LABBÉ Verlag
Lesekorb - Geschichten für Kinder

Die Geschichte des Holzfällers

„Schon mein Vater war ein Holzfäller, der sein Geld damit verdiente, Holz zu schlagen und es zu verkaufen. Als er starb, kümmerte ich mich um meine alte Mutter und schlug wie mein Vater Holz. Als meine Mutter starb, wurde mir klar, dass ich nicht allein leben wollte. Heiraten wollte ich und eine Familie haben, und ich wusste auch schon, wen ich heiraten wollte. Es gab da ein Käuer-Mädchen. Sie war wunderschön. Ich liebte sie von ganzem Herzen, und sie wollte mich heiraten, sobald ich genug Geld verdiente, um ein besseres Haus zu bauen. Ihr könnt euch vorstellen, wie hart ich arbeitete!

Aber das Mädchen lebte bei einer faulen alten Frau, die uns das Glück nicht gönnte und die mein Mädchen lieber bei sich behalten hätte, zum Putzen und Kochen. Diese böse alte Frau ging also zur Hexe des Ostens und versprach ihr zwei Schafe und eine Kuh, wenn sie unsere Hochzeit verhinderte.“ Der Holzfäller war sehr aufgeregt, aber er erzählte weiter.

„Die Hexe des Ostens verhexte meine Axt, und eines Tages, als ich gerade besonders gut in Schwung war, rutschte meine Axt ab weg, und ich schlug mir das linke Bein ab. Erst war ich vor Schreck wie gelähmt und dachte, dass ich nie wieder arbeiten könnte. Dann aber ging ich zu einem Blechschmied. Er machte mir ein neues Bein, so dass ich weiter arbeiten konnte. Das ärgerte die Hexe des Ostens sehr und sie verhexte meine Axt wieder, so dass ich mir auch das rechte Bein abhackte. Wieder ging ich zu dem Blechschmied, der mir auch ein zweites Bein anfertigte. Könnt ihr euch vorstellen, wie es weiterging? Mit der verhexten Axt hackte ich mir erst die Arme und dann sogar den Kopf ab. Aber der Blechschmied flickte mich jedes Mal wieder zusammen, und ich wurde immer mehr zu einem Blechmann. Aber ich liebte das schöne Käuer-Mädchen.

Dann aber schnitt ich mir mit der Axt den Körper entzwei. Der Blechschmied konnte mich retten und machte mir einen Körper aus Blech. Ich war am Leben, aber ich hatte mein liebendes Herz verloren. Das Mädchen war mir egal, weil ich kein Herz mehr hatte, das sie liebte. Wahrscheinlich wartet sie immer noch darauf, dass ich komme, um sie zu heiraten. Ich war schließlich sogar ganz stolz auf mich. Ich glänzte in der Sonne und konnte mich mit der Axt nicht mehr verletzen. Ich musste immer wieder meine Gelenke ölen, damit ich nicht roste. Das habe ich auch immer getan, aber einmal vergaß ich es.

Das war der Tag, an dem mich der Regen überraschte. Ich rostete so schnell, das ich nicht mehr zu meiner Hütte gelangen konnte. Und so habt ihr mich gefunden. Ich hatte viel Zeit, nachzudenken, als ich da so bewegungslos im Wald stand. Und ich weiß jetzt, dass es das Schlimmste war, das Herz zu verlieren, denn als ich noch liebte, war ich der glücklichste Mann der Welt. Aber niemand liebt einen Mann ohne Herz. Und deshalb will ich Oz um ein Herz bitten, und wenn er es mir geben kann, will ich zurückgehen und das Käuer-Mädchen heiraten.“

Dorothy und der Scheuch hatten der Geschichte atemlos gelauscht. „Also, ich möchte trotzdem lieber ein bisschen Verstand haben“, wandte der Scheuch ein. „Ein Narr weiß doch gar nicht, was er mit seinem Herzen anfangen kann.“ „Ich nehme das Herz“, beharrte der Holzfäller. „Der Verstand macht einen nicht glücklich, aber glücklich zu sein ist das Beste, was einem passieren kann.“ Dorothy schwieg, denn sie war verwirrt. Wer von ihren Freunden hatte nun Recht?

Schließlich aber war es ihr egal, denn sie wollte nur heim nach Kansas, und wenn die Freunde Herz und Verstand vom Zauberer bekamen, so hatte doch jeder, was er wollte. Im Moment bekümmerte sie auch viel mehr, dass sie nur noch so wenig Brot bei sich hatte. Bei der nächsten Mahlzeit würden sie und Toto alles aufessen, und wie sollte es dann weitergehen?





Die Geschichten von DER ZAUBERER VON OZ von L. Frank Baum (1856 - 1919) wurde von Kirsten Großmann für den Lesekorb übersetzt. Die Bildcollagen wurden nach Illustrationen von William Wallace Denslow (1856 - 1915) hergestellt.

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