LABBÉ Verlag
Lesekorb - Geschichten für Kinder

Mein Leben als Mietpferd

Als Mietpferd konnten mich auch Leute lenken, die weder vom Fahren einer Kutsche noch von Pferden eine Ahnung hatten. Und weil ich ein braves und gutmütiges Tier war, traf ich sehr oft auf solche Menschen. Ich kann gar nicht alle Episoden erzählen, so viel Neues ist mir widerfahren. Jedoch gibt es Vorfälle, die ich nicht verschweigen will.

So gab es die Kutscher, die glaubten, wenn sie die Zügel nur kurz genug hielten, hätten sie ein Pferd gut im Griff - was natürlich Schwachsinn ist. Wir können unsere Köpfe auch so gut aufrecht halten. Und den zarteren Tieren unter uns schadete dieses Verhalten mehr, als dass es half.

Allerdings verhielt es sich mit den laschen Kutschern nicht viel besser. Diese lässig über ihre Knie gelegten Zügel gaben uns weder Halt noch Führung. Und wenn dann doch mal ein Pferd scheute, hatten sie die Kutsche nicht mehr im Griff. Bei mir bestand mit solchen Menschen keine Gefahr, weil ich nie scheute. Außerdem fand ich es angenehm, nur einen leichten Zügeldruck zu fühlen.

Einmal zog ich eine Kutsche, in der eine Familie mit zwei Kindern saß. Obwohl ich mich bereits aufs erste Zeichen hin bewegte, zog mir der Herr mehrere Schläge mit der Peitsche über. Auf der neu reparierten Straße lagen Steine verstreut herum. Anstatt auf den Weg zu achten, scherzte der Herr mit seiner Familie und so kam es, dass sich nach einiger Zeit ein Stein in meinen Vorderhuf gebohrt hatte.

Einem aufmerksameren Fahrer wäre mein veränderter Gang nicht entgangen. Auch nicht im Dunkeln. Doch die Familie fuhr fröhlich weiter übers Land während der spitze Stein sich immer weiter in meinen Huf bohrte. Dies ist mit das Schlimmste, was einem Pferd am Fuß passieren kann, denn so verliert der Fuß seine Stabilität und man kann umknicken.

Nach geraumer Zeit empörte sich mein Mietherr: "Der Gaul lahmt ja! So eine Unverschämtheit, mir diesen Rentnerhengst zu geben!" Um seine Entrüstung zu unterstützen, schlug er mit der Peitsche auf mich ein.

Endlich kam jemand des Wegs, der erkannte, dass mit mir was nicht stimmte. Er machte den Herrn darauf aufmerksam und bot ihm Hilfe an. Der Herr schimpfte immer noch, ließ aber den Mann bereitwillig meinen Vorderlauf ansehen. "Sehen Sie", rief er, "er hat einen spitzen Stein im Huf. Die Steine auf dieser Straße sind sehr gefährlich für Pferde!"

Der Mann versuchte vorsichtig, den Stein mit seiner Hand herauszuziehen, was leider nicht klappte. Dann holte er eine kleine Spitzhacke und es tat nur kurz weh, als er den Stein herausholte. Den Herrn blickte er vorwurfsvoll an: "Zum Glück ist das Pferd nicht gestürzt. Stellen Sie sich vor, es hätte sich das Bein gebrochen …"

Der Herr war erstaunt, weil er angeblich gar nicht wusste, dass Pferde sich Steine eintreten können, und teilte dies seinem vorwurfsvollen Helfer mit. Der riet ihm noch, während der weiteren Fahrt gut Acht zu geben, dass mir nicht noch einmal ein Stein im Huf stecken bliebe. "Vermutlich wird Ihr Pferd noch eine Zeit lang lahmen. Machen Sie also langsam."

Damit verabschiedete sich der Mann, hob seinen Hut vor der Familie und ging wieder seinen Weg. Kaum war er außer Sichtweite, knallte mein Herr wieder mit der Peitsche, um mir zu signalisieren, dass es weitergeht. Natürlich befolgte ich seinen Befehl, auch wenn meine Wunde noch schmerzte.

Leider machten Leihpferde öfter solche Erfahrungen.





Der Klassiker BLACK BEAUTY von Anna Sewell (1820 - 1878) wurde von Angelika Kopp für den Lesekorb nacherzählt.

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