LABBÉ Verlag
Lesekorb - Geschichten für Kinder

Überlegungen

Während Phileas Fogg sich die meiste Zeit im Großen Salon der Rangoon aufhielt, wo er Mrs. Aouda Gesellschaft leistete oder, wie eh und je, Whist spielte, begann Passepartout sich ernsthaft Gedanken über Mr. Fix zu machen.

Es war schon ein eigenartiger Zufall, der ihre Wege immer wieder kreuzen ließ. Konnte man überhaupt noch von Zufall sprechen? Da es in der Natur des Menschen liegt, alles zu erklären, kam dem Franzosen plötzlich die Erleuchtung. Mr. Fix war von den Kollegen des Reform Clubs beauftragt worden, die Reiseroute seines Herrn zu überprüfen. Passepartout war sich sicher, nur so konnte es sein. Er beschloss allerdings diese Neuigkeit für sich zu behalten, weil das Misstrauen der Club-Mitglieder Mr. Fogg sicherlich gekränkt hätte.

Am Morgen des 31. Oktobers ging die Rangoon um 4 Uhr morgens in Singapur vor Anker um Lebensmittel und neue Kohle zu laden. Von Kalkutta nach Singapur hatte der Dampfer einen halben Tag weniger gebraucht.

Mrs. Aouda äußerte den Wunsch, für ein paar Stunden an Land zu gehen. Passepartout machte sich daran, wie gewohnt die Einkäufe zu erledigen, Mr. Fogg begleitete die junge Dame zu einer Kutsche, mit der sie eine zweistündige Rundfahrt unternahmen und Mr. Fix schlich ihnen hinterher.

Um 11 Uhr hatte die Rangoon genügend Kohle geladen und die Fahrt konnte weiter gehen. Ungefähr 1300 Meilen trennen Singapur von der Insel Hongkong. Da am 5. November ein Schiff nach Yokohama fuhr, hoffte Phileas Fogg dieses Ziel in höchstens sechs Tagen zu erreichen.

Die Rangoon war voll besetzt. Es wehte eine steife Brise und es gab hohen Wellengang. Die Dampfer der Indisch-Orientalischen-Schifffahrtsgesellschaft hatten einen schwerwiegenden Konstruktionsfehler. Das Verhältnis zwischen Tiefgang und Hohlraum stimmte nicht und so reichten einige Wellenbrecher, die das Deck überspülten um das Schiff zum Kentern zu bringen.

Wegen des schlechten Wetters konnte die Rangoon nur noch mit halber Maschinenkraft fahren, was zu Zeitverlusten führte. Passepartout regte sich schrecklich auf und beschimpfte die Verantwortlichen.

"Sie können es wohl gar nicht erwarten, in Hongkong anzukommen?", fragte ihn eines Tages der Detektiv.

"Wir sind in Eile, schließlich müssen wir das Postschiff nach Yokohama erwischen."

"Sie glauben also immer noch an diese ominöse Wette?"

"Sie etwa nicht? Sie können sich aber gut verstellen", sagte Passepartout und zwinkerte Mr. Fix vertraulich zu.

Der Detektiv stutzte. Wusste der Franzose über ihn Bescheid?

An einem der nächsten Tage wagte sich Passepartout noch weiter vor, das heißt, seine Zunge ging mit im durch. "Wir müssen Sie doch hoffentlich nicht in Hongkong zurücklassen?"

Fix wurde verlegen. "Ich weiß noch nicht…, vielleicht…", stammelte er hilflos. Er studierte das Gesicht seines Gegenübers. Doch der strahlte ihn so freundlich an, dass der Detektiv es für besser hielt, einfach mit zu lachen.

Als Mr. Fix in seine Kabine zurückkehrte, setzte er sich hin und überlegte. Der Franzose wusste offenbar, dass er Detektiv war. Hatte er seinen Herrn gewarnt? Welche Rolle spielte er in der Affäre? Waren die beiden Männer doch Komplizen? Als etwas Ruhe in seine Gedanken einkehrte, beschloss er offen mit Passepartout zu sprechen.





Der Klassiker IN 80 TAGEN UM DIE WELT von Jules Verne (1828-1905) wurde von Gabi Müller für den Lesekorb nacherzählt. Die Bildcollagen wurden nach Illustrationen von Alphonse de Neuville (1836-1885) und Léon Benett (1839-1917) hergestellt.

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