LABBÉ Verlag
Lesekorb - Geschichten für Kinder

Detektiv Fix wartet ungeduldig

Seit dem besagten Telegramm waren knapp zwei Tage vergangen. Zwei Tage, in denen ein Mann ungeduldig auf die Ankunft des Schraubenschiffes "Mongolia" in Suez wartete. Dieses Schiff fasste im Oberdeck 2800 Bruttoregistertonnen und hatte 500 PS. Es fuhr für die "Indisch-Orientalische-Schifffahrtsgesellschaft", Post und Fahrgäste zwischen Brindisi in Italien und Bombay in Indien hin und her, wobei es den Suez-Kanal durchquerte.

Zwei Herren standen auf dem Kai von Suez mitten im Gewühl. Die ehemalige Kleinstadt hatte seit dem Bau des Kanals, der das Mittelmeer mit dem Roten Meer verband, einen ungeahnten Aufschwung erlebt.

Einer der beiden Herren war der britische Konsul von Suez. Der beobachtete die Durchfahrt der englischen Schiffe, die durch den Kanal ihre Fahrzeit von England nach Indien halbierten, weil sie sich die Route um Afrikas "Kap der Guten Hoffnung" ersparten.

Sein Begleiter war ein kleiner magerer Mann mit intelligenten Augen. Er schien nervös, denn seine Augenbrauen zuckten unaufhörlich. Im Augenblick rannte er ungeduldig auf dem Kai hin und her. Er hieß Fix und war einer der Polizeibeamten, die in allen wichtigen Häfen auf der Lauer lagen, um den Räuber aus der Bank von England zu fassen.

Detektiv Fix dachte an die Höhe der ausgesetzten Belohnung für die Ergreifung. "Sie glauben nicht, dass das Schiff mit Verspätung eintrifft?", fragte er nun schon zum zehnten Mal den Konsul.

"Nein, Mister Fix. Die Mongolia ist gestern planmäßig in Port Said eingelaufen und die 160 Kilometer Kanalfahrt sind für sie ein Kinderspiel. Das Schiff kassiert regelmäßig die 25 Pfund Belohnung, die die Regierung für jeweils 24 Stunden Zeitgewinn aussetzt. Im Übrigen kann ich mir nicht vorstellen, wie Sie Ihren Mann anhand dieser Beschreibung unter den vielen Fahrgästen entdecken wollen."

"Wissen Sie, Herr Konsul, unsereins hat für solche Leute einen sechsten Sinn. Ich arbeite mit Augen, Ohren und Nase zugleich. Wenn der Kerl an Bord ist, erwische ich ihn auch. Schließlich ist mein Beruf kein Handwerk, sondern eine Kunst."

Mr. Fix litt offensichtlich nicht an Minderwertigkeitskomplexen.

Es war ein schöner, aber kalter Tag, denn der Wind pfiff von Osten. Fix stellte seinen Kragen hoch und fragte: "Wie lange soll der Aufenthalt dauern?"

"Vier Stunden. So lange braucht der Dampfer, um genügend Kohle für die Weiterfahrt zu laden", erwiderte der Konsul.

"Die Mongolia fährt weiter bis Bombay. Also muss der Dieb versuchen in Suez an Land zu gehen und irgendeinen Weg durch holländische oder französische Kolonien zu nehmen. Denn Indien ist englisches Hoheitsgebiet; das wäre zu gefährlich für ihn."

"Es sei denn der Mann wäre sehr mutig", mit diesen Worten verabschiedete sich der Konsul und kehrte in seinen Amtssitz zurück, der sich in Hafennähe befand.

Während Fix noch über die Worte des Konsuls nachdachte, vernahm er plötzlich schrille Signale, die die Ankunft des Dampfers ankündigten. Die Menschenmengen stürzten zur Landungsbrücke, sodass man sich um das Leben der Aussteigenden Sorgen machen musste. Ungefähr zehn kleine Boote stießen vom Kai ab, um die Mongolia einzuholen.

Kurz darauf tauchte der gewaltige Schiffsrumpf zwischen den Kanalufern auf. Um Punkt 11 Uhr war es soweit - das Schiff ankerte.

Die meisten Passagiere bestiegen eines der kleinen Boote, um an Land zu kommen. Mr. Fix prüfte aufmerksam jedes Gesicht. Da trat ein junger Mann auf ihn zu, der ihn nach dem Weg zum britischen Konsulat fragte. Offensichtlich beabsichtigte der Fremde, seinen Reisepass, den er in der Hand trug, bei der Behörde abstempeln zu lassen.

Der Detektiv griff instinktiv nach dem Pass und überflog in Sekundenschnelle die Eintragungen. Fast wäre er zusammengezuckt. Das Büchlein in seiner Hand zitterte. Die Personenbeschreibung im Pass deckte sich haargenau mit der Beschreibung des Bankräubers.

"Das ist doch nicht Ihr Pass?", fragte er.

"Nein, er gehört meinem Herrn", antwortete der junge Mann.

"Und wo befindet sich Ihr Herr?"

"An Bord."

"Er muss sich aber selbst im Konsulat ausweisen", erklärte Fix.

"Ist das unbedingt notwendig?"

"Leider ja."

"Und wo finde ich nun das Konsulat?", fragte der Mann.

"Dort drüben an der Ecke des Platzes", sagte der Detektiv und deutete auf ein Haus, das etwa 200 Schritte entfernt lag.

"Dann muss ich wohl meinen Herrn holen. Er wird von dieser Störung nicht entzückt sein." Er grüßte den Detektiv und kehrte zum Dampfer zurück.





Der Klassiker IN 80 TAGEN UM DIE WELT von Jules Verne (1828-1905) wurde von Gabi Müller für den Lesekorb nacherzählt. Die Bildcollagen wurden nach Illustrationen von Alphonse de Neuville (1836-1885) und Léon Benett (1839-1917) hergestellt.

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