LABBÉ Verlag
Lesekorb - Geschichten für Kinder

Herakles und der Nemeische Löwe

Die Göttin Hera [1] war ihrem Sohn Herakles nicht wohl gesonnen. Sie schickte ihm den Wahnsinn, worauf er seine eigenen Kinder ins Feuer warf. Zur Strafe musste er seinem königlichen Bruder Eurystheus [2] zwölf Jahre lang dienen. Dieser aber gab ihm zwölf Arbeiten auf, die große Taten von Herakles verlangten.

Als erste Arbeit sollte Herakles das Fell des Nemeischen Löwen herbeibringen. Dieses Ungeheuer hauste auf dem Peloponnes in dunklen Wäldern und konnte mit menschlichen Waffen nicht verwundet werden. Manche sagten, der Löwe sei von Typhon [3] und Echidna [4] gezeugt, doch Andere glaubten, er sei einfach vom Himmel gefallen.

Herakles ließ sich davon aber nicht beirren. Unverdrossen warf er sich den Köcher auf den Rücken, nahm den starken Bogen und packte seine gewaltige Keule.

Es war schon Mittag, als Herakles den Wald von Nemea betrat, doch nirgends war eine Spur vom dem Löwen zu finden. Endlich, nach vielen Stunden, erspähte Herkules das gewaltige Tier, wie es in seine Höhle zurückkehrte. Der Löwe hatte fette Beute gemacht, denn sein Kopf und seine Mähne waren vom Blut noch gerötet.

Da schlich sich Herakles leise heran, geschützt von dichten Sträuchern. Fast lautlos ließ er einen Pfeil vom Bogen zischen, der den Löwen in die Seite traf. Das spitze Geschoss aber drang nicht tiefer ein und prallte matt zu Boden.

Darauf hob der Löwe nur kurz den Kopf, um den Pfeil genauer zu betrachten. So zeigte er Herakles seine breite Brust, worauf dieser einen zweiten Pfeil ihm schickte. Doch auch dieses Geschoss war nicht stark genug, das Löwenfell zu durchdringen.

Der Löwe aber brüllte laut und stürzte sich dem Herakles entgegen. Der Held warf den Bogen ab und ließ seine mächtige Keule gegen den Schädel der Ungeheuers fliegen. Der Löwe taumelte nun stark, worauf Herakles ihm die Kehle mit bloßen Armen verschnürte. Dann drückte er mit eisernem Griff, bis die Seele den röchelnden Körper verlassen hatte.

Als der siegreiche Held jetzt versuchte, die Haut des Löwen abzuziehen, widerstand sie der scharfen Klinge. Herakles überlegte lange, aber dann versuchte er es mit einer scharfen Kralle, die er am Fuße des Untieres abgeschlagen hatte. Nun war es ein leichtes Spiel, die Haut vom Körper des Löwen zu trennen. Dieses herrliche und unverletzliche Fell sollte fortan der schützende Panzer des Helden sein.

 

Erklärungen:

[1] Hera ist die Schwester und die Gemahlin des Zeus. In Rom steht Juno an ihrer Stelle, die Schützerin von Haus und Herd.

[2] Eurystheus, ein Sohn der Hera, herrschte über Tiryns und Mykene. Das waren Burgstädte auf dem Peloponnes, im Süden von Griechenland.

[3] Typhon ist ein riesiges Ungeheuer mit Schlangenfüßen.

[4] Echidna ist ein Ungeheuer, halb schönäugiges Mädchen, halb grausige Riesenschlange.

 





Diese Sage von Gustav Schwab (1792-1850) wurde von der Labbé-Redaktion für den Lesekorb nacherzählt. Die Bildcollagen wurden nach Illustrationen von John Flaxman (1755-1826) hergestellt.

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