LABBÉ Verlag
Lesekorb - Geschichten für Kinder

Kröterichs Abenteuer

Es dauerte nicht lange, bis Kröterich begriff, in welch misslicher Lage er sich befand. Da warf er sich auf den feuchten Kerkerboden, umgeben von der grimmigen Finsternis der mittelalterlichen Festung und vergoss verzweifelte Tränen. Die sonnige Landstraße, auf der er sich vor kurzer Zeit noch so glücklich gefühlt hatte, lag nun ewig weit weg von ihm, draußen in der Welt.

Kröterich versank in tiefem Selbstmitleid. "Jetzt ist alles aus", sagte er. Bald würde sich niemand mehr an den beliebten schönen Kröterich erinnern. Diesen reichen, sorglosen und immer höflichen Kerl. Er war hoffnungslos. Denn ihm war klar, dass er seine Strafe verdient hatte. "Wie sollte man mich wieder auf freien Fuß setzen, wo ich doch diesen verruchten Autodiebstahl begangen habe und dazu noch den fettleibigen Polizisten wahrhaft fantasievolle Beleidigungen ins Antlitz geschmettert habe, die dieselben mit hochroten Köpfen registrierten!", jammerte der Kröterich.

Er dachte an seine Freunde. Die kluge Ratte, den gescheiten Dachs und den toleranten Maulwurf! Sie hatten Recht gehabt mit ihren Vorhersagen! Oh je, ich bin verloren!" jammerte die Kröte wochenlang. Er entsagte selbst der leichtesten Kost und Erfrischung. Und das, obwohl der Kerkermeister ihm Bequemlichkeiten und Luxus versprach, ob der zahlreichen Geldscheine, die er in Kröterichs Taschen gesehen hatte.

Die Tochter des Kerkermeisters tat gelegentlich Dienst bei ihrem Vater. Die liebreizende Tierfreundin brachte ihrem Kanarienvogel, den Mäusen und ihrem Eichhörnchen alle möglichen Kunststücke bei, obwohl es sich hierbei um schwierige Tiere handelte. Und weil der Kerkermeister das Gejammer der Kröte nicht mehr ertragen konnte, erlaubte er seiner Tochter, ihre geduldige Ader beim Kröterich zu versuchen.

Mit schmeichelndem Blick betrat sie die Zelle und sagte: "Kopf hoch, wisch dir die Tränen ab und sei ein braves Tier. Hier, probier doch mal von dem Abendbrot. Ich habe dir Eintopf aus Rindfleisch und Gemüse von mir mitgebracht." Der leckere Duft erfüllte die enge Zelle. Der Kohlgeruch erreichte Kröterichs Nase zuerst und erweckte in ihm kurz die Hoffnung, dass das Leben eventuell doch noch verlockende Aspekte für ihn bereithalten könnte. Dennoch weinte er weiter und verweigerte damit jeden Trost.

Er erging sich in um das schöne Leben auf Krötenhall. Er hörte das Scharren der Stuhlbeine und das tröstliche Geklapper von Geschirr. Er hoffte, dass seine Freunde etwas für ihn unternehmen würden. Langsam freundete sich Kröterich mit der Luft in der Zelle an und überlegte, weshalb er sich keine Anwälte genommen hatte. Bei seinem Verstand hätte er da sicher etwas bewegen können. Mit diesen Gedanken schritt der Heilungsprozess deutlich voran.

Stunden später kam das Mädchen mit einer Kanne duftendem Tee zurück. Daneben ein Teller mit heißen Buttertoasts. Der verlockende Duft der krossen Toastscheiben erinnerte den Kröterich an mollig warme Küchenatmosphäre und dämmrige Stunden vor dem Kamin. Deshalb trocknete er seine Augen, futterte den Toast und schlüfte von dem heißen Tee. Völlig frei begann er, dem Mädchen von seiner Heimat zu erzählen.

Schnell merkte sie, wie wohl dem Kröterich der Plausch tat und sie ermunterte ihn, noch mehr zu erzählen. Das sollte man dem Kröterich nicht zwei Mal sagen müssen. Er prahlte um sein Herrenhaus und die Türme aus dem 14. Jahrhundert, die sein Anwesen schmückten. Er schwärmte so lange von den modischen Badezimmern und allen Annehmlichkeiten, bis das Mädchen lachend rief: "Ich möchte es doch nicht kaufen!"

Am liebsten mochte sie die Stelle mit den Geschirrschränken und der Wäschemangel, wenn der Kröterich Lieder sang, und alle Tiere um den Tisch versammelt saßen. Dann fragte sie ihn über seine Tierfreunde aus, wie sie lebten und so ... Natürlich erwähnte sie mit keiner Silbe, wie tierfreundlich sie war und wie gerne sie Haustiere mochte. Sonst wäre der Kröterich ziemlich beleidigt gewesen.

Abends pfiff der Kröterich dann noch zwei Lieder, rollte sich ins Heu und schlief friedlich träumend durch die Nacht. Nach diesen intensiven Unterhaltungen, tat der Kröterich der Tochter des Kerkermeisters immer mehr Leid. Und es erschien ihr immer unglaublicher, dieses arme Tier wegen eines Verbrechens einzukerkern, das so lachhaft schien.

Diese nachdenkliche Stimmung des Mädchens ließ den eitlen Kröterich denken, das Mädchen könnte in seiner Schüchternheit ihm zugeneigt sein. Fast bedauerte er, dass die gesellschaftlichen Unterschiede ihm unüberbrückbar vorkamen, wo sie doch so ein hübsches Mädchen war. Und sie verehrte ihn doch augenscheinlich.





Der Klassiker DER WIND IN DEN WEIDEN von Kenneth Grahame (1859-1932) wurde von Angelika Kopp für den Lesekorb nacherzählt. Die Illustrationen stammen von Paul Bransom (1885-1979).

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