LABBÉ Verlag
Lesekorb - Geschichten für Kinder

Colin überwindet sich

Doktor Craven erwartete Colin bereits in dessen Zimmer. Er sagte, dass es unvernünftig gewesen sei, so lange draußen zu bleiben und untersuchte Colin gründlich.

"Ich werde jetzt jeden Tag nach draußen gehen. Es hat mich überhaupt nicht angestrengt", sagte Colin.

"Ich weiß nicht, ob ich das zulassen kann", gab Doktor Craven zurück. "Das wäre bestimmt nicht gut."

"Es wäre bestimmt nicht gut, wenn sie versuchen würden, mich davon abzuhalten", entgegnete Colin ernst.

Mary saß während der Untersuchung dabei und bemerkte wieder einmal, wie ungezogen und roh Colin sich gegenüber seinen Mitmenschen benahm. Sie dachte, dass er es selbst gar nicht bemerkte. Er benahm sich wie ein König, weil er nie etwas anderes gelernt hatte. Er hatte nie jemanden gehabt, mit dem er sich vergleichen konnte.

Sie war ja selbst nicht anders gewesen, bevor sie nach Misselthwaite gekommen war. Erst hier hatte sie gemerkt, dass ihr Benehmen nicht richtig war. Mary sah Colin nachdenklich an.

"Warum siehst du mich so an?", fragte er nach einer Weile.

"Ich habe gerade gedacht, dass der arme Doktor zehn Jahre lang nett zu dir sein musste, obwohl du immer so unhöflich warst. Er tut mir Leid", sagte Mary.

"Bin ich unhöflich?", fragte Colin unbeeindruckt.

"Ja", stellte Mary fest. "Niemand hat sich getraut dir mal die Meinung darüber zu sagen, weil alle dachten, dass du bald sterben wirst. Sie hatten Mitleid."

"Ich will aber jetzt kein Mitleid mehr", rief Colin trotzig aus. "Ich habe heute auf meinen Beinen gestanden. Die Leute sollen aufhören, so über mich zu denken."

"Du hast immer deinen Willen bekommen. Davon bist du ganz eigenartig geworden," meinte Mary.

"Ich bin eigenartig?". Colin legte seine Stirn in Falten.

"Ziemlich. Aber ich war genau wie du. Und Ben ist es auch. Aber es ändert sich wenn man Menschen lieben lernt. Und es ändert sich wegen dem Garten."

Colin überlegte. Dann lächelte er und sagte, dass er aufhören würde, wunderlich zu sein. Er müsse nur jeden Tag in den Garten gehen. "Es geht etwas Zauberhaftes vor in dem Garten, Mary. Das spüre ich."

"Ja, ich weiß", stimmte Mary zu.

Am folgenden Tag waren sie wieder in ihrem Garten und bewunderten das, was sie Zauber nannten. Alles sprießte und grünte.

Colin beobachtete alles, was vorging. Er lag stundenlang im Gras und meinte zu sehen, wie die Knospen sich öffnete. Er sah auch Insekten bei ihrem geschäftigen Treiben zu. Einen ganzen Vormittag verbrachte er damit, einen Maulwurf zu beobachten.

An einem Morgen ließ Colin Ben Weatherstaff in den Garten kommen. Er stellte sich unter einen Baum. Lächelnd und anmutig unter dem Baum stehend empfing er Ben. Er wies Dickon, Mary und Ben an, sich in einer Reihe aufzustellen. Dann gab er bekannt, dass er nun einen Rundgang durch den Garten machen wolle-auf seinen eigenen Füßen.

So gingen sie in einer Reihe durch den Garten. Selbst Dickons Tiere schlossen sich an. Colin war eingerahmt von seinen Freunden, die ihn stützten, wenn er eine Pause brauchte. Er schaffte schon ein paar Schritte ohne Hilfe. Es strengte ihn an, aber er gab nicht auf, ehe sie einen kompletten Rundgang geschafft hatten.

"Ich hab es geschafft!". Colin war zufrieden und stolz. Er wollte jetzt jeden Tag das Gehen üben. Aber es sollte noch niemand erfahren. Er wollte, wenn er laufen können würde, seinen Vater damit überraschen und alle Anderen gleich mit.

Bei dem Gedanken daran, wie sein Vater reagieren würde, bekamen Colins Augen einen stolzen Glanz. Er hatte sich überwunden.





Der Klassiker DER GEHEIME GARTEN von Frances Hodgson Burnett (1849-1924) wurde von Miriam Bröckling für den Lesekorb nacherzählt.

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