LABBÉ Verlag
Lesekorb - Geschichten für Kinder

Dracula - Kapitel 23

Dr. Sewards Tagebuch
3. Oktober - Das Warten im Haus in Piccadilly fiel uns schwer, auch wenn Van Helsing versuchte, uns geistig wach zu halten. Immer wieder sah er Jonathan hinüber, der furchtbar leidet. Gestern noch war er ein glücklicher, frisch aussehender Mann mit braunem Haar, voller Energie und Tatendrang. Heute ist er ein deutlich gealterter, gebeugter Mann, dessen Haare schlohweiß sind. Seine Augen liegen in tiefen Höhlen, sein Gesicht wirkt vergrämt und faltig. Einzig seine Energie scheint die schreckliche Nacht überdauert zu haben. Glühender Eifer beseelt ihn und ist vielleicht seine einzige Rettung, wenn alles gut geht. Er tut mir unendlich leid und ich dachte schon, mein Leid sei unermesslich, aber seines dagegen ... Der Professor dagegen beschäftigt uns die ganze Zeit, damit Jonathan gar nicht erst ins Grübeln kommt. So erzählte er uns folgendes:

"Ich habe alle Berichte über dieses Ungeheuer gelesen, die ich finden konnte. Je mehr ich las, desto sicherer war ich mir, dass es ausgerottet werden muss. Es machen sich überall Zeichen des Fortschritts bemerkbar. Seine Fähigkeiten wachsen und er ist sich ihrer immer bewusster. Mein Freund Arminius in Budapest stellte mir seine Studien zur Verfügung. Ihnen konnte ich entnehmen, dass Dracula in seinem Leben ein hervorragender Mensch war. Er war Diplomat, Krieger und Alchemist, was in jenen Zeiten den Höhepunkt wissenschaftlicher Entwicklung bedeutete. Sein Verstand war mächtig, seine Erfahrung unvergleichlich und sein Herz kannte weder Furcht noch Gewissen. Es gab keine Wissenschaft in jener Zeit, in der er sich nicht versucht hat.

Seine geistigen Kräfte überlebten den physischen Tod auch wenn sein Gedächtnis nicht ganz lückenlos zu sein scheint. In manchen Beziehungen ist er geistig noch ein Kind, aber er wächst und mit ihm wachsen die Fähigkeiten. Er macht Erfahrungen und zieht daraus seine Schlüsse. Er wäre der Vater und Schöpfer einer neuen Art von Wesen geworden, deren Weg durch den Tod, nicht durch das Leben geht, wenn wir nicht seine Pfade gekreuzt hätten. Misslingen unsere Pläne jedoch, wird er tatsächlich dieses Ziel erreichen."

Harker fragte: "Wie meinen Sie das, Professor? Wie macht er Erfahrungen?" Van Helsing antwortete: "Nun, seit er hier ist, versucht er seine Kräfte. Langsam, aber sicher. Es ist unser Glück, dass sein Gehirn noch ein Kindergehirn ist, denn es ist an der Arbeit. Er hat Erfolge. Hätte er von Anfang an gewisse Dinge gewagt, er wäre längst außerhalb unseres Machtbereiches. Er hat Jahrhunderte vor sich, er kann es sich leisten zu warten. Sein Wahlspruch lautet: 'Festina lente'." Harker und ich sahen uns an und verstanden nicht, was der Professor da sprach. Er fuhr fort: "Ich will es Ihnen erklären, meine Herren. Es ist nicht zu übersehen, dass dieses Scheusal Erfahrungen erwirbt. Er bedient sich eines Zoophagen, um in ihr Haus zu kommen, John. Ein Vampir muss, um später kommen und gehen zu können, wie er möchte, das erste Mal von einem Bewohner des Hauses eingeladen werden.

Aber das ist noch nicht die wichtigste Erfahrung. Er hat die Kisten zunächst mit menschlicher Hilfe transportiert. Er wusste es damals noch nicht anders. Dann half er beim Transport und stellte fest, er könnte es auch allein tun. Das hat er getan. Niemand außer ihm kennt den Schlupfwinkel. Aber keine Sorge, alles das ist ihm sehr spät eingefallen. Wir haben alle seine Schlupfwinkel zerstört. Alle bis auf einen und den werden wir auch noch finden. Für uns steht mehr auf dem Spiel als für ihn. Arthur und Quincey müssten schon auf dem Rückweg sein. Wenn sie hier sind, sind wir fünf."

