LABBÉ Verlag
Lesekorb - Geschichten für Kinder

Mowglis Lied

… das er auf dem Ratsfelsen sang, als er auf Shir Khans Fell tanzte.

Das ist Mowglis Gesang - ich, Mowgli, ich singe! Der Dschungel soll hören, was ich getan. Shir Khan hat gesprochen, er wolle mich töten! Am Dorftor, im Zwielicht, Mowgli, den Frosch. Er fraß und soff. Trink nur tüchtig, Shir Khan, denn wer weiß, wann du noch einmal trinkst. Schlaf nur und träum von der Beute.

Ich bin allein auf der Weide. Komm, Grauer Bruder, zu mir! Komm, einsamer Wolf, denn auf uns wartet herrliche Beute. Führ sie her, die mächtigen Büffel, die Bullen mit blauer Haut und zornigen Augen! Führ sie nach meinem Befehl.

Schläfst du immer noch, Shir Khan? Dann wach endlich auf! Hier komme ich, und mir folgen die Bullen. Rhama, der König der Büffel, stampft stolz mit den Hufen. Wasser des Wainganga, wohin ist Shir Khan denn gegangen? Er ist nicht Ikki, gräbt keine Löcher, nicht Mao, der Pfau, kann nicht fliegen, er ist nicht Mang, die Fledermaus, hängt nicht an Zweigen. Du kleiner Bambus, der krachend zerbrach, sag mir, wohin ist der Tiger gerannt!

O - er ist hier. Oho - er ist dort. Unter den Hufen von Rhama liegt der Lahme. Hoch Shir Khan! Steh auf und schlag zu! Hol dir das Fleisch! Durchbeiß den Nacken der Stiere. Still jetzt, ganz still! Er schläft, lasst ihn ruhen, denn seine Kraft ist sehr groß.

Die Geier stoßen herab, um sie zu erkennen. Die schwarzen Ameisen krabbeln herauf, um sie zu erfahren. Welch große Versammlung, alles zu seinen Ehren. Alala, ich habe kein Tuch, um mich zu bekleiden, nackt und beschämt stehe ich da, vor den Geiern und allen Geschöpfen des Dschungels.

Leih mir dein Fell, Shir Khan. Leih mir den heiter gestreiften Rock, dann kann ich zum Ratsfelsen gehen. Beim Bullen, mit dem ich bezahlt, tat ich einst einen Schwur, ein kleines Versprechen. Nur der Rock fehlt noch, dann kann ich mein Wort auch halten.

Mit dem Messer, dem Menschengerät, mit der Klinge des Jägers, des Mannes, will ich mich bücken nach meinem Geschenk, und dir aus dem Rock helfen. Wasser des Wainganga, das kannst du bezeugen, aus Liebe zu mir überlässt mir Shir Khan als Pfand seinen Rock. Pack an, Grauer Bruder! Zieh, Akela, zerr! Schwer ist das Fell von Shir Khan.

Das Menschenvolk zürnt mir. Sie werfen mit Steinen nach mir und führen kindische Reden. Ich blute am Munde, komm, wir gehen! Lauft mit mir, ihr Brüder, lauft schnell durch die Nacht, wir verlassen die Lichter des Dorfes und folgen dem sinkenden Mond. Wasser des Wainganga, das Menschenvolk hat mich verstoßen. Nichts tat ich ihnen zuleide, und dennoch fürchten sie mich. Warum?

Wolfsvolk, auch du verstößt mich. So ist mir der Dschungel verschlossen und auch die Tore des Dorfes. Warum? Wie die Fledermaus zwischen Vögeln und Tieren umherschwirrt, so ich zwischen Dschungel und Dorf. Warum?

Ich tanz auf dem Fell von Shir Khan, doch das Herz ist mir schwer. Mein Mund ist verletzt und verwundet von den Steinen des Dorfes, doch das Herz ist mir leicht, weil ich heimkam zum Dschungel. Warum?

Beides, Freude und Schmerz, kämpfen in mir wie die Schlangen im Frühling. Ich weine und lache. Warum? Ich bin Mowgli und noch ein anderer Mowgli, doch ich spüre das Fell von Shir Khan unter den Füßen.

Der Dschungel weiß: Ich habe Shir Khan getötet! Schaut her - schaut gut her, o ihr Wölfe! Ahae! Das Herz ist mir schwer von den Dingen, die ich nicht begreife.





Der Klassiker DAS DSCHUNGELBUCH von Rudyard Kipling (1865-1936) wurde von Angelika Kopp für den Lesekorb nacherzählt.

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