LABBÉ Verlag
Lesekorb - Geschichten für Kinder

Island

Am Tag vor der Abreise überbrachte der nette Herr Thomson uns noch einige Empfehlungsschreiben. Er hatte an den Grafen Trampe, den Gouverneur von Island, an Herrn Pictursson, den Koadjutor des Bischofs und an den Bürgermeister von Reykjavik, Herrn Finsen, geschrieben. Mein Onkel drückte ihm dankbar die Hand und verabschiedete sich herzlich.

Am Tag der Abreise wurde unser Gepäck um sechs Uhr morgens auf die Walküre gebracht. Wir verließen unter gutem Wind den Sund und konnten schon eine Stunde später war von Kopenhagen nichts mehr zu sehen. Der Kapitän hatte uns gesagt, dass die Überfahrt ungefähr zehn Tage dauern würde. Der Schoner brachte Kohlen, Haushaltswaren,, Kleidungsstücke und Getreide nach Reykjavik. Die Besatzung bestand aus fünf Dänen.

Wir fuhren um das Kap Skagen, durch den Skagerrak an der Südspitze Norwegens vorbei und erreichten schließlich die Nordsee. Zwei Tage später fuhren zwischen den Orkney und Shetlandinseln auf die Färöer zu. Die Wellen des Atlantiks schüttelten uns und gegen den Nordwind lavierend erreichten wir die Färöer nur mit Mühe. Am 8. Hatten wir Sicht auf Myggenäs und von da an hielt unser Kapitän Kurs auf Kap Portland an der Südküste Islands.

Die Fahrt verlief ohne Zwischenfälle. Ich wurde nicht seekrank und konnte die Fahrt genießen. Mein Onkel jedoch war ununterbrochen seekrank, was ihn sehr verärgerte und beschämte. Er verbrachte die meiste Zeit in seiner Kajüte liegend und ich muss gestehen, dass ich ihm dieses Schicksal ein kleines bisschen gönnte.

Am 11. kam Kap Portland in Sicht. Es war kalt und man konnte den Myrdals Yokul erkennen, der Kap Portland beherrschte. Das Kap bestand aus steilen Abhängen, die über einem Strand einsam aufragten. Wir fuhren weiter und entfernten uns bei Kap Reykjamäs vom Ufer, um nicht auf einen Felsen aufzulaufen.

Das Meer wogte wild und zwang meinen Onkel in die Kajüte. Er konnte keinen Blick auf die zerklüftete Küste werfen. Zu allem Überfluss gerieten wir noch in einen Sturm und mussten mit gerefften Segeln fliehen. Schließlich tauchte im Osten die Bake der Spitze Skagen auf, deren Felsen sich unter der Wasseroberfläche gefährlich weit ins Meer erstrecken. Ein isländischer Lotse kam an Bord und drei Stunden später ging die Walküre in der Bucht Faxa vor Reykjavik vor Anker.

Der Professor war blass und mitgenommen, aber seine Abenteuerlust war ungebrochen. Er kam aus seiner Kajüte und die Augen funkelten. Er zog mich zum Bug des Schiffes, zeigte mit dem Finger auf einen hohen Berg mit zwei Spitzen und rief: "Der Sneffels!"

Ein Ruderboot setzte uns über und wir betraten isländischen Boden. Ein stattlicher Mann trat auf uns zu. Es war Baron Trampe, der Gouverneur der Insel. Mein Onkel übergab ihm unsere Empfehlungsschreiben und Baron Trampe stellte sich uns zur Verfügung. Ebenso freundlich wurden wir vom Bürgermeister empfangen. Der Koadjutor Pictursson besuchte gerade das nördliche Island, deshalb konnten wir uns ihm nicht vorstellen.

Wir kamen bei Herrn Fridrickson unter, ein freundlicher Mann, der an der Schule in Reykjavik Naturwissenschaften unterrichtete. Herr Fridrickson sprach nur Isländisch und Lateinisch. Da ich kein Dänisch sprach, war er der einzige, mit dem ich mich während unseres Aufenthaltes in Island unterhalten konnte. Er stellte uns zwei Zimmer zur Verfügung und kaum hatten wir uns eingerichtet, sagte der Professor: "Nun Axel. Jetzt müssen wir nur noch hinunter steigen. Wir dürfen keine Zeit verlieren. Ich gehe jetzt in die Bibliothek und sehe nach, ob es eine Handschrift von Saknussemm gibt. Begleitest du mich?" Ich schüttelte den Kopf. "Nein, danke. Ich möchte mir lieber die Stadt ansehen." Mein Onkel nickte und so trennten sich unsere Wege.

Ich verließ unsere Zimmer und spazierte drauflos. In den beiden Straßen Reykjaviks kann man sich kaum verlaufen und nach drei Stunden hatte ich nicht nur die Stadt, sondern auch ihre Umgebung besichtigt. Es kam kaum Bäume oder andere Vegetation. Überall nur vulkanisches Gestein. Und die Isländer wohnten in Hütten aus Torf und Lehm, deren Wände sich nach innen neigen. Die Dächer waren mit Gras bedeckt und ergaben so fruchtbare Wiesen. Menschen sah ich nur wenige auf meinem Rundgang und als ich in das Haus von Herrn Fridrickson zurückkam, war mein Onkel schon dort.





Der Klassiker DIE REISE ZUM MITTELPUNKT DER ERDE von Jules Verne (1828-1905) wurde von Kirsten Großmann für den Lesekorb nacherzählt. Die Bildcollagen wurden nach Illustrationen von Édouard Riou (1838-1900) hergestellt.

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