Van Helsing wurde von einem Klopfen an der Tür unterbrochen. Wir erschraken, aber dann erkannten wir, dass ein Bote mit einer Depesche vor der Tür stand. Van Helsing nahm die Depesche entgegen. Sie war von Mina. "Achtet auf D. Er hat um 12.45 Uhr Carfax eilig verlassen und ist in südlicher Richtung davon. Will er einen Rundgang antreten, um mit euch zusammen zu treffen? Mina." Zunächst schwiegen wir betroffen. Dann sagte Jonathan: "Dann werden wir ja bald mit ihm zusammen kommen." Van Helsing nickte. "Die Zeit zum Handeln ist gekommen. Heute ist Dracula nur mit menschlichen Eigenschaften begabt. Er kann sich nicht verwandeln, wenn die Sonne untergeht. Und er braucht Zeit, um seinen Standort zu verändern. Wichtig ist nur, dass Arthur und Quincey vor ihm hier eintreffen."

Eine halbe Stunde, nach dem die Depesche von Frau Mina hier eingetroffen war, klopfte es an der Tür. Wieder erschraken wir, gingen aber gemeinsam in die große Halle, um nach zu sehen. Es waren Arthur und Quincey, die berichteten, dass sie 12 Kisten gefunden und für Dracula unbrauchbar gemacht hätten. "Nun bleibt uns nichts anderes übrig, als zu warten", sagte Quincey. "Wenn er bis fünf Uhr aber nicht hier ist, sollten wir nach Hause fahren, damit wir Frau Mina beistehen können." Van Helsing winkte ab. "Er wird in Kürze hier sein. Da bin ich sicher. Frau Mina telegrafierte uns, dass er in südlicher Richtung davon ging. Er ist noch nicht hier. Das kann nur heißen, dass er erst nach Bermondsey und von dort aus nach Mile End ging. Wir sollten uns einen Angriffsplan zurecht legen, aber - still. Es ist zu spät. Hört ihr das?"

Van Helsing hob den Finger und wir anderen lauschten wie erstarrt. Wir hörten, wie ein Schlüssel in das Schlüsselloch gesteckt wurde. Rasch und ohne zu zögern übernahm Quincey die Führung und wies jedem von uns einen Platz zu, den wir, ihm blindlings gehorchend, sofort einnahmen. Van Helsing, Harker und ich standen direkt hinter Tür, um den Rückzug abschneiden zu können. Lord Godalming und Quincey standen weiter vorn und aus der Sicht, aber sofort bereit, die Fenster zu versperren. Wir hörten leise tappende Schritte auf dem Gang. Unsere Herzen klopften zum Zerspringen.

Plötzlich sprang der Graf, der auf eine Überraschung wohl gefasst war, mit einem Satz ins Zimmer. Er war so schnell, dass wir ihn nicht halten konnten. Sein Ausdruck war der eines Raubtieres und so so wenig menschlich, dass wir uns augenblicklich von der Bestürzung erholten. Der Erste, der handelte war Harker. Geistesgegenwärtig warf er sich zwischen das Ungeheuer und die Tür. Der Graf ließ ein hässliches Knurren hören und fletschte die langen spitzen Zähne. Er musterte uns mit tiefer Verachtung. Dieser Blick veranlasste uns, ihn plötzlich zu bedrängen. Ich bedauerte, dass wir den Angriff nicht geplant hatten. Was sollte ich tun? Würden unsere weltlichen Waffen etwas nützen? Harker versuchte, mit einem langen Kukrimesser dem Grafen einen Stoß zu versetzen. Dracula aber wich aus, so dass der Stoß nicht sein Herz durchbohrte sondern lediglich ein tiefes Loch in seinen Rock riss, aus dem nun ein Bündel Banknoten und ein Strom von Goldmünzen herausfielen.

Dracula durchbohrte Harker mit seinen Blicken und instinktiv hob ich die Hostie und das Kruzifix. Eine überirdische Kraft schien meinen Arm zu führen und Dracula wich Schritt um Schritt zurück. Der Ausdruck auf seinem Gesicht lässt sich nicht in Worte fassen, so abgrundtief waren der Hass und die Bosheit, die sich dort spiegelten. Sein wachsfarbenes Gesicht wirkte gelbgrün und stach von den rot glühenden Augen ab. Ehe Harker einen zweiten Stoß ausführen konnte, duckte sich der Graf unter seinem Arm hindurch und klaubte einige Goldmünzen vom Fußboden auf. Dann schoss er zum Fenster und sprang hindurch. Unter Krachen und Klirren des splitternden Glases landete der Graf auf dem gepflasterten Hof. Er erhob sich unversehrt und drehte sich zu uns um.

