LABBÉ Verlag
Lesekorb - Geschichten für Kinder

Die wunderbare Smaragdstadt

Obwohl ihre Augen durch die grünen Gläser der Brillen geschützt waren, wurde den Freunden vom Glanz und vom Schimmer der wundervollen Smaragdstadt beinahe schwindelig. Prächtige Häuser aus grünem Marmor, die mit Smaragden besetzt waren, säumten die Straßen. Auch das Straßenpflaster bestand aus feinstem grünem Marmor, und die Fugen waren mit glitzernden Smaragden bestückt. Sie funkelten und leuchteten in der Sonne. Die Fensterscheiben der Häuser bestanden aus grünem Glas, der Himmel über der Stadt schimmerte hellgrün, und sogar die Strahlen der Sonne wirkten leicht grünlich.

In der Stadt gab es viel Leben. Männer, Frauen und Kinder liefen geschäftig durch die Straßen. Alle waren grün gekleidet und trugen eine grüne Brille. Ihre Haut schien leicht grün zu sein, und sie sahen Dorothy und ihre Freunde mit großen verwunderten Augen an. Als die Kinder den Löwen sahen, rannten sie davon, um sich hinter ihren Müttern zu verstecken. Niemand richtete das Wort an die Wanderer. Es gab auch viele Geschäfte in der Smaragdstadt, und sogar die Auslagen der Läden waren grün. Da gab es grüne Bonbons, grünes Popcorn, grüne Schuhe, grüne Hüte und viele grüne Kleider. Ein Mann verkaufte grüne Limonade, und Dorothy sah die Kinder mit grünem Geld dafür bezahlen.

Pferde oder andere Tiere konnte Dorothy nirgendwo entdecken. Dafür begegneten ihnen immer wieder Männer, die auf ihren kleinen grünen Karren Lasten durch die Stadt schoben. Alle schienen glücklich und zufrieden zu sein. Der Torwächter führte sie durch die Straßen, bis sie zu einem riesigen Gebäude ganz genau in der Mitte der Smaragdstadt kamen. Es war der Palast vom großen Zauberer Oz. Vor der Tür stand ein grün gekleideter Soldat mit einem langen grünen Bart. „Hier bringe ich dir einige Fremde“, sagte der Torwächter zu dem Soldaten. „Sie wünschen den großen Oz zu sprechen.“ „Kommt herein“, nickte der Soldat. „Ich werde dem großen Oz Bescheid sagen.“

So traten die fünf in den Palast des großen Zauberers Oz ein und wurden in einen großen Raum geführt, in dem es einen weichen grünen Teppich und grüne Möbel gab. Die Möbel waren mit Smaragden verziert, und Dorothy und ihre Freunde mussten sich die Füße auf einer grünen Matte abputzen, bevor sie eintreten durften. Als sie sich gesetzt hatten, sagte der Soldat höflich: „Bitte macht es euch bequem. Ich werde zum Thronsaal gehen und Oz berichten, dass ihr hier seid.“

Dorothy und ihre Freunde mussten lange warten, bis der Soldat zurückkam. Schon fürchteten sie, dass er sie vergessen habe könnte, als er wieder in das Zimmer trat. „Hast du den Zauberer gesehen?“ fragte Dorothy. „Oh, nein“, antwortete der Soldat. „Ich habe den Zauberer noch nie gesehen. Aber ich habe ihn gesprochen und ihm ausgerichtet, dass ihr hier seid, während er hinter einem Wandschirm saß. Er sagt, dass er euch eine Audienz gewähren will, wenn ihr es wünscht. Der große Oz will aber jeden von euch einzeln sehen und nicht mehr als einen von euch am Tag. Ihr müsst also für einige Zeit hier im Palast bleiben. Ich zeige euch nun eure Zimmer, ihr werdet euch nach der langen Reise sicher ausruhen wollen.“ „Vielen Dank“, knickste Dorothy, „Wir wissen die Großzügigkeit von Oz sehr zu schätzen.“

Der Soldat blies in eine kleine grüne Pfeife, und sofort erschien ein junges Mädchen, das ein entzückendes grünes Seidenkleid trug. Sie hatte wunderschöne grüne Haare und Augen. Sie verneigte sich vor Dorothy und sagte: „Folge mir bitte. Ich zeige dir deine Gemächer.“ Dorothy verabschiedete sich von ihren Freunden, nahm Toto auf den Arm und folgte dem grünen Mädchen über sieben Gänge und drei Stockwerke.

