LABBÉ Verlag
Lesekorb - Geschichten für Kinder

Herakles und Acheloos

Der Held Herakles hatte mancherlei Taten auf dem Peloponnes [1] verrichtet. Nun kam er zu Oineus, dem König von Kalydon [2], der eine wunderschöne Tochter mit Namen Deianeira hatte. Diese war durch eine lästige Brautwerbung in großer Not. Denn der Flussgott Acheloos kam in verschiedener Gestalt zu ihrem Vater, um seine Werbung vorzubringen.

Das erste Mal trat er als leibhaftiger Stier vor den König, doch das zweite Mal erschien er als gewundener Drache. Dieser hatte an sich noch ein menschliches Antlitz, aber die grausigen Hörner auf seinem Haupte ließen jeden erzittern. 

Deianeira konnte diesem entsetzlichen Bewerber nicht in die Augen sehen. Tief bekümmert flehte sie zu den Göttern und wollte lieber tot sein, als diesem Ungeheuer als Gemahlin zu folgen. Acheloos aber ließ nicht nach und König Oineus schien seine Tochter dem Flussgott schon zu geben.

Da erschien Herakles, der von einem Freund erfahren hatte, wie schön die bedrängte Königstochter doch sei. Er kam mit der Vorahnung, dass Deianeira nur in heißem Kampfe zu gewinnen sei, darum hatte er sich gut gerüstet. Die wehrhafte Haut des nemeischen Löwen [3] lag schützend auf seinen Schultern und sein Köcher war prall mit Wurfpfeilen gespickt.

Als der gehörnte Flussgott ihn kommen sah, ging er mit seinen Hörnern wütend auf Herakles los. Da rief König Oineus den beiden zu, dass nur der Sieger seine Tochter bekommen werde.

Es entbrannte ein heftiger Kampf zwischen den beiden Bewerbern. Herakles bearbeitete das Ungeheuer mit seinen Fäusten, und Acheloos versuchte ihn mit seinen Hörnern aufzuspießen. So wurde das Gefecht zu einem zähen Ringen. Arm verschlang sich mit Arm, Fuß in Fuß, und der Schweiß strömte über ihre Häupter. Zuletzt aber behielt Herakles, der Sohn des Zeus [4], die Oberhand und warf den Flussgott zu Boden.

Nun verwandelte sich Acheloos in eine Schlange. Doch Herakles wusste mit Schlangen umzugehen und packte sie gleich beim Kragen. Er hätte sie auch leicht erwürgen können, doch der Flussgott verwandelte sich schnell in einen Stier zurück.

Herakles ließ sich von solcherlei Künsten nicht beirren. Mutig griff er das Untier bei den Hörnern und stürzte es wieder zu Boden, sodass das eine Horn in Stücke zerbrach. Da erkannte der Flussgott seine Niederlage und überließ dem Sieger die Braut.

Acheloos aber hatte von einer Nymphe [5] einst das Horn des Überflusses als Gabe erhalten, dass ihm stets die schönsten Früchte spendete. Dieses Horn tauschte er ein, um sein zerbrochenes Horn zu ersetzen.

 

Erklärungen:

[1] Der Peloponnes ist eine Halbinsel im Süden von Griechenland. Sie ist durch eine Landenge mit dem griechischen Festland verbunden.

[2] Kalydon war eine Stadt in Atolien. Das ist eine Landschaft im mittleren Griechenland, nördlich des Golfes von Patras.

[3] Der Nemeische Löwe trieb im Tal von Nemea sein Unwesen und hatte ein unverletzliches Fell. Herakles jagte und erwürgte ihn.

[4] Zeus ist der oberste Gott der Griechen, der Vater der Götterfamilie.

[5] Nymphen sind Naturgottheiten, die als Töchter des Zeus gelten.

 





Diese Sage von Gustav Schwab (1792-1850) wurde von der Labbé-Redaktion für den Lesekorb nacherzählt. Die Bildcollagen wurden nach Illustrationen von John Flaxman (1755-1826) hergestellt.

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