LABBÉ Verlag
Lesekorb - Geschichten für Kinder

Der Hüter des Tores

Nach dem Essen zeigte die Frau Dorothy ihr Bett. Toto kuschelte sich neben Dorothy, und der Löwe legte sich an die Tür, um Dorothys Schlaf zu bewachen. Der Scheuch und der Holzfäller standen in einer Ecke und waren ganz still, obwohl sie natürlich nicht schliefen. Kaum graute der nächste Tag, waren die Wanderer wieder auf ihrem Weg zur Smaragdstadt. Je weiter sie gingen, desto grüner glühte der Himmel am Horizont. „Schaut nur, das muss die Smaragdstadt sein“, jubelte Dorothy. Am Nachmittag kamen sie an eine große Mauer, die die Smaragdstadt umschloss. Sie war hoch und dick und leuchtend grün. Hier endete die Straße aus gelben Ziegelsteinen direkt an einem großen Tor in der grünen Mauer. Das Tor war über und über mit Smaragden besetzt.

Die funkelten und glitzerten so sehr in der Sonne, dass sogar die gemalten Augen des Scheuchs davon geblendet wurden. Neben dem Tor war ein Klingelzug. Dorothy zog daran und hörte gleich darauf ein silbernes Klingeln von drinnen. Gleich danach schwang das Tor auf, und die fünf schritten hindurch. In einem hohen Raum, dessen Wände mit zahllosen Smaragden besetzt waren, blieben sie stehen.

Vor ihnen stand ein kleiner Mann, fast ebenso groß nur wie ein Käuer. Er war von Kopf bis Fuß in Grün gekleidet, sogar seine Haut hatte einen leichten Grünschimmer. Er stand neben einer großen grünen Kiste und fragte: „Was wollt ihr hier in der Smaragdstadt?“ „Wir kamen hierher, um den großen Oz zu sprechen“, flüsterte Dorothy schüchtern. Diese Antwort überraschte den Mann so sehr, dass er sich setzen musste, um darüber nachzudenken. „Es ist schon sehr lange her, dass jemand mich darum bat, ihn zu Oz zu bringen“, sagte der Mann und schüttelte den Kopf. „Oz ist sehr mächtig und furchtbar. Wenn ihr mit einer unwichtigen oder albernen Nachricht die weisen Gedanken des großen Oz stört, tötet er euch vielleicht auf der Stelle.“

„Wir wollen aber etwas sehr Wichtiges von ihm“, versetzte der Scheuch. „Und außerdem wurde uns gesagt, dass Oz ein guter Zauberer ist.“ „Das ist er auch“, bestätigte der grüne Mann. „Er regiert die Smaragdstadt klug und weise. Aber denjenigen, die nicht ehrlich sind oder die nur aus Neugierde kommen, denen erscheint er in wahrhaft schrecklicher Gestalt. Deshalb haben bisher nur wenige gewagt, dem Zauberer unter die Augen zu treten. Ich bin der Torwächter, und da ihr den großen Oz zu sehen wünscht, muss ich euch in den Palast geleiten. Zuallererst müsst ihr aber diese Brillen aufsetzen.“

Dorothy schaute in die große, grüne Kiste, die der Torwächter geöffnet hatte und die voll mit Brillen war. Sie hatten alle grüne Gläser und an den Fassungen goldene Bänder, die ineinander griffen. Es gab Brillen in allen Größen und Formen. Dorothy staunte. „Warum müssen wir eine Brille aufsetzen?“ fragte sie. „Weil der Glanz der Smaragdstadt euch sonst blenden würde“, erklärte der Torwächter. „Ihr würdet einfach blind werden. Auch die Bewohner der Smaragdstadt tragen diese Brillen Tag und Nacht. Wie du siehst, werden sie hinten an den Bändern abgeschlossen. So hat es der große Oz angeordnet, als die Smaragdstadt erbaut wurde. Ich bin der einzige, der einen Schlüssel hat.“

Damit fischte der Torwächter für jeden der Freunde eine passende Brille aus der großen Kiste und setzte sie ihnen auf. Sogar Toto und auch der Löwe bekamen Brillen. Sorgfältig schloss der Torwächter das kleine Schloss hinten am Kopf ab. Selbst wenn sie gewollt hätten, konnten sie nun die Brillen nicht mehr abnehmen. Dann setzte sich der Torwächter seine eigene Brille auf. „Ich bringe euch nun in den Palast von Oz.“ Er nahm einen großen goldenen Schlüssel von einem Haken an der Wand und öffnete damit ein weiteres großes Tor. Beklommen folgten ihm die Freunde in die funkelnde Stadt des großen Zauberers Oz.





Die Geschichten von DER ZAUBERER VON OZ von L. Frank Baum (1856 - 1919) wurde von Kirsten Großmann für den Lesekorb übersetzt. Die Bildcollagen wurden nach Illustrationen von William Wallace Denslow (1856 - 1915) hergestellt.

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