LABBÉ Verlag
Lesekorb - Geschichten für Kinder

Huckleberry und Tom graben sich durch

Während die anderen schliefen, kletterten wir den Blitzableiter runter. Wir schlossen uns in den Schuppen ein, holten unser faules Holz zur Beleuchtung raus und fingen an zu arbeiten. Erst räumten wir alles weg, damit wir gut an den untersten Balken kommen konnten. Dann gruben wir mit unseren Küchenmessern bis gegen Mitternacht. Schnell merkten wir, dass es lange dauern würde, bestimmt länger als siebenunddreißig Jahre.

Tom seufzte und hörte bald auf zu graben. Er kam zu dem Schluss, dass es mit dem Küchenmesser keinen Sinn machte; dass es reine Zeitverschwendung wäre. Im Sinne des Gefangenen müsste er nun doch die unanständige Variante in Betracht ziehen. "Wir müssen Jim mit den Hacken und Schaufeln rausbuddeln und so tun, als ob es Küchenmesser wären.", gab er zu.

Ich lobte ihn, und sagte, dass es nur vernünftig wäre. Hacken wären das einzig Richtige. "Ich scher mich einen Teufel drum, ob es anständig ist oder nicht!", setzte ich noch hinzu. Tom nahm die Spitzhacke, tat als ob es ein Küchenmesser wäre und fing an zu arbeiten. Er sprach kein Wort.

Ich holte mir auch eine Schaufel und wir hackten und schippten um die Wette, dass die Fetzen flogen. Das ging eine halbe Stunde so, länger konnten wir nicht durchhalten. Außerdem hatten wir ein ganz schönes Loch geschafft. Als ich schon wieder oben war in unserer Stube, sah ich, wie Tom sich abmühte, über den Blitzableiter rüberzukommen. Aber seine Hände waren zu wund. "Es hat keinen Zweck, es geht nicht", stöhnte er.

Ich entgegnete: "Geh doch einfach die Treppe rauf und bilde dir ein, es wäre der Blitzableiter."

An den nächsten Tagen organisierten wir Kerzen, Federn, eine Löffel und einen Kerzenständer aus Messing. Wir gruben das Loch fertig und beugten uns an besagtem Abend so um Mitternacht über den schnarchenden Jim. Das Loch war genau unter Jims Bett. Er war froh, uns wieder zu sehen. Am liebsten wäre er gleich geflohen. Doch Tom erklärte ihm, dass dies gegen die Regel wäre.

Erst unterhielten wir uns eine Weile über Tante Sally und Onkel Silas, die beide recht nett zu Jim waren. Auch über alte Zeiten redeten wir. Dann erklärte Tom, dass wir Jim eine Strickleiter reinschmuggeln wollten, versteckt in einer Pastete. Er dürfte Nat die Leiter aber nicht sehen lassen. Kleinere Sachen würde Tom in Onkel Silas Jackentasche verstecken, Jim sollte sie dann rausklauen. Tom führte noch mehr Ideen auf und Jim konnte nicht einsehen, wozu das meiste gut war. Aber er versprach, alles so zu tun, wie man es ihm erklärt hatte.

Mit Jims Pfeifen aus Maiskolben und Tabak ließen wir es uns noch gut gehen und dann krochen wir durch unser Loch zurück und gingen ins Bett. Am nächsten Morgen zerschlugen wir den Messingleuchter in kleine Stücke. Dann gingen wir zu den Negerhütten und während ich mich mit Nat unterhielt, schmuggelte Tom ein Stück Messing in den Maisbrei, der für Jim bestimmt war.

Wir gingen zu Jims Hütte, um zu sehen, wie alles ablief. Als Jim auf ein Stück Messing biss, wären ihm fast sämtliche Zähne ausgefallen. Aber er ließ sich nichts anmerken und war ab sofort vorsichtiger. Während wir so dastanden, kamen ein paar Hunde unter Jims Bett vorgestürzt. Es wurden immer mehr. Es waren schließlich elf Stück. Weiß der Teufel, wir hatten vergessen, die Schuppentür abzuschließen.

Nat schrie, weil er glaubte, es wären Hexen. Er schmiss sich auf den Boden und stöhnte, als ob er im Sterben liegen würde. Tom riss die Tür auf und war eine Scheibe Fleisch von Jims Essen auf den Hof. Die Hunde fielen darüber her und im Nu war der Spuk erledigt.

Nat war außer sich. Er wollte doch nur, dass diese Hexen ihn endlich in Ruhe lassen würden. Tom versprach ihm, eine Zauberpaste zu machen. "Nat hat nie nix gehört von so einem Ding. Aber es wäre das Richtige.", rief er.

Tom gab ihm Anweisungen. "Ich will es tun. Aber du darfst auf keinen Fall zugucken. Was wir auch in den Napf tun, du darfst nicht hinsehen. Auch nicht, wenn Jim den Napf leert. Sonst passiert wer weiß was. Vor allem, fass ja nicht die verhexten Sachen an"!

"Nat und anfassen? Nicht für hundert Millionen Dollar!"





Der Klassiker HUCKLEBERRY FINN von Mark Twain (1835-1910) wurde von Angelika Kopp für den Lesekorb nacherzählt. Die Bildcollagen wurden nach Illustrationen von Edward Windsor Kemble (1861-1933) hergestellt.

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