im Gesicht. Ben drückte die Erde fest und Colin hielt bis zum Schluss die Blume fest. Mary lag auf den Knien im Gras und schaute zu.





Der Klassiker DER GEHEIME GARTEN von Frances Hodgson Burnett (1849-1924) wurde von Miriam Bröckling für den Lesekorb nacherzählt.

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