LABBÉ Verlag
Lesekorb - Geschichten für Kinder

Huckleberry und Jim finden einen Toten

Ich wollte nochmals an eine Stelle gehen, die mir aufgefallen war, als ich die Insel durchstreift hatte. Wir waren schon bald da, die Insel war ja nur drei Meilen lang und eine viertel Meile breit.

Wir mussten auf einen ziemlich steilen Hügel, so eine Art Felsen hochsteigen. Wir suchten alles ab und fanden schließlich eine schöne große Höhle, kurz unter der Spitze des Hügels. Die Höhle war so groß wie zwei oder drei Zimmer zusammen. Sogar Jim konnte aufrecht stehen. Und kühl war es hier.

Jim wollte sofort hier einziehen. Aber ich wollte nicht dauernd rauf und runter latschen müssen. Jim hielt die Höhle für ein geeignetes Versteck, falls jemand auf die Insel kommen würde. Außerdem würde es, wenn es bald zu Regnen anfinge, unseren Kram vor Nässe schützen. Ich gab nach und wir ließen uns in der Höhle häuslich nieder.

Der Zugang zur Höhle war nicht größer als ein Schweinskopf. Auf der gegenüberliegenden Seite, die etwas erhöht war, konnten wir Feuer machen und unser Mittagessen kochen. Unsere Decken legten wir als Teppich auf die Erde und die anderen Sachen verstauten wir ganz hinten in der Höhle.

Bald kam auch das erwartete Sommergewitter. Es goss wie aus Kübeln und die Blitze tauchten alles in helles, goldenes Licht. Ein furchtbarer Donner folgte. Ich hätte nirgendwo anders sein wollen und wir aßen glücklich unseren Fisch und den heißen Maiskuchen.

Zehn oder zwölf Tage lang stieg der Fluss, bis er über die Ufer trat. Das Wasser stand auf den tief liegenden Stellen am Ilinois-Ufer. Tagsüber paddelten wir überall herum. Auf den entwurzelten Bäumen saßen Kaninchen und kleine Schlangen und anderes Viehzeug. Die Meisten waren inzwischen zahm vor Hunger. Nur die Schlangen und die Schildkröten schlüpften immer sofort ins Wasser, wenn einer kam. Unsere Höhle war voll von Viechern.

Das Gute am Hochwasser war wieder einmal das Treibholz. Wir zogen ein Stück von einem Floß aufs Trockene. Ein anders Mal kam ein richtiges Holzhaus angeschwommen, das auf einem Floß stand. Wir sind rübergepaddelt, auf das Floß geklettert und haben durch das Fenster ins Haus geguckt. Doch es war zu dämmrig. Deshalb machten wir das Kanu fest und warteten auf den Morgen.

Als es hell wurde, sahen wir uns alles an. Da lag ein Haufen altes Zeug rum. In der Ecke lag was, das aussah wie ein Mann. Aber der bewegte sich nicht. Ich rief und Jim sagte: "Der Mann schläft nicht, der ist tot."

Jim ging rein und sah, dass der Tote nackt war. Er musste erschossen worden sein und lag schon mindestens drei Tage hier. Ich guckte ihn nicht an und Jim warf ihm einige Lumpen über. Es lagen viele Dinge durcheinander auf dem Boden, alte Whiskyflaschen, zwei schwarze Gesichtsmasken, dreckige Kleider, ein Kopftuch und Frauenkleider, auch Männeranzüge. Das meiste packten wir ins Kanu.

Weil alles so wüst herumlag, glaubten wir, dass ein paar Leute Hals über Kopf abgehauen waren und keine Zeit mehr hatten, alles mitzunehmen. Doch wir schauten alles genau an und nahmen eine ganze Menge Zeug mit.

Wenn man alles in allem nimmt, haben wir einen guten Fischzug gemacht. Inzwischen waren wir ein ganzes Stück von der Insel weg und es war hell geworden. Da sagte ich zu Jim, er möge sich ins Kanu legen und ich würde eine Decke über ihn breiten. Es sollte keiner sagen, er hätte am Fluss unten einen Neger gesehen. Und ich bin so schnell ich konnte wieder zur Insel zurückgepaddelt. Keiner hat uns gesehen und wir sind glücklich gelandet.





Der Klassiker HUCKLEBERRY FINN von Mark Twain (1835-1910) wurde von Angelika Kopp für den Lesekorb nacherzählt. Die Bildcollagen wurden nach Illustrationen von Edward Windsor Kemble (1861-1933) hergestellt.

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