LABBÉ Verlag
Lesekorb - Geschichten für Kinder

Der Vulkan bricht aus

Was war nur mit dem Kompass geschehen? Ruckweise sprang die Nadel von einem Pol zum anderen und durchlief das ganze Ziffernblatt. Ich sah mich um und sah noch andere Anzeichen für das, was ich befürchtete. "Onkel, es wird ein Erdbeben geben.", rief ich. Der Professor sah mich an. "Ich bin ganz sicher, Onkel. Erkennst du denn die Symptome nicht?" Wieder ruhte der Blick des Professors auf mir dann. Dann antwortete er: "Nein, Axel. Kein Erdbeben. Das hier ist ein Vulkanausbruch. Wir sind im Krater eines tätigen Vulkanes. Etwas Besseres konnte uns gar nicht passieren."

Ich war wie vor den Kopf geschlagen. Wie waren wir in die Eruption geraten? Konnten wir überleben, mit Asche und Schlacke in die Luft hinausgeschleudert zu werden? War das wirklich unsere einzige Chance je wieder an die Oberfläche zu gelangen? Ich starrte meinen Onkel an, der kühl abwartend unsere Chancen abschätze.

Wir stiegen immer weiter. Die Nacht verging. Ich glaubte, ersticken zu müssen. Unter dem Floß war siedendes Wasser und darunter Lava. Wie sollten wir überleben? Welcher Vulkan würde uns an die Oberfläche werfen? Der Sneffels konnte es nicht sein. Der war erloschen. Wir befanden uns mit großer Sicherheit irgendwo in der nördlichen Region. Als der Kompass noch funktionierte, hatte er stetig nach Norden gezeigt. Waren wieder unter Island?

Das Tempo beschleunigte sich gegen Morgen. Es wurde immer heißer, was auf den vulkanischen Einfluss zurückzuführen war. Wir sahen Schwefelflammen, die um unser Floß züngelten. Mit erschrecken stellte ich fest, dass kein Wasser mehr da war. Wir trieben auf der Lavamasse der Krateröffnung entgegen.

Gegen acht Uhr morgens hörte die Aufwärtsbewegung plötzlich auf. Unser Floß rührte sich nicht mehr. Mein Onkel redete beruhigend auf mich ein, sprach von einer Pause, die vor einem Ausbruch typisch sei. Ich hatte große Sorge, dass der Ausbruch nicht weitergehen könne, aber wie mein Onkel es vorhergesagt hatte, begann der Aufstieg wieder ebenso plötzlich, wie er zum Erliegen gekommen war.

Es geschah noch einige Male, dass der Aufstieg ins Stocken geriet und plötzlich wieder einsetzte. Je länger ich darüber nachdachte, desto klarer wurde mir, dass wir uns nicht im Hauptschacht des Vulkans befanden, sondern in einem Nebengang und daher immer wieder ein Rückschlag zu spüren war.

Ich habe keinen genauen Erinnerungen an das, was in diesen Stunden geschah. Ich erinnere mich an glühende Luft und das Gefühl zu ersticken. Ohne Hans wäre mein Schädel sicher mehr als einmal an der Felswand zerschmettert worden. Ich hörte Detonationen und fühlte das Kreisen des Floßes. Asche regnete auf uns hernieder. Das Letzte an das ich mich erinnerte war Hans' unbewegtes Gesicht.





Der Klassiker DIE REISE ZUM MITTELPUNKT DER ERDE von Jules Verne (1828-1905) wurde von Kirsten Großmann für den Lesekorb nacherzählt. Die Bildcollagen wurden nach Illustrationen von Édouard Riou (1838-1900) hergestellt.

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