LABBÉ Verlag
Lesekorb - Geschichten für Kinder

Huckleberry findet Jim

Wir fingen an zu überlegen, wo Jim sein könnte. Da fiel Tom ein, dass er einen Neger beobachtet hatte, der Essen in die Hütte beim Aschenhaufen getragen hatte. Und da er keinen Hund hatte bellen hören und auf dem Tablett eine Wassermelone war, war er sich fast sicher, dass die Mahlzeit für einen Menschen bestimmt war. Außerdem hatte der Neger ein Vorhängeschloss aufgemacht und beim Verlassen der Hütte wieder sorgfältig verschlossen. Da konnte nur ein Gefangener drin sein und das war sicher Jim!

Ich fing an, mir einen Plan auszudenken, wie wir Jim befreien könnten in der Nacht. Dann wollte ich mein Kanu wieder holen und wir würden nachts fahren und tagsüber ruhen - so wie Jim und ich das gewohnt waren.

Doch Tom verriet mir seinen Plan. Der war viel besser. Ich brauche jetzt noch nicht zu erzählen, worin der Plan bestand. Aber eins war todsicher: Tom war dabei, seiner Familie Schande zu machen, wenn er sich jetzt an der Befreiung eines weggelaufenen Negers beteiligte. Das war ungeheuerlich, aber er wollte meine Einwände nicht hören.

Als wir zu Hause ankamen, war alles schon dunkel. So konnten wir ungestört die Hütte am Aschenhaufen von allen Seiten her untersuchen. Ich entdeckte ein viereckiges Fensterloch; wenn wir da noch ein Brett wegreißen würden, dann könnte Jim durchkommen. Doch Tom war das zu einfach.

Wir gingen in den Schuppen, der zwischen der Hütte und dem Zaun stand. Die fest verschlossene Tür mussten wir vorsichtig aufbrechen. Als wir die Tür hinter uns zugemacht hatten, zündeten wir ein Streichholz an und sahen, dass der Schuppen tatsächlich nur an die Hütte angebaut war. Es gab keine Verbindung. Selbst ein Fußboden fehlte und außer ein paar alten Hacken und Spaten, Heugabeln und einem kaputten Pflug war hier nichts zu holen. Wir gingen raus und hakten den Schließhaken wieder ein. Die Tür sah jetzt aus wie immer. Tom war vergnügt und sagte: "Wir werden Jim ausgraben. Das wird ungefähr eine Woche dauern."

Wir schlichen zum Haus zurück. Als ich einfach durch die Hintertür gehen wollte, hielt Tom mich zurück. Das war einem Tom Sawyer nicht romantisch genug. Er wollte unbedingt über den Blitzableiter ins Zimmer klettern; was nach dem dritten Versuch dann endlich klappte.

Am nächsten Morgen gingen wir schon früh zu den Negerhütten. Wir wollten die Hunde streicheln und mit dem Neger, der das Essen bringen musste, Freundschaft schließen. Jims Neger war dabei, Essen auf das Tablett zu häufen. Er hatte ein gutmütiges Gesicht und seine Wollhaare waren mit Fäden zu kleinen Büscheln zusammengebunden. Das sollte die Hexen abzuhalten. Er erzählte uns auch gleich, wie furchtbar ihn die Hexen in der letzten Nacht gequält hatten und steigerte sich dann richtig in seine Geschichte hinein.

Wir horchten ihn aus, für welchen Hund denn das Essen wäre? Der Neger grinste und ließ uns zur Hütte mitkommen, wir sollten den angeblichen Hund ruhig mal angucken, wenn wir wollten. Da saß doch tatsächlich Jim. "Was, Huck? Mein Gott, ist das nicht Master Tom?", rief er aus.

Da fuhr der Neger dazwischen. Er wollte wissen, ob dieser weggelaufene Neger die beiden jungen Herren kenne. Ich verneinte natürlich überzeugend und tat so, als hätte ich Jim nie gesehen. Tom tat ganz bestürzt und meinte: "Ich habe niemanden etwas sagen hören." Wir taten also ganz verwundert, dass der Neger am Ende glaubte, er hätte wieder Hexenstimmen gehört. Er bat uns, niemandem davon zu erzählen, dass er Stimmen höre.

Tom gab dem Neger ein Zehncentstück und sagte, dass wir niemandem was davon erzählen würden. Zu Jim sagte er: "Ich bin bloß neugierig, ob Onkel Silas diesen Neger aufhängen wird. Ich an seiner Stelle, wenn ich einen weggelaufenen Neger fangen würde, würde ihn gar nicht erst einsperren. Bei mir würde so einer gleich gehängt werden!"

Während wir zur Tür gingen, flüsterte Tom zu Jim: "Lass dir ja nichts anmerken, dass du uns kennst. Wenn du nachts irgendwo graben hörst, dann sind wir es. Wir wollen dich befreien.

Jim hatte gerade noch Zeit, unsere Hände zu drücken. Dann kam der Neger zurück. Wir baten ihn, wieder mal mitgehen zu dürfen in die Hütte. Er sagte, dass es ihm ganz recht wäre, vor allem wenn es dunkel würde. Da würden ihn meist die Hexen plagen und es wäre gut, wenn dann jemand mit ihm ginge.





Der Klassiker HUCKLEBERRY FINN von Mark Twain (1835-1910) wurde von Angelika Kopp für den Lesekorb nacherzählt. Die Bildcollagen wurden nach Illustrationen von Edward Windsor Kemble (1861-1933) hergestellt.

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