"Ihr dachtet, dass ihr mich überlisten könnt? Ich werde euch noch zu schaffen zu machen. Ihr glaubt, ihr habt mir meine Ruheplätze genommen, aber ihr wisst nicht, dass ich noch mehr habe. Ich habe sie über Jahrhunderte verteilt. Ich habe die Zeit auf meiner Seite. Jetzt beginnt meine Rache. Eure Frauen sind schon mein und auch ihr werdet durch sie bald mein sein. Kreaturen, die meine Befehle ausführen." Dracula eilte zu der Stalltür und verschwand. Wir hörten, wie er den Riegel von innen vorschob.

Nun konnten wir ihm nicht durch den Stall folgen und rannten deshalb in die Halle. "Er fürchtet uns. Soviel ist sicher. Und er hat nicht so viel Zeit, wie er sagt. Wozu sonst die Eile? Und warum hat er das Geld mitgenommen? Schnell, geht ihm nach! Das war ein wirklich aufschlussreiches Zusammentreffen. Ich werde hier bleiben und dafür sorgen, dass er nichts Brauchbares hier mehr vorfindet, wenn er zurückkehrt." Van Helsing bückte sich nach dem auf dem Boden liegenden Geld. Er steckte es in die Tasche. Die Urkunden, die auf dem Tisch lagen, warf er mit den anderen Sachen in den Kamin und zündete sie an. Godalming, Morris und Harker hatten versucht, dem Grafen zu folgen, aber als sie die Stalltür aufgebrochen hatten, war keine Spur mehr zu entdecken. Es war später Nachmittag. Für heute hatten wir unser Spiel verloren.

"Lassen Sie uns zu Frau Mina zurückkehren. Was wir tun konnten, haben wir getan. Nun müssen wir sie schützen. Die Hoffnung trägt uns weiter. Es ist nur noch eine Kiste übrig, die es zu finden gilt. Wenn das geschafft ist, wird alles gut." Van Helsing richtete seine Worte vor allem an Harker, der wie gebrochen schien. Schnell kehrten wir zu meinem Hause zurück. Frau Mina erwartete uns und trug eine frohe Mine zur Schau. Sie sah in unsere Gesichter und wurde blass wie der Tod. "Ihr habt getan, was ihr tun konntet. Ich danke euch." Sie nahm den weißen Kopf ihres Mannes in die Hände und küsste ihn. Haker stöhnte nur, zu groß war sein Jammer.

Unser Abendbrot war rasch verzehrt, hatte doch keiner von uns seit dem Morgen auch nur einen Bissen über die Lippen gebracht. Nach der Mahlzeit fühlten wir uns weniger elend und hoffnungslos. Wie versprochen, berichteten wir Frau Harker alles, was sich zugetragen hatte und sie wurde rot und blass bei unseren Schilderungen. Als wir geendet hatten, erhob sich Frau und begann zu sprechen. Die Narbe auf ihrer Stirn leuchtete rot und voll grimmigen Hasses dachten wir daran, wie und wodurch diese Narbe zustande gekommen war. "Meine treuen Freunde, mein lieber Jonathan. Verliert in dieser schrecklichen Zeit bitte nicht aus den Augen, dass das, was ihr tun müsst, kein Werk des Hasses sein darf. Die arme Seele, die all' das Leid bewirkt, trägt ja selbst die größte Last. Denkt an die reine Freude, die sie haben wird, die auch Lucy hatte, wenn ihr den schlimmeren Teil zu Gunsten des edleren vernichtet habt. Ihr müsst ihn vernichten, aber ihr müsst Mitleid mit ihm haben."

Während ihrer Rede, verzerrte sich Jonathans Gesicht in einer unglaublichen Wut. Er sprang auf. "Wenn Gott ihn mir in die Hände gibt, dann werde ich alles irdische Leben an ihm zerstören. Und wenn ich dabei seine Seele für immer in die tiefste brennende Hölle senden könnte, bei Gott, ich täte es!" "Sage doch solche Dinge nicht, Jonathan. Ich habe heute den ganzen langen Tag darüber nachgedacht. Jonathan, vielleicht bedarf ich auch eines Tages das Mitleid eines Menschen, der es mir dann versagt, weil er mich so sehr für das hasst, was ich bin. Ich würde es dir gern ersparen, Jonathan, aber so steht es nun einmal um mich. Deine Worte waren zornig und hässlich und ich bete zu Gott, dass dieser sie dir nicht strenger anrechnet als das Weinen aus dem gebrochenen Herzen eines liebenden Mannes. Deine weißen Haare legen Zeugnis davon ab, was du erlitten hast."

