LABBÉ Verlag
Lesekorb - Geschichten für Kinder

Ein neues Auto

Es dauerte eine Weile, bis der Maulwurf das Pferd beruhigt hatte. Danach untersuchte er den Wagen, der auf der Seite im Graben lag. Ein beklagenswerter Anblick. Zwischen den herumliegenden Teilen piepte der Vogel verdrießlich und wollte aus dem Käfig freigelassen werden. Die Ratte half sogleich mit, doch der Wagen war zu schwer. "Kröterich, hey Kröterich", riefen sie, "fass mal mit an!"

Der Kröterich saß immer noch geistesabwesend auf der Landstraße. Mit verzückter Miene blickte er der Staubwolke des Zerstörers nach und murmelte: "Tut, tut!" Die Ratte schüttelte ihn heftig an der Schulter. Doch der sagte nur verzückt: "Ein prächtiger Anblick! Wie erregend." Dabei bewegte er sich nicht von der Stelle. "Dies ist die einzige Art zu reisen", schwärmte er, "Im Sauseschritt vorbei an Dörfern und Städten. Heute hier, morgen dort! Oh - tut, tut!"

Der Maulwurf machte kein Geheimnis daraus, dass er Kröterich für einen hoffnungslosen Spinner hielt. Doch der Kröterich bereute wieder einmal all seine vorangegangenen Ideen. "Ich hatte ja keine Ahnung!", rief er enthusiastisch, "aber jetzt ist mir alles klar. In Zukunft werden auch Staubwolken hinter mir aufwirbeln und die kleinen ekligen kanariengelben Karren hinter mir lassen."

Der Ratte war gleich klar, dass hier nichts mehr zu machen war. "Jetzt hat er eine neue Macke, das ist am Anfang immer so. Dann träumt er einige Tage seinen seligen Traum und ist für nichts und niemanden ansprechbar", erklärte er dem Maulwurf. Dann sahen sie nach, ob am Karren noch was zu retten war.

Der Wagen war nicht mehr zu reparieren. Darüber waren sie sich nach gründlicher Untersuchung einig. Sie nahmen das Pferd an die Zügel, den Vogelkäfig in die Hand und gingen in Richtung der nächsten Stadt. "Das dürften noch fünf oder sechs Meilen sein, die wir zu laufen haben", sagte die Ratte. "Wir sollten bald losgehen."

"Und Kröterich?", fragte der Maulwurf. Er sorgte sich um den immer noch fasziniert herumsitzenden Freund. Doch die Ratte wollte nichts mehr mit ihm zu tun haben. "Mit dem bin ich fertig", sagte er. Sie waren allerdings noch nicht weit gekommen, als Kröterich von sich aus den Weg aufgenommen hatte. Allerdings hatte er immer noch diesen verzückten Gesichtsausdruck.

"Jetzt hör zu, Kröterich", wies die Ratte mit herbem Tonfall an. "In der Stadt musst du zuerst zur Polizei und dich über diesen Raser erkundigen und ihn anzeigen. Danach musst du zum Hufschmied und den Wagner aufsuchen, um den Karren abzuschleppen und zu reparieren. Das wird zwar einige Zeit in Anspruch nehmen, aber wir könnten so lange im Gasthaus wohnen. Da können sich auch deine Nerven beruhigen."

Kröterich blickte immer noch umher, als hätte er eine himmlische Erscheinung gehabt. Und anstatt sich den vernünftigen Vorschlägen der Ratte anzugleichen, schwärmte der Kröterich: "Oh Rattenschätzchen, ich bin so froh, dass du mich auf diese Reise begleitet hast. Ohne dich hätte ich diese unglaubliche Erscheinung nie gehabt. Niemals hätte ich diesen Geruch vernommen, den eigentümlichen Ton gehört!"

Die Ratte drehte sich um und rief zum Maulwurf: "Es ist hoffnungslos mit ihm. Wenn wir Glück haben, erreichen wir in der Stadt gleich einen passenden Zug. Dann sind wir heute Abend schon wieder an unserem Flussufer!", rief er schnaubend. Danach sprach er nicht mehr viel und wenn, dann nur mit dem Maulwurf.

In der Stadt angekommen, brachten sie das Pferd in den Mietstall und den Wagen zur Reparatur. Mit dem nächsten Bummelzug fuhren sie zur naheliegendsten Haltestelle bei Krötenhall. Den immer noch verzückten Kröterich brachten sie nach Hause. Seiner Haushälterin gaben sie den Rat, ihn zu füttern und möglichst bald zu Bett zu bringen.

Sie schnappten ihr Boot und ruderten den Fluss hinunter nach Hause. In ihrer Wasserstube nahmen sie gemeinsam Abendbrot ein und waren überaus zufrieden.

Den nächsten Tag verspürte der Maulwurf eine gewisse Leichtigkeit. Er schlief aus und den Rest des Tages fischte er am Uferrand. Die Ratte hatte währenddessen sämtliche Freunde besucht und herumgequasselt und brachte am Abend natürlich Neuigkeiten mit. "Stell dir vor", rief er, "Kröterich hat heute Morgen den ersten Zug in die Stadt genommen. Und du wirst mir nicht glauben, was er dort gemacht hat. Er hat sich ein großes und unglaublich teures Auto bestellt."





Der Klassiker DER WIND IN DEN WEIDEN von Kenneth Grahame (1859-1932) wurde von Angelika Kopp für den Lesekorb nacherzählt. Die Illustrationen stammen von Paul Bransom (1885-1979).

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