LABBÉ Verlag
Lesekorb - Geschichten für Kinder

Huckleberry schläft in einem Bett

Nach einer halben Minute rief jemand, ohne den Kopf aus dem Fenster zu stecken: "Ruhe, wer ist denn da?!"

"Ich bin es. Ich will nichts, Herr. Ich will bloß vorbei, aber die Hunde lassen mich nicht."

"Was machst du hier zu nachtschlafender Zeit?", fragte die mürrische Stimme.

"Ich strolche nicht rum. Ich bin vom Dampfer gefallen."

Da ging das Licht an und jemand fragte: "Wie heißt du?"

"George Jackson, Herr."

Ich hörte, wie die Leute im Haus hin und her liefen. Sie wollten wissen, ob ich alleine wäre, holten ihre Flinten. Dann fragte der Mann: "George, kennst du die Shepherdsons?"

Natürlich kannte ich die nicht und sagte das auch. Die Leute in dem Haus waren sehr vorsichtig und hatten Angst, dass ich noch jemanden dabei hätte. Inzwischen waren die Hunde still. Mir wurde gesagt, ich solle langsam zum Haus kommen. Ich legte meine Hand gegen die Tür, stieß sie langsam auf, bis jemand sagte: "Steck deinen Kopf rein!" Das tat ich und hoffte, dass mir niemand den Kopf abreißen würde.

Auf dem Fußboden stand eine Kerze und die ganze Gesellschaft guckte mich an. Ich guckte zurück. Drei große Männer zielten mit ihren Flinten auf mich. Der Älteste war um die Sechzig und die anderen beiden so um die Dreißig. Dabei saßen noch eine reizende, grauhaarige Frau und hinter ihr zwei junge Frauen. Als der ältere Mann alles in Ordnung befunden hatte, durfte ich endgültig eintreten. Ich war kaum drin, da schloss er zügig die Tür wieder ab.

Alle gingen ins Wohnzimmer, ich auch. Der alte Mann hielt mir die Kerze vors Gesicht und alle sagten: "Nein, der ist kein Shepherdson." Dann durchsuchten sie mich nach Waffen, waren aber sehr freundlich zu mir. Und dann sagte er, es wäre alles in Ordnung, ich solle mich wie zu Hause fühlen. Außerdem sollte ich allen meine Geschichte erzählen.

Ich bekam trockene Kleider von Buck. Der war ungefähr gleich alt wie ich. Außerdem holte mir Betsy, die Negerfrau, was zu essen. Ich ging mit Buck ins Zimmer, er gab mir ein grobes Hemd und eine Jacke und eine Hose von sich. Dabei quasselte er ständig. Er freute sich, dass in der schulfreien Zeit endlich mal was los war.

Als wir wieder runter gingen, hatten sie kalten Maispudding, Pökelfleisch, Butter und Buttermilch für mich zurechtgestellt. Was Besseres hatte ich lange nicht gegessen. Buck, seine Mutter und die anderen rauchten Maiskolbenpfeifen, redeten und ich aß und redete mit. Jeder wollte was von mir wissen und ich erzählte wieder einmal, dass ich Vollwaise wäre, aus Arkansas und dort von einer kleinen Farm käme.

Sie sagten, ich könnte hier ein Heim finden, wenn ich wollte. Inzwischen war es fast Tag geworden und wir gingen alle zu Bett. Ich ging mit Buck. Als ich am Morgen aufwachte, hatte ich doch tatsächlich meinen Namen vergessen. Ich grübelte, mehr als eine Stunde. Als Buck aufwachte, sagte ich: "Wetten, dass du meinen Namen nicht buchstabieren kannst?"

Verschlafen murmelte er: "G-e-o-r-g-e J-a-c-k-s-o-n! Na, was sagst du dazu?"

Ich lobte ihn und sagte, dass ich wirklich nicht gedacht hätte, dass er es kann. Heimlich schrieb ich ihn auf, damit ich ihn in Zukunft parat hatte.

Das war wirklich eine nette Familie in einem feinen, stilvollen Haus. Überall Messingknöpfe an den Türen, ganz wie bei den Häusern in der Stadt. In der Stube war nicht mal ein Bett zu sehen und überall standen hübsche Gegenstände rum, Uhren, die laut tickten. Auf dem Tisch lagen Bücher, an den Wänden hingen Bilder und überall auf dem Boden lagen Teppiche und das ganze Haus war von außen gekalkt.

Es war ein Doppelhaus und der Hof war überdacht und gedielt. Manchmal wurde im Hof zu Mittag gegessen. Dort war es kühl. Es konnte einfach nichts Schöneres geben und das Essen war immer gut und reichlich!





Der Klassiker HUCKLEBERRY FINN von Mark Twain (1835-1910) wurde von Angelika Kopp für den Lesekorb nacherzählt. Die Bildcollagen wurden nach Illustrationen von Edward Windsor Kemble (1861-1933) hergestellt.

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