LABBÉ Verlag
Lesekorb - Geschichten für Kinder

Sonntagsfahrt

Einmal besuchte uns ein feiner Herr auf dem Hof. Jerry war gerade dabei, mich anzuschirren. Der Herr grüßte freundlich und fragte: "Wäre es möglich, dass Sie sonntagmorgens immer meine Frau zur Kirche fahren? Der Weg zur neuen Kirche ist zu Fuß für meine Gattin zu weit entfernt."

Jerry erklärte dem Herrn, dass er nicht befugt sei, sonntags zu fahren. Da bot ihm der Mann an, die Lizenz zu ändern. Er fügte noch hinzu: "Meine Frau fährt nun mal am liebsten mit Ihnen."

"Es wäre mir eine Ehre, Mrs. Briggs fahren zu dürfen. Aber die Erfahrung hat mir gezeigt, dass dieser eine Ruhetag für mich und für die Pferde von äußerster Wichtigkeit ist", erklärte Jerry dem freundlichen Herrn.

"Ich kann Sie schon verstehen. Aber es wäre doch nur eine kleine Fahrt am Sonntag. Den Rest des Tages hätten Sie dann wieder frei. Und sie kennen uns doch - wir sind doch ganz angenehme Kunden."

"Sicher, Sir. Ich danke Ihnen sehr für Ihr großzügiges Angebot. Und ich fahre Sie und Ihre Gattin gerne. Doch die Sonntage kann ich nicht auch noch arbeiten. Gott hat die Welt an sechs Tagen erschaffen und den siebten Tag heilig erklärt. Seit ich diesen Tag als Ruhetag nutze, geht es mir und meiner Familie viel besser."

Der feine Herr bedauerte diese Entscheidung und meinte: "Nun gut, dann frage ich jemand anders."

Polly war froh, dass ihr Gatte diesen Auftrag abgelehnt hatte. Sie meinte: "Ich hätte dich - selbst wenn Mrs. Briggs dir einen Orden verliehe - nicht fahren lassen wollen. Auch wenn wir dadurch weniger Geld verdienen. Es reicht für uns aus."

Seit drei Wochen hatten wir nun von Mrs. Briggs nichts gehört. So hatten wir nur noch die schwere Arbeit am Droschkenstand. Polly versuchte, Jerry aufzumuntern. Aber als unter den Kollegen bekannt wurde, dass Jerry diesen einfachen Auftrag abgelehnt hatte, nur weil es seinen Ruhetag störte, da nannten sie ihn einen ausgewachsenen Dummkopf.

Es war schon immer eine Diskussion zwischen den Arbeitern wert, ob man den Sonntag als Ruhetag nun einhalten sollte oder nicht. Die einen, die nicht so religiös waren, hätten so einen lohnenswerten Auftrag natürlich nicht abgelehnt. Sie fanden die Kirchgänger äußerst praktisch, denn die brachten ihnen am Sonntag die Einnahmen durch die Fahrt zur neuen Kirche, die etwas außerhalb lag.

Jerry hingegen verteidigte weiterhin seine Entscheidung: "Wenn die Leute wirklich in die Kirche wollen, die Religion so ernst nehmen, wie sie sagen, dann gehen sich auch zu Fuß hin. Und wenn es regnet, dann müssen sie halt Regenmäntel anziehen. Es ist auf jeden Fall nicht in Ordnung, dass wir sie hinfahren sollen und draußen auf sie warten sollen, während sie beten. Wenn eine Sache gut ist, finden die Leute auch so den Weg hin."





Der Klassiker BLACK BEAUTY von Anna Sewell (1820 - 1878) wurde von Angelika Kopp für den Lesekorb nacherzählt.

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