LABBÉ Verlag
Lesekorb - Geschichten für Kinder

Das Turnier

In Camelot wurden ständig große Turniere abgehalten. Jemand, der beliebt sein will, darf sich von solchen Dingen nicht abschirmen. Ich sah diese Veranstaltungen als willkommenen Anlass zu studieren, was man verbessern oder verändern konnte.

Fast jede Woche fand ein solches Turnier statt. Eines dauerte einmal eine ganze Woche und über fünfhundert Ritter nahmen daran teil. Ich beobachtete das Geschehen nicht nur täglich, sondern kommandierte einen gescheiten Priester dorthin ab, er solle darüber Bericht erstatten.

Ich war neugierig, wie der Priester sich als Reporter anstellen würde. Schließlich hatte ich vor, recht bald eine Zeitung herauszubringen. Nun, der Kerl stellte sich gar nicht so schlecht an. Natürlich fehlten dem Bericht noch Schwung und Dramatik, aber seine altertümliche Wortwahl war überaus vergnüglich.

An einem dieser Turniertage ereignete sich ein unangenehmer Zwischenfall. Eine dumme Verwechslung führte dazu, dass Sir Sagramor eine Bemerkung meinerseits falsch auffing, und glaubte, er sei gemeint. Wenn sich diese Leute einmal etwas in den Kopf gesetzt haben, bringt sie nichts mehr von ihrer Meinung ab. Also ersparte ich mir auch eine Erklärung.

Er trat vor mich und erklärte, dass er Genugtuung fordere. Zuerst müsse er losziehen, um den Heiligen Gral zu suchen. In drei oder vier Jahren jedoch würde er mich hier auf diesem Turnierplatz herausfordern. Eine Verabredung auf solch unbestimmte Zeit schreckte mich nicht sonderlich. Wer weiß, ob Sir Sagramor überhaupt von seiner Suche zurückkam, oder ich noch hier wäre.

Der König meinte, ich solle jetzt auf Abenteuerfahrt gehen, um dort Ruhm und Ehre zu erlangen, um in ein paar Jahren Sir Sagramor noch würdiger entgegentreten zu können. Ich hatte jedoch wichtigere Dinge zu tun. Zuerst musste ich hier die Staatsgeschäfte in Ordnung bringen. Das dauerte ein paar Jahre. Sicherlich war Sir Sagramor danach immer noch am Gralen und ich könnte mich beruhigt für einige Zeit in die Ferien begeben.

Ich war ziemlich zufrieden mit dem, was ich bisher erreicht hatte. In den unterschiedlichsten Winkeln des Landes war ich dabei, Industriebetriebe aufzubauen. In ihnen hatte ich die hellsten Köpfe versammelt und bildete sie zu Experten aus. Meine Bildungsstätten arbeiteten problemlos und unauffällig.

Das Schulsystem lief auf vollen Touren und im Bergbau wurde pro Tag eine Tonne Erz abgebaut, das natürlich königliches Eigentum war.

Ja, ich hatte wirklich ansehnliche Fortschritte gemacht, als Sir Sagramors Forderung mich traf. Seit meiner Ankunft in Camelot waren nun vier Jahre vergangen und auch in der folgenden Zeit blühte das englische Königreich unter meiner Regierungsform auf. Ohne dass jemand Verdacht schöpfte, entwickelte sich vor aller Augen die Zivilisation des 19. Jahrhunderts.

Was zuvor noch Werkstätten waren, wurde zu Fabriken, in denen tausende zu Facharbeitern ausgebildet wurden. Trotz allem ging ich überlegt und zurückhaltend vor. Als Letztes wollte ich die römisch-katholische Kirche am Hals haben.

Eines meiner größten Geheimnisse war West Point - meine Militärakademie.

Clarence war jetzt zweiundzwanzig und mein oberster Bevollmächtigter, meine rechte Hand. Es gab nichts, was er nicht anpackte. Seit kurzem bildete ich ihn zum Journalisten heran, denn die Zeit schien reif, eine Zeitung ins Leben zu rufen. Nichts Großes, nur ein kleines Wochenblatt.

Zu diesem Zeitpunkt, als alles wunderbar lief und ich mich an den Früchten meiner Arbeit erfreuen konnte, erinnerte mich der König an meine Abenteuerfahrt, die ich auf unbestimmte Zeit verschoben hatte. Früher hätte mich diese Unterbrechung geärgert, aber jetzt wusste ich alles in guten Händen.

Also brach ich auf, mir einen Ruf zu erwerben, der mich der Ehre würdig machte, mit Sir Sagramor die Lanzen zu kreuzen.





Der Klassiker EIN YANKEE AM HOFE DES KÖNIG ARTUS von Mark Twain (1835-1910) wurde von Gabi Müller für den Lesekorb nacherzählt. Die Illustrationen stammen von Dan Beard (1850-1941).

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