LABBÉ Verlag
Lesekorb - Geschichten für Kinder

Die versunkene Glocke

Wenn Krieg in einem Land herrscht, dann bringen die Bürger ihre Schätze gerne vor den Plünderern in Sicherheit. In Schilda herrschte zwar kein Krieg, aber man konnte ja nie wissen, und so beschlossen die Schildbürger eines Tages, die Glocke ihrer Kirche in Sicherheit zu bringen. Das war eben das Kostbarste, was man in Schilda besaß.

Alle Bürger stellten sich nun eine bange Frage: Wo sollte man diese schwere Bronzeglocke, die zudem noch ziemlich groß war, nur verbergen? Natürlich fanden sie auch für dieses Problem eine Lösung, denn sonst wären sie ja nicht die Bürger von Schilda gewesen.

In der Nähe des kleinen Städtchens lag nämlich ein See. Den kannte kaum jemand, und tief war er auch noch. Also beschlossen die Schildbürger kurzerhand, die Glocke in dem See zu versenken. Denn dort würde bestimmt niemand sie finden.

Sie holten die Glocke also aus dem Kirchturm, verfrachteten sie in einem alten Ruderboot und schon ging es mit ganzer Kraft hinaus auf den See. An geeigneter Stelle rollten sie Männer die Glocke zum Bootsrand, warfen sie ins Wasser und mir nichts, dir nichts war sie im tiefen See verschwunden, nur noch ein paar letzte Luftblasen, die vom Seegrund aufstiegen, zeigten ihre Existenz an.

Nun zog der Schmied sein Taschenmesser aus der Jackentasche und schnitt in den Bootsrand eine dicke Kerbe. „Was tust du da“, wollten die anderen Männer wissen. „Ich markiere die Stelle, an der wir die Glocke ins Wasser geworfen haben. Womöglich finden wir sie nach dem Krieg sonst nicht wieder.“ Alle lobten des Schmieds Verstand.

Natürlich gab es keinen Krieg in Schilda, und so wollten die Männer, die die Glocke versenkt hatten, sie eines Tages wieder aus dem See holen, um sie an ihren rechtmäßigen Platz zurück zu bringen. Doch die Suche nach der Glocke gestaltete sich recht schwierig. Man hatte zwar das Boot mitgenommen, mit dem man damals die Glocke hinausgerudert hatte auf den See. Doch die Kerbe, die der Schmied in den Bootsrand geritzt hatte, war keine wirkliche Hilfe. Denn sie war ja geradewegs immer dort, wo gerade das Boot war. Und so gab der See die Glocke niemals wieder frei.





Die wundersamen Geschichten der SCHILDBÜRGER von Karl Simrock (1802 - 1876) wurde von Martina Meier für den Lesekorb nacherzählt. Die Bildcollagen wurden nach Illustrationen von Friedrich Wilhelm Gubitz (1786–1870) hergestellt.

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