Dann öffnete das grüne Mädchen eine Tür, und Dorothy trat in das hübscheste Zimmer der ganzen Welt. In diesem Zimmer stand ein wunderbar weiches Bett mit grünen Seidenlaken und einer weichen grünen Samtdecke. Ein kleiner Springbrunnen plätscherte in der Mitte des Zimmers und versprühte grünes duftendes Wasser, das sich in einem Becken aus grünem Marmor sammelte. Vor den Fenstern standen wunderschöne grüne Pflanzen, und es gab sogar ein Regal voller lustiger grüner Bücher. Im Schrank hingen viele grüne Kleider aus Samt und Seide. Sie alle passten Dorothy wie angegossen. „Fühl’ dich wie zu Hause“, sagte das grüne Mädchen. „Falls du irgendetwas brauchst, dann läute. Ich komme sofort. Morgen früh wird Oz dich empfangen.“

Damit ließ sie Dorothy allein, um auch den anderen ihre Zimmer zu zeigen. Jeder von ihnen erhielt ein wunderschönes Zimmer. An den Scheuch war diese Pracht allerdings verschwendet, denn er schlief ja nie in einem Bett. Als das grüne Mädchen ihn allein ließ, blieb er einfach auf der Schwelle des Raumes stehen und starrte die ganze Nacht über eine kleine grüne Spinne an, die in einer Ecke des Zimmers ein Netz spann, und es war beiden egal, wie prächtig das Zimmer war.

Der Holzfäller streckte sich auf seinem weichen Bett aus, denn er erinnerte sich daran, dass er als Mensch in einem Bett gelegen hatte. Aber er konnte nicht einschlafen, und so bewegte er die ganze Nacht seine Scharniere und Gelenke, um ganz sicher zu sein, dass sie noch alle funktionierten.

Dem Löwen wäre ein Bett aus trockenen Blättern draußen im Wald viel lieber gewesen. In einem Zimmer eingeschlossen zu sein, fiel ihm schwer, aber er war vernünftig und wehrte sich nicht. Er sprang auf das Bett, rollte sich zusammen wie eine Katze und schnurrte sich augenblicklich in den Schlaf.

Nach dem Frühstück am nächsten Morgen kam wieder das grüne Mädchen, um Dorothy abzuholen. Sie half ihr, das schönste grüne Kleid anzuziehen, das sie im Kleiderschrank finden konnten. Bevor sie zum Thronsaal gingen, banden sie Toto noch eine grüne Schleife um den Hals. Zuerst kamen sie in eine große Halle, in der viele Hofdamen und Kammerherren versammelt waren. Sie waren alle sehr kostbar gekleidet und unterhielten sich miteinander. Sie kamen jeden Morgen hierher, ohne dass Oz ihnen bisher gestattet hatte, einzutreten.

Als sie Dorothy sahen, begannen sie miteinander zu wispern und zu flüstern. Dann fragte jemand: „Willst du wirklich wagen, vor Oz den Schrecklichen zu treten?“ „Aber natürlich“, antwortete Dorothy. „Wenn der große Oz mich zu sich lässt.“ „Oh, er wird dich empfangen“, sagte der Soldat, der Oz am Tag zuvor die Nachricht überbracht hatte. „Obwohl er es nicht leiden kann, wenn Leute ihn sprechen wollen. Auch dich wollte er erst sehen, als ich von deinen Silberschuhen und dem Zeichen auf deiner Stirn erzählte.“ In diesem Moment klingelte eine Glocke und das grüne Mädchen sagte: „Das ist das Zeichen. Du musst nun allein in den Thronsaal gehen.“





Die Geschichten von DER ZAUBERER VON OZ von L. Frank Baum (1856 - 1919) wurde von Kirsten Großmann für den Lesekorb übersetzt. Die Bildcollagen wurden nach Illustrationen von William Wallace Denslow (1856 - 1915) hergestellt.

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