LABBÉ Verlag
Lesekorb - Geschichten für Kinder

In der Sackgasse

Wir rationierten das Wasser, denn unser Vorrat würde gerade noch drei Tage reichen. Eine Quelle zu finden, konnten wir an die und die Hoffnung, eine Quelle zu finden hatten wir aufgegeben.

Wir wanderten tapfer weiter. Im Licht unserer Kampen funkelten Schiefer, Kalkstein und alter roter Sandstein. Auch Stücke prachtvollen Marmors konnten wir sehen, achatgrau, rötlich oder gelb. Auf vielen dieser Marmorstücke sah man Abdrücke von Urtieren. Ich sah Reste einer höheren Gattung als am Tage zuvor. Offensichtlich stiegen wir die Leiter des Tierlebens, auf dessen oberster Stufe der Mensch steht, wieder hinauf. Mein Onkel schien das alles nicht zu bemerken, denn er wartete auf zwei Dinge: entweder sollte sich ein senkrechter Schacht auftun, der direkt zum Mittelpunkt der Erde führte oder aber ein Hindernis sollte auftauchen, das ein Weitergehen unmöglich machte. Aber weder das Eine noch das Andere geschah. Der Abend kam und nach einer Nacht, in der wir alle schon den quälenden Durst zu spüren bekommen hatten, gingen wir weiter.

Wir marschierten zehn Stunden. Da bemerkte ich plötzlich, dass Schiefer, Kalk, Marmor und Sandstein verschwanden. Die Wände waren dunkel und stumpf. Ich streckte die Hand aus und berührte die linke Tunnelwand. Als ich meine Hand zurückzog, war sie schwarz. "Wir sind in einer Kohlengrube!", rief ich erstaunt. "Ein Bergwerk ohne Bergleute.", sagte mein Onkel. "Wer weiß?", fragte ich, aber mein Onkel sah mich nur kühl an. "Ich weiß es. Dieser Gang hier ist nicht von Menschenhand gemacht. Und selbst wenn es so wäre, wäre es mir egal. Es ist Zeit für das Abendessen."

Ich konnte nur wenig essen und trank gierig die wenigen Tropfen Wasser, die mir zustanden. Wir hatten nun nur noch die halbvolle Feldflasche des Führers. Nach dem Abendessen legten sich Hans und mein Onkel zur Ruhe. Sie schliefen sofort ein, während ich mich schlaflos hin und her wälzte.

Der nächste Morgen war ein Samstag und wir gingen um sechs Uhr weiter. Nur zwanzig Minuten später erreichten wir eine große Grube. Wäre sie von Menschhand gemacht gewesen, so wäre sie wohl abgestützt worden. Diese Grube war ungefähr hundert Fuß breit und hundertfünfzig Fuß hoch. Man konnte die ganze Geschichte des Karbons an den Wänden lesen und jeder Geologe hatte die verschiedenen Phasen bestimmen können. Meinen Onkel interessierten aber diese Dinge nicht. Wir gingen weiter und bemerkten plötzlich einen scharfen Geruch von Kohlenwasserstoff. In dem Gang, in dem wir uns befanden, musste eine beträchtliche Menge dieses Gases vorhanden sein, das die Bergleute Grubengas nennen. Seine Explosionen verursachten oft furchtbare Katastrophen. Wie glücklich war ich über die Ruhmkorffapparate. Mit der Fackel in der Hand, wäre unsere Reise wohl in diesem Gang zu Ende gewesen.

Wir wanderten weiter durch die Kohlemine. Es wurde Abend, der Weg verlief horizontal und mein Onkel war höchst ungehalten. Es war sechs Uhr, als plötzlich und unvermittelt eine mauer vor uns aufragte. Es gab kein Vorbeikommen. Wir befanden uns in einer Sackgasse.

"Nun gut!", rief mein Onkel. "Nun wissen wir wenigstens, dass wir den falschen Gang gewählt haben. Wir kehren einfach um und nehmen an der Weggabelung den anderen Weg." Auffordernd sah Professor Lidenbrock Hans und mich an. "Wenn wir überhaupt noch die Kraft haben bis dorthin zurück zu gehen.", unkte ich. "Unser Wasservorrat ist so gut wie erschöpft." Mein Onkel blickte mich streng an. "Ist denn auch dein Vorrat an Mut erschöpft?" Ich behielt meine Gedanken für mich.





Der Klassiker DIE REISE ZUM MITTELPUNKT DER ERDE von Jules Verne (1828-1905) wurde von Kirsten Großmann für den Lesekorb nacherzählt. Die Bildcollagen wurden nach Illustrationen von Édouard Riou (1838-1900) hergestellt.

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