LABBÉ Verlag
Lesekorb - Geschichten für Kinder

Das neue Rathaus

Einst beschlossen die Bürger der kleinen Stadt Schilda ein Rathaus zu bauen. Ein ganz besonderes sollte es sein, denn ihr Architekt hatte schon den Schiefen Turm von Pisa erbaut. Und nun erhoffte man sich in Schilda ein ähnlich schönes Gebäude. Dreieckig sollte es sein, nicht zuletzt deshalb, weil man die Besucher in Scharen anlocken wollte.

Fleißig schichteten die Männer Stein um Stein aufeinander. Binnen kürzester Zeit war das Bauwerk vollendet und die Ratsherren zogen mit all ihren Tischen, Bänken und Akten ein. Eine feierliche Eröffnung folgte, doch siehe da: es mehrten sich die Stimmen, dass es im neuen Rathaus doch fürchterlich dunkel sei.

Die Schildbürger mussten gar nicht lange nachdenken, um die Lösung zu finden. „Ei", sagte einer von ihnen, „Licht ist doch ein Element wie Wasser. Lasst es uns mit Eimern in das Rathaus tragen.“ Gesagt, getan. Schon zogen Männer, Frauen und Kinder mit allem aus, in dem man etwas transportieren konnte: Eimer, Säcke, Schubkarren und vieles mehr wurde schließlich – voll gestopft mit Licht - im Rathaus entleert. Doch es half nichts. Das neue Haus blieb dunkel.

„Merkwürdig“, sagten die Schildbürger und verstanden die Welt nicht mehr. „Lasst uns doch einfach das Dach abdecken“, bemerkte schließlich einer von ihnen nach einer ganzen Weile. „Ein prima Idee“, waren auch die anderen schnell begeistert und begannen gleich die Dachpfannen zu entfernen. Nun konnten die Beamten arbeiten, hatten bestes Licht – und niemand beschwerte sich mehr.

Erst als der Sommer langsam zu Ende ging und die Herbststürme aufbrausten, wurde die Arbeit in dem neuen Rathaus unangenehm. Denn es regnete stets auf die Akten, die dann bald noch einmal geschrieben werden mussten.

Ganz zum Erliegen kam die Tätigkeit aber, als der Winter ins Land zog und mit ihm die dicken Schneeflocken. Nun konnte in dem neuen Rathaus niemand mehr arbeiten – und so wurde das Dach wieder mit den alten Pfannen eingedeckt. Zwangsläufig wurde es in den Räumen stockfinster, das kannte man ja schon.

Eines Morgens aber rief ein besonders fleißiger Beamter aus: „Wir haben beim Bau des Rathauses die Fenster vergessen.“ Alle Schildbürger kamen schnell herbei gelaufen. Nun erkannten auch sie ihren Fehler.

Und genau deshalb wurde das Rathaus von Schilda berühmt – und nicht, weil es dreieckig gebaut worden war.





Die wundersamen Geschichten der SCHILDBÜRGER von Karl Simrock (1802 - 1876) wurde von Martina Meier für den Lesekorb nacherzählt. Die Bildcollagen wurden nach Illustrationen von Friedrich Wilhelm Gubitz (1786–1870) hergestellt.

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