LABBÉ Verlag
Lesekorb - Geschichten für Kinder

Mr. Fix ist verwirrt

Die Rangoon verrichtete in den chinesischen und japanischen Küstengewässern den Postdienst. Der Schraubendampfer war zwar ebenso schnell, wie die Mongolia, aber weniger elegant ausgestattet. Für seine Reisebegleiterin hätte sich Phileas Fogg eine komfortablere Unterbringung gewünscht, aber Mrs. Aouda stellte keine besonderen Ansprüche, und die Fahrt über 3500 Meilen würde kaum länger als elf oder zwölf Tage dauern.

Während der ersten Tage der Überfahrt lernte Mrs. Aouda, Phileas Fogg etwas besser kennen. Bei jeder Gelegenheit erklärte sie ihm ihre Dankbarkeit. Doch unser unterkühlter Gentleman nahm ihre Worte mit unbewegter Miene entgegen. Jedenfalls sah es so aus. Er erfüllte seine Höflichkeitspflichten mit derselben Präzision, wie er seine Reise durchführte.

Mrs. Aouda wusste nicht, was sie von Mr. Foggs Verhalten denken sollte, aber Passepartout kam ihr zur Hilfe. Er klärte die junge Frau über die Eigenheiten seines Herrn auf und erzählte ihr auch von der Wette. Sie lächelte darüber, schließlich verdankte sie Mr. Fogg das Leben und so betrachtete sie ihn weiterhin mit dankbaren Augen.

Der erste Teil der Schiffsreise war vom Wetter begünstigt. Die Rangoon passierte den Bengalischen Meerbusen, die Andamanen und mit Volldampf weiter die Malakka-Straße, die ins Südchinesische Meer führt.

Was war aus Mr. Fix geworden? Noch in Kalkutta hatte er Anweisung gegeben, den Haftbefehl sofort weiter nach Hongkong zu schicken. Danach war er an Bord der Rangoon gegangen, wo er sich seither in seiner Kabine versteckt hielt, um Passepartout nicht über den Weg zu laufen.

Seine ganzen Hoffnungen lagen nun auf dem Halt in Hongkong. Mit dieser Stadt betrat der Dieb das letzte Mal britisches Hoheitsgebiet. Fix verbrachte Stunden damit, sich auszumalen, was geschähe, wenn der Haftbefehl nicht rechzeitig eintraf. Notfalls müsste er sich eine List einfallen lassen. Sein letzter Ausweg wäre, Passepartout ins Vertrauen zu ziehen, da er sich sicher war, dass der Franzose nichts über die wahren Machenschaften seines Herrn wusste.

Vollkommen unklar war ihm die Anwesenheit dieser jungen Dame. Fogg musste sie irgendwo zwischen Bombay und Kalkutta kennen gelernt haben, aber wo und wie? Schließlich kam er zu der Überzeugung, dass Fogg die junge Frau entführt hätte. Das würde reichen den Dieb in Hongkong dingfest zu machen.

Bei einem kurzen Zwischenstopp in Singapur wollte Fix ein Telegramm an die Behörden in Hongkong schicken, um sie zu verständigen. Aber ehe es so weit war, musste er wohl oder übel Passepartout zum Plaudern bringen.

Also kletterte Mr. Fix auf das Oberdeck und traf dort mit größter Verwunderung und ganz "zufällig" auf den jungen Franzosen.

"Sie hier auf der Rangoon?", rief Passepartout gleichermaßen erstaunt und erfreut, "machen sie etwa auch eine Reise um die Welt?"

"Oh, nein. Ich muss für ein paar Tage nach Hongkong", erwiderte der Detektiv.

Die Tatsache, warum sie sich bisher nicht auf dem Schiff begegnet waren, erklärte Fix mit einer Unpässlichkeit. Die Seekrankheit hätte ihn seiner Kabine gehalten. "Und wie geht es Mr. Fogg?"

"Vorzüglich", rief Passepartout aus und erklärte mit überschwänglichen Worten, was ihnen seit der letzten Begegnung passiert war.

"Und die junge Dame möchte er mit nach Europa nehmen?"

"Wo denken Sie hin! Wir bringen sie nur in die Obhut eines reichen Verwandten in Hongkong", erklärte Passepartout.

Fix verbarg seine Enttäuschung und lud den Franzosen auf ein Gläschen Gin ein.





Der Klassiker IN 80 TAGEN UM DIE WELT von Jules Verne (1828-1905) wurde von Gabi Müller für den Lesekorb nacherzählt. Die Bildcollagen wurden nach Illustrationen von Alphonse de Neuville (1836-1885) und Léon Benett (1839-1917) hergestellt.

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