LABBÉ Verlag
Lesekorb - Geschichten für Kinder

Die Grotte

Als ich wieder zu mir kam, blickte ich in das besorgte Gesicht meines Onkels. Ich lag im Halbdunkel auf einer dicken Decke und mein Onkel hielt meine Hand. Als ich die Augen aufschlug, stieß er einen Seufzer der Erleichterung aus. "Er lebt. Mein Junge lebt. Du bist gerettet, Axel." Er presste mich an seine Brust. Ich war gerührt. Dann sah ich Hans. Auch er schien erleichtert, dass ich noch lebte. Er nickte mir zu und sagte: "God dag." Ich lächelte ihm zu. "Wo sind wir?", fragte ich meinen Onkel. Der schüttelte den Kopf. "Nicht jetzt, Axel. Morgen erzähle ich dir alles. Aber ich musste deinen Kopf verbinden und der Verband darf nicht verrutschen. Alles was ich dir heute noch sage ist, dass wir den 9. August haben, elf Uhr abends. Und jetzt musst du schlafen." Ich nickte und fühlte mich so erschöpft, dass ich sofort einschlief. Das Letzte was mir durch den Kopf schoss war, dass ich vier Tage allein gewesen war.

Am nächsten Morgen sah ich, dass wir in einer bezaubernden Grotte lagerten, in der es riesige Tropfsteine gab. Der Boden war mit feinem Sand bedeckt. Obwohl keine Fackel und keine Laterne brannte, herrschte ein angenehmes Halbdunkel, da von draußen ein unerklärlicher Lichtschein durch einen Spalt in die Grotte fiel. Ich hörte das Murmeln von Wasser und manchmal das Pfeifen des Windes. Waren wir wieder an der Erdoberfläche? Träumte ich noch oder hatte mein Gehirn bei dem Sturz mehr gelitten, als ich geglaubt hatte? Hatte mein Onkel die Expedition aufgegeben? Ich grübelte noch als mein Onkel zu mir trat. "Guten Morgen, Axel. Sicher geht es dir wieder besser, oder?" Ich nickte und richtete mich langsam auf. "Das ist schön. Hans hat deine Wunden versorgt. Er hat eine Salbe, für die die Isländer ein Geheimrezept haben. Hier ist dein Frühstück."

Heißhungrig machte ich mich über die Mahlzeit her und erfuhr dabei, dass ich bei meinem Sturz in einem Steinhagel fast direkt in die Arme meines Onkels gestürzt war. "Es ist fast ein Wunder, dass du nicht schlimmer verletzt warst. Aber jetzt wollen wir uns nicht mehr trennen." Ich riss die Augen auf. "Wir wollen uns nicht mehr trennen? Ist denn die reise immer noch nicht zu Ende?" "Wieso sollte die Reise zu Ende sein?", fragte der Professor irritiert. "Sind wir denn nicht an der Erdoberfläche? Ich sehe Tageslicht und höre das Rauschen des Windes und die Brandung des Meeres. Wie erklärst du mir das?" "Das erkläre ich dir jetzt noch gar nicht. Die frische Luft könnte dir noch schaden." "Die frische Luft? Onkel, wovon redest du?" "Nun der Wind ist recht heftig und es ist besser, wenn du dich heute noch ausruhst, bevor wir uns morgen einschiffen." "Wie bitte? Einschiffen? Wovon redest du?"

Ich schaute meinen Onkel verständnislos an. Gab es einen unterirdischen Fluss und See hier? Ich war so neugierig, dass mein Onkel mich nicht zurückhalten konnte. Ich beendete meine Mahlzeit, zog mich rasch an und verließ die Grotte.





Der Klassiker DIE REISE ZUM MITTELPUNKT DER ERDE von Jules Verne (1828-1905) wurde von Kirsten Großmann für den Lesekorb nacherzählt. Die Bildcollagen wurden nach Illustrationen von Édouard Riou (1838-1900) hergestellt.

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