LABBÉ Verlag
Lesekorb - Geschichten für Kinder

Toms Geheimnis

Am Dienstag lastete die quälende Ungewissheit über das Schicksal der Kinder immer noch über ganz St. Petersburg. Trotz Bittgottesdiensten und inbrünstiger Gebete hatte man Tom und Becky noch nicht gefunden. Mrs. Thatcher und Tante Polly waren verzweifelt. Sie waren in dumpfe Schwermut versunken, aus der nichts sie aufrütteln konnte. Als sich am Abend der Ort zur Ruhe begab, gab es keinen mehr, der an eine Rettung glaubte.

Mitten in der Nacht dröhnten die Glocken. "Kommt heraus! Kommt heraus! Wir haben sie gefunden!", riefen einige Helfer. Im Nu wimmelte es auf den Straßen von aufgeregten Menschen. Lärmend zogen sie in Richtung Fluss, um die Kinder in Empfang zu nehmen. Tom und Becky saßen in einem kleinen offenen Wagen, der von freudestrahlenden Männern gezogen wurde. Die Rückkehr kam einem Triumphzug gleich. Niemand dachte daran, ins Bett zu gehen.

Mrs. Thatcher und Tante Polly konnten ihr Glück gar nicht beschreiben. Sie waren selig. Tom lag zuhause auf dem Sofa, umringt von neugierigen Zuhörern und berichtete von der dramatischen Rettung, die er natürlich großzügig ausschmückte. Er erzählte, wie er Becky zurückgelassen hatte, um weitere Gänge auszuforschen; wie er am Ende des dritten Ganges, als die Drachenschnur schon völlig gespannt war, gerade umkehren wollte, als er ganz in der Ferne einen Lichtschimmer bemerkte. Er hatte die Drachenschnur abgelegt und war auf das Licht zugekrochen. Kopf und Schultern zwängte er durch ein enges Loch und dann sah er direkt vor sich den Mississippi fließen. Welch ein Glück! Zum Glück war es Tag, sonst hätte er das Licht nie gesehen.

Er erzählte, wie er zu Becky zurückgegangen war, sie überredet hatte, noch einmal die Kraft aufzubringen, durch den Seitengang kriechen. Als er sie überredet hatte, waren sie gemeinsam zu dem Loch gekrabbelt und hinausgeklettert. Lange hatten sie da gesessen und geweint und gelacht vor lauter Seligkeit.

Schließlich waren ein paar Männer in einem Boot vorbeigekommen. Tom hatte laut gerufen. Zuerst wollten sie die Geschichte nicht glauben, weil sie sich etwa fünf Meilen unterhalb der Höhle befanden. Aber dann hatten sie Tom und Becky erst einmal zu einem Haus gerudert, wo sie sich erst mal satt essen und ausruhen konnten.

Drei Tage und drei Nächte hatten die beiden Kinder in der Höhle verbracht. Sie waren sehr geschwächt. Tom ging am Freitag zum ersten Mal wieder in den Ort. Becky verließ erst am Sonntag das Bett, und sie sah aus, als habe sie eine lange, schlimme Krankheit überstanden.

Inzwischen hörte Tom auch von dem Abenteuer auf dem Cardiff-Hügel und von Hucks schlimmem Fieber. Am Montag durfte er dann seinen Freund besuchen, jedoch nur in Anwesenheit der Witwe Douglas. Inzwischen hatte man den Leichnam des einen zerlumpten Verbrechers gefunden. Er war offensichtlich bei der Flucht im Fluss ertrunken.

Erst zwei Wochen später konnte Tom Huck endlich sprechen. Er brannte darauf, seine Abenteuer mit Huck auszutauschen. Da Richter Thatchers Haus auf dem Weg lag, hielt Tom kurz an, um nach Becky zu sehen. Der Richter und einige seiner Freunde zogen Tom in ein Gespräch: "Na, Tom, hättest du nicht Lust, mal wieder in die Höhle zu gehen?"

Als Tom lässig betonte: "Jederzeit!", mischte der Richter sich ein.

"Da habe ich vorgesorgt. Die schwere Eingangstür habe ich mit dicken Eisenbeschlägen und mit einem großen Schloss versehen lassen. Da geht keiner mehr verloren."

Tom wurde leichenblass. Als der Richter das bemerkte, sprach er den Jungen darauf an. Da musste Tom ihm gestehen: "Ach, Sir, in der Höhle steckt Indiander-Joe!"





Der Klassiker TOM SAWYER von Mark Twain (1835-1910) wurde von Angelika Kopp für den Lesekorb nacherzählt. Die Bildcollagen wurden nach Illustrationen von True W. Williams (1839-1897) hergestellt.

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