LABBÉ Verlag
Lesekorb - Geschichten für Kinder

Aufwärts

Die Stille, die plötzlich eintrat war das erste, was ich bemerkte. Es musste so gegen zehn Uhr abends sein. Ich war verwirrt. Dann sagte mein Onkel: "Wir steigen." Das war unmöglich. Ich streckte den Arm aus und zog ihn mit einem Aufschrei zurück. Meine Hand blutete. Wir fuhren mit rasender Geschwindigkeit aufwärts und die rauen Felsen hatten meine Hand aufgerissen. Hans entzündete eine Fackel, die nur schwach im Luftzug flackerte. "Wir sind nicht mehr im Tunnel. Wir sind in einem engen Schacht. Das Wasser hat den Boden des Abgrundes erreicht und steigt es wieder. Wir steigen schnell, ich schätze, zwei Klafter pro Sekunde. Wir müssen auf alles gefasst sein." Der Professor betrachtete die Wände. "Wir müssen hoffen, dass der Schacht einen Ausgang hat. Sonst verdichtet sich die Luft unter dem Druck der Wassersäule immer mehr und wir werden erdrückt. Nun schau nicht so, Axel. Noch besteht ja Hoffnung auf Rettung."

Ich bezweifelte, dass wir noch zu retten waren. Mein Onkel schlug vor etwas zu essen. Nun musste ich ihm eröffnen, dass alles, was wir noch hatten ein Stück getrocknetes Fleisch war. "Glaubst du immer noch an eine Rettung?", fragte ich ihn verzweifelt. Mein Onkel schwieg. Die Zeit verging. Nach einer Stunde verspürte ich heftigen Hunger. Auch die anderen waren hungrig, aber keiner von uns wollte das Stück Fleisch anrühren.

Wir steigen schnell und manchmal hatten wir Schwierigkeiten, zu atmen. Es wurde immer wärmer und wir hatten gewiss beinah vierzig Grad erreicht. Warum wurde es plötzlich wärmer obwohl wir nicht weiter hinab stiegen? Mein Onkel nahm es mit Humor. "Wenn wir nicht ertrinken oder erdrückt werden und auch nicht verhungern, dann verbrennen wir vielleicht." Ich konnte seinen Worten nichts Amüsantes abgewinnen und er schwieg wieder. Nach einer weiteren Stunde mahnte mein Onkel uns zum Essen. "Wir müssen bei Kräften bleiben. Was nützt uns das Stück Fleisch, wenn wir nachher alle zu schwach sind, um das Richtige zu tun?" Das leuchtete uns ein und so aßen wir schließlich das letzte Stück Fleisch und die Reste des Zwiebacks. Wir genehmigten uns die Reste des Genevers und fanden dieses schmale Mahl einfach vorzüglich.

Während ich meinen Gedanken nachhing, die bei Grete in der Königstraße waren, beobachtete der Professor aufmerksam das Gestein. "Wir steigen. Das hier ist eruptives Granitgestein. Jetzt Gneis, Glimmerschiefer, das ist gut.", murmelte er vor sich hin. Währenddessen stieg die Temperatur stark an und wir waren in Schweiß gebadet. Nach und nach zogen wir unsere Jacken und Westen aus. "Warum wird es immer wärmer?", rief ich. Ich streckte meine Hand aus und schrie im selben Moment auf. Das Gestein glühte und das Wasser unter uns war siedend heiß. "Was geht hier vor?", schrie ich in Panik. Ich sah mich um und meinte seltsame Bewegungen im Granitgestein zu sehen. Würde etwas geschehen, bei dem die Elektrizität eine Rolle spielte? Ich wollte den Kompass ablesen, aber das Ding spielte völlig verrückt.





Der Klassiker DIE REISE ZUM MITTELPUNKT DER ERDE von Jules Verne (1828-1905) wurde von Kirsten Großmann für den Lesekorb nacherzählt. Die Bildcollagen wurden nach Illustrationen von Édouard Riou (1838-1900) hergestellt.

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