LABBÉ Verlag
Lesekorb - Geschichten für Kinder

Die Sprengung

Wenn ich heute an jenen 27. August zurückdenke, beginnt mein Herz immer noch wie wild zu schlagen. Was wir vorhatten, würde uns zum Spielball der Elemente machen. Unser Verstand, unsere Vernunft und unser Scharfsinn hatten nichts mehr zu sagen. Ich durfte die Lunte entzünden. Danach wollten wir uns auf unser Floß begeben und auf das Meer hinausfahren, damit uns die Explosion nicht anhaben konnte. Nach einem hastigen Frühstück war es dann so weit. Hans und der Professor begaben sich zum Floß, während ich zurück blieb. Mit meiner brennenden Laterne entzündete ich die Lunte, die an der Tunnelöffnung lag. So schnell ich konnte rannte ich dem Ufer zu und sprang auf das Floß. Hans stieß uns kräftig ab und wir fuhren auf das Meer hinaus.

Mein Onkel beobachtete die Zeiger des Chronometers. Wir waren alle aufgeregt. Nach nicht enden wollenden Minuten des Wartens kam die Detonation so plötzlich, dass ich sie eigentlich gar nicht hörte. Die Felsen öffneten sich plötzlich wie ein Vorhang und eine unermessliche Schlucht klaffte bis zum Ufer. Das Meer erhob sich und nahm unser Floß mit sich.

Blitzartig wurde es dunkel um uns. Wir wurden zu Boden geworfen und ich fand auf dem Floß keinen Halt mehr. Würden wir nun untergehen? Was geschehen war, wusste ich genau. Hinter dem Felsen, den wir gesprengt hatten, gab es einen Abgrund. Die Explosion hatte wie ein Erdbeben gewirkt. Der Abgrund öffnete sich und das Meer verwandelte sich in einen reißenden Strom, der in den Schlund hineinstürzte und wir mit ihm. Wir fielen immer tiefer und die Zeit verging. Wir klammerten uns an das Floß und fassten uns gleichzeitig an den Händen. Der Tunnel musste breit sein, denn das Floß stieß nur einige Male an die Tunnelwand. Wir nahmen auf Arne Saknussemms Weg ein ganzes Meer mit in den Abgrund.

Hans gelang es, eine Laterne zu entzünden und wir sahen uns um. Wir rasten mit großer Geschwindigkeit auf dem Wasserfall abwärts. Immer wieder geriet unser Floß in einen Strudel und drehte sich wie ein Kreisel. Mein Onkel und ich blickten uns verstört an. Die Lage war wirklich schwierig.

Ich versuchte mir einen Überblick über unser Gepäck zu verschaffen. Nur noch der Kompass und das Chronometer waren uns an Instrumenten geblieben. Pickel, Hacke, Hammer, Seile waren verschwunden. Aber das Schlimmste war, dass auch unser Proviant fort war. Wir hatten noch Verpflegung für einen Tag.

Zunächst war ich erschrocken, dann aber war ich nicht mehr sicher, ob wir überhaupt noch Zeit zum Verhungern haben würden. Wie sollten wir wieder an die Erdoberfläche zurückkommen? Sollte ich meinem Onkel von unserem verschwundenen Proviant berichten? Ich entschied mich, ihn nicht aufzuregen und schwieg. In diesem Augenblick wurde das Licht der Laterne schwächer und verlosch schließlich ganz. Immer noch stürzten wir in die Tiefe. Wir konnten nichts mehr sehen und merkten nur an der Heftigkeit des Windes, dass wir unsere Geschwindigkeit verdoppelten. Das Gefälle des Wassers schien immer stärker zu werden. Wir stürzten nahezu senkrecht hinunter und klammerten uns aneinander fest. Plötzlich gab es einen heftigen Stoß. Das Floß hatte in seinem Sturz innegehalten. Eine Wasserhose ging auf uns nieder. Sie überflutete uns, ich rang nach Luft und glaubte, zu ersticken. Dann war es vorbei und ich konnte wieder atmen. Wir saßen immer noch alle drei auf dem Floß.





Der Klassiker DIE REISE ZUM MITTELPUNKT DER ERDE von Jules Verne (1828-1905) wurde von Kirsten Großmann für den Lesekorb nacherzählt. Die Bildcollagen wurden nach Illustrationen von Édouard Riou (1838-1900) hergestellt.

Artikel versenden

Einfach Karte ausfüllen und per E-Mail an Freunde verschicken!

Dein Name:

Deine E-Mail:

Name des Empfängers:

E-Mail des Empfängers:

Deine Nachricht:



Artikel versenden

Sorry!
Beim Versenden ist leider ein Fehler aufgetreten:




Artikel versenden

Vielen Dank!
Deine Nachricht an wurde erfolgreich versendet. Wenn du möchtest, kannst du noch eine weitere Mail versenden:


Shop
Shop
Shop
Shop
Shop
Shop