LABBÉ Verlag
Lesekorb - Geschichten für Kinder

Die Gänse des Kapitols

Einst geschah es, dass sich vom Norden her keltische Völkerscharen [1] gegen Rom wendeten. Die Römer verachteten diese barbarischen Gallier, doch ihr Anblick ließ sie auch erzittern.

Es war an der Allia [2], wo das Römerheer auf die hünenhaften Gallier traf. Die Römer mussten sich dem wilden Ansturm geschlagen geben, und nur wenige Streiter konnten sich in den Schutz der römischen Mauern retten.

Nun war es Markus Manlius, der als Befehlshaber Rom verteidigen sollte. Zuerst wies er die ganze Bevölkerung  an, die Stadt zu verlassen, weil er sie nicht schützen konnte. Dann schickte er seine Männer zum Kapitol [3] hinauf, um der Belagerung in steiler Höhe standzuhalten.

Doch einer der Gallier hatte bei einem Rundgang einen verborgenen Zugang entdeckt. Dort stieg des Nachts eine Anzahl mutiger Männer hinauf, um die Römer im Schlafe zu überraschen. Schon waren sie lautlos bis an den Mauerrand vorgedrungen, und noch immer zeigte sich kein Posten auf dieser Seite.

Da fingen die heiligen Gänse ängstlich an zu schnattern, die zu Ehren der Göttin der Juno [4] auf dem Kapitol gehalten wurden. Markus Manlius erwachte und stürzte eilig zu der unbewachten Stelle. Dort stieß er den vordersten Eindringling von der Mauerkante, worauf dieser die Nachfolgenden mit sich riss.

Trotz dieser wundersamen Rettung konnte sich die tapfere Besatzung auf Dauer nicht halten. Der Führer der Gallier, Brennus genannt, erklärte sich aber für tausend Pfund Gold bereit, mit seinem Heere abzuziehen.

Den Römern blieb keine andere Wahl, sie mussten die Bedingung erfüllen. Da ging man vor die Tore der Stadt, um das kostbare Metall zu wiegen. Doch schon bald beklagten sich die Römer, dass die Gallier falsche Gewichte hätten. Brennus lachte nur laut, nahm sein Schwert und warf es zum Gold in die Waagschale. Streng schaute er die Römer an und rief mit drohender Stimme: "Wehe den Besiegten!" So lernten die Römer, dass im Krieg Besiegte keine gerechte Behandlung erwarten durften.

 

Erklärungen:

[1] Es war keltische Stamm der Senonen, der 387 vor Christus gegen Rom marschierte.

[2] Die Allia ist ein kleiner Fluss in der Nähe von Rom.

[3] Das Kapitol gehört zu den sieben Hügeln, auf denen Rom erbaut wurde. Zu Anfang stand auf der ersten Kuppe des Kapitols die Burg, auf der zweiten Kuppe ein Tempel.

[4] Juno ist die Göttin der Lebenskraft, eine Begleiterin des weiblichen Wesens von der Geburt bis zum Tod.

 





Diese Sage von Gustav Schwab (1792-1850) wurde von der Labbé-Redaktion für den Lesekorb nacherzählt.

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