Sie weinte und wir Männer weinten mit ihr. Harker warf sich auf die Knie und versteckte sein Gesicht in den Falten ihres Kleides. Van Helsing gab uns ein Zeichen und wir verließen leise den Raum. Ehe das Ehepaar Harker sich zur Ruhe begab, sicherte Van Helsing das Schlafzimmer gegen den Vampir und beruhigte Frau Harker. Van Helsing hat jedem von ihnen eine Handglocke hingestellt, um uns im Notfall rufen zu können. Außerdem werden Quincey, Godalming und ich die Nacht über abwechselnd wachen und Frau Harker beschützen. Quincey hat die erste Wache. Arthur hat sich bereits zur Ruhe begeben, denn er hat die zweite Wache. Nachdem meine Arbeit getan ist, werde nun auch ich mich zur Ruhe begeben.

Jonathan Harkers Tagebuch
3. - 4. Oktober. - Es ist kurz vor Mitternacht. Nach dem gestrigen Tag, der nicht enden wollte, sehnte ich mich nach Schlaf, in der Hoffnung, nach dem Aufwachen alles anders vorzufinden. Ehe wir auseinander gingen, berieten wir, was als nächstes zu tun sei, kamen aber zu keinem rechten Ergebnis. Wir müssen die Kiste finden, die letzte Kiste mit Erde, in der der Graf seinen schaurigen Schlaf schläft. Wenn wir die Kiste nicht finden und ihn nicht fangen können, kann er uns noch auf Jahre hin in Bewegung halten. Was passiert in der Zwischenzeit? Dieser Gedanke beunruhigt mich wirklich. Mein armes Weib, das so ohne Fehl und Tadel ist. Welch süßes Mitleid zeigte sie heute gegen das Scheusal, so dass mein eigener Hass umso hässlicher und gemeiner erschien. Soll die Welt dieses reine Geschöpf wirklich verlieren?

Als die Sonne unterging, kam eine Ruhe über Mina, wie sanfter Frühling nach den Märzstürmen. Ich dachte, die Sonne ließe ihr Antlitz erglühen, aber nun glaube ich, dass die Ursache tiefer liegt. Ich bin nicht schläfrig, nur müde - todmüde. Ich muss mich zum Schlafen zwingen, denn morgen ist auch wieder ein Tag.

Später. - Ich muss eingeschlafen sein. Als ich erwachte, saß Mina kerzengerade im Bett. Sie sah mich an und flüsterte: "Da geht jemand im Korridor!" Ich stand auf, ging leise durch das Zimmer und öffnete die Tür. Draußen lag hellwach Herr Morris auf der Matratze. Er sah mich an und sagte dann: "Es ist alles in Ordnung. Einer von uns ist immer hier. Schlafen Sie." Ich nickte ihm dankbar zu und schloss die Tür. Mina hatte alles mit angehört und seufzte tief. "Diese tapferen Männer! Ich danke Gott dafür, dass sie bei uns sind." Dann legte sie sich zurück und schlief ein. Ich finde keinen Schlaf, deshalb schreibe ich.

4. Oktober. - Mina weckte mich ein zweites Mal in dieser Nacht. Das Grau des erwachenden Tages kroch durch die Ritzen und wir mussten doch recht gut geschlafen haben. "Ich muss sofort den Professor sprechen", sagte Mina. "Was ist denn?", fragte ich besorgt. "Ich habe eine Idee. Ich habe die ganze Nacht darüber nachgedacht. Der Professor muss mich hypnotisieren. Es muss geschehen, ehe es Tag wird, dann werde ich vielleicht sprechen können. Rasch. Hole Van Helsing!" Dr. Seward hielt draußen noch Wache und ich schickte ihn zu Van Helsing. Van Helsing war augenblicklich zur Stelle und auch die anderen Herren erschienen in unserem Schlafzimmer. Als Van Helsing sah, dass Mina lächelte, wich der besorgte Ausdruck auf seinem Gesicht. "Ich sehe, Frau Mina ist wie ehedem. Was kann ich für Sie tun, liebe Frau Mina? Es muss etwas Wichtiges sein, wenn ich die Uhrzeit bedenke."

