LABBÉ Verlag
Lesekorb - Geschichten für Kinder

Der Wahltag

Eines Nachmittags, wir fuhren gerade in den Hof, kam Polly aufgeregt auf uns zugerannt und rief: "Jerry, Mr. B fragte, ob er am Wahltag unsere Droschke haben kann. Er kommt später noch einmal."

Jerry antwortete seiner Frau, dass er die Droschke bereits anderweitig vergeben hatte. Außerdem mag ich meine Kutsche nicht mit Plakaten vollkleben. Empört setzte er noch hinzu: "Und meine Tiere werden ganz sicher nicht losfahren, um betrunkene Wähler aus Kneipen abzuholen."

Polly reagierte verwundert. "Aber Jerry, der Mann sagte mir, dass du seine politische Meinung teilen würdest. Ich glaubte, du würdest diesen Mann wählen."

"Gut, manche Gedanken kann ich nachvollziehen. Aber deshalb werde ich ihn sicher nicht gleich wählen. Er ist keinesfalls der Richtige, für uns kleine Leute die Gesetze zu machen. Da mag nicht jeder meine Meinung verstehen, aber ich muss das tun, was ich für richtig halte."

Am Vortag der Wahl rannte Dolly weinend in den Hof. Ihr hübsches blaues Kleid war schmutzig. Als Jerry fragte, was denn los sei, antwortete sie stotternd: "Sie, also die Jungs, haben gesagt, dass ich eine Vogel … , Vogel …", sie schluchzte, "und dann haben sie mich mit Schlamm beworfen."

Harry kam hinzugerannt und rief. "Diese roten Halunken, sie können doch meine kleine Schwester nicht als Vogelscheuche beschimpfen! Denen hab ich's aber gezeigt."

Jerry schickte die kleine Dolly zu ihrer Mutter und zu Harry sagte er: "Gut, dass du deine kleine Schwester beschützt. Doch sollst du nie wieder Halunken auf eine Partei beziehen. Es gibt in jeder Partei Schufte - ob Rot oder Blau. Und die meisten, die sich darüber zanken, wissen gar nicht, worum es geht."

Harry fragte verwundert: "Blau soll doch die Farbe der Freiheit sein, Vater!"

"Aber mein Sohn, die Farbe ordnet man nur der Partei zu! Und die Partei ermöglicht dir lediglich die Freiheit, sich auf ihre Kosten zu betrinken, und danach beschimpft sie jeden, der nicht ihrer Meinung ist. Dann kannst du dich an Parolen heiser schreien - auch wenn du sie gar nicht verstehst. Das ist dann auch schon die ganze Freiheit!"

Harry glaubte zuerst, sein Vater mache Witze. Doch Jerry erklärte weiter: "Eine Wahl, mein Sohn, ist was absolut Ernstes. Ich finde es nicht richtig, dass eine Partei mit solch schäbigen Mitteln nach Wählern buhlt. Es sollte jeder Mensch nach seinem besten Gewissen seine Stimme abgeben dürfen!"





Der Klassiker BLACK BEAUTY von Anna Sewell (1820 - 1878) wurde von Angelika Kopp für den Lesekorb nacherzählt.

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