LABBÉ Verlag
Lesekorb - Geschichten für Kinder

Die Wette

Als ich einmal meinen guten alten Freund, den Sultan von Istanbul, besuchte, lud er mich aus lauter Höflichkeit zu einem großartigen Essen ein. Die Speisen, so kann ich euch berichten, waren einfach köstlich. Allerdings ließen die Getränke zu wünschen übrig. Das lag vor allen Dingen daran, dass wir uns hier unter lauter Moslems bewegten, für die Alkohol absolut tabu ist.

Mein Freund der Sultan machte aber an diesem besagten Abend eine Ausnahme und ließ aus seinem Keller die letzte Flasche Wein holen - einen ungarischen Roten, eine Marke, die ich vor langer Zeit schon einmal bei Kaiser Karl in Wien getrunken hatte.

"Nun, lieber Münchausen, wie mundet Ihnen dieser Rotwein", fragte mein Gastgeber stolz. "Ich habe ihn von einem Grafen geschenkt bekommen und der hat mir versichert, es sei der beste ungarische Rotwein, den man bekommen könne!"

"Nun, was gilt die Wette, wenn ich Ihnen sage, lieber Sultan, dass ich binnen einer Stunde einen noch besseren Wein auf den Tisch holen kann", fragte ich angriffslustig mein Gegenüber.

"Die Wette gilt", antwortete der türkische Staatsmann und lachte. "Gewinnst du, so will ich dich belohnen. Steht die Flasche aber nicht innerhalb von einer Stunde auf dem Tisch, dann mache ich dich einen Kopf kürzer!"

Ich nahm die Wette an, rief nach meinem Gesinde, das mich stets auf Reisen begleitet, und schickte den schnellsten Läufer aller Zeiten mit einem Brief, der an meinen Freund den Kaiser in Wien adressiert war und in dem ich ihm erklärte, worum es ging, auf den Weg. Es war fünf nach drei als sich der Läufer in Bewegung setzte. Um fünf nach vier musste er zurück sein...

Der Sultan und ich setzten das üppige Mahl fort, hatten allerdings immer einen Blick auf die Uhr gerichtet, die im Speisesaal an der Wand hing. Langsam rückte der Zeiger Minute um Minute vor. Doch weit und breit war kein Läufer zu sehen.

15 Minuten vor vier - ich war inzwischen mächtig aufgeregt, denn es ging ja schlichtweg um mein Leben - entschuldigte ich mich beim Sultan und ging in den Garten hinaus. Dort rief ich nach meinem Freund, der Gras wachsen hören kann. Sofort presste er sein Ohr an den Boden und sagte, dass er den Läufer selig schnarchen höre.

Nun kam mein Jäger an die Reihe, der sich durch ein vortreffliches Auge auszeichnete. Er blickte durch das Visier seines Gewehres und entdeckte den Läufer unweit von Belgrad unter einer Eiche schlafend - die Flasche Wein fest im Arm. Er zielte, gab einen Schuss ab - und die von der Eiche fallenden Blätter, Zweige und Eicheln weckten den Läufer auf. Er sprang auf seine Beine, lief los und war pünktlich um vier Uhr beim Sultan und mir in Istanbul. Mein Leben war gerettet.





Die wundersamen Geschichten von dem BARON MÜNCHHAUSEN von Gottfried August Bürger (1747 - 1794) wurde von Martina Meier für den Lesekorb nacherzählt. Die Bildcollagen wurden nach Illustrationen von Gustav Doré (1832 - 1883) hergestellt.

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