"Bitte hypnotisieren Sie mich!", bat Mina. "Ehe es Tag wird, denn ich fühle, dass ich werde sprechen können. Machen Sie rasch, die Zeit drängt." Van Helsing nickte nur knapp und stellte keine Fragen mehr. Er machte Mina ein Zeichen, dass sie sich aufrecht hinsetzen solle. Er sah ihr fest in die Augen und begann mit seiner Hypnose. Dazu strich er ihr mit den Händen am Kopf entlang und auch über ihre Stirn. Mina blickte dem Professor starr in die Augen, dann schlossen sich ihre Lider. Sie saß völlig still. Als sich ihre Augen öffneten war sie eine andere. Ihre Stimme hatte einen träumerischen, traurigen Klang, den ich noch nie zuvor gehört hatte.

Van Helsing war mit Schweiß bedeckt. Vorsichtig begann er mit ihr zu sprechen, während wir alle zuhörten. "Wo sind Sie?", fragte er. "Das weiß ich nicht." Stille. Van Helsing zeigte auf die Vorhänge und ich zog sie zurück. Ein rötlicher Strahl fiel ins Zimmer und machte das Licht rosig. "Wo sind sie jetzt?" "Ich weiß nicht. Hier ist alles fremd." "Was sehen Sie?" "Ich kann nichts sehen. Es ist dunkel." "Was hören Sie?", der Professor war bemüht, die Anspannung in seiner Stimme zu überspielen. "Ich höre Klatschen von Wasser. Es gluckert und gurgelt. Ich kann die Wellen außen hören." "Sind Sie auf einem Schiff?" "Ja." "Was hören Sie noch?" "Das sind Männer. Sie rennen herum. Eine Kette rasselt und das Gangspill dreht sich klirrend." "Was tun Sie?" "Ich liege hier. Es wie der Tod." Mina atmete noch einmal tief ein, dann fielen ihr die Augen zu.

Die Sonne war aufgegangen. Van Helsing legte Mina die Hände auf die Schultern und drückte sie sachte zurück in ihre Kissen. Einige Sekunden lag sie still wie ein schlafendes Kind. Dann schlug sie mit einem langen Seufzer die Augen auf. "Habe ich etwas sagen können?" Der Professor wiederholte das ganze Gespräch für sie. "Dann müssen wir sofort handeln. Vielleicht ist es noch nicht zu spät", sagte Mina. Lord Godalming und Morris wollten davon eilen, aber Van Helsing hielt sie zurück.

"Liebe Freunde, das Schiff hat den Anker gelichtet, als Mina sprach. Viele Schiffe werden heute Morgen den Anker gelichtet haben. Welches ist das, das wir suchen? Immerhin haben wir nun wieder eine Spur! Wie blind sind wir gewesen. Als Dracula gestern das Geld an sich raffte, war er dabei zu entfliehen. Hört ihr, er wollte uns entfliehen. Mit nur einer Kiste Erde und einer Meute Männer an den Fersen, die ihn vernichten wollen, hat er gesehen, dass London keinen Raum mehr für ihn bietet. Er hat die letzte Kiste an Bord eines Schiffes gebracht und will das Land verlassen. Er glaubt, uns entwischen zu können, aber auch wir sind listig und werden in Kürze wissen, welches Schiff er nahm. Wir können nun eine Weile Atem schöpfen und ausruhen. Es liegen Wasser zwischen ihm und uns. Wir wollen in Ruhe baden und frühstücken und dann alles weitere besprechen."

Mina sah van Helsing an. "Müssen wir ihn denn noch verfolgen, wenn er doch das Land verlassen hat?" "Wir müssen und wenn es bis zu den Pforten der Hölle wäre", antwortete Van Helsing fest. "Warum?" Minas Augen sahen Van Helsing flehend an. "Frau Mina, der Graf kann noch Jahrhunderte leben. Sie aber sind nur ein sterblicher Mensch. Seit er jenes Wahrzeichen auf Ihre Kehle gedrückt hat, ist Zeit für uns das Kostbarste." Mina begriff und ich konnte sie gerade noch auffangen, als sie ohnmächtig zusammen sank.





Der Klassiker DRACULA von Bram Stoker (1847-1912) wurde von Kirsten Großmann für den Lesekorb nacherzählt.

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