LABBÉ Verlag
Lesekorb - Geschichten für Kinder

Der zweite Geist - Teil 1

Aus heftigem Schnarchen heraus, erwachte Scrooge zur vollen Stunde. Es war Schlag ein Uhr, als er sich in seinem Bett aufsetzte. Scharf blickte er im Zimmer umher, denn er wollte sich nicht von einem Geist erschrecken lassen.

Er war auf fast alles vorbereitet, jedoch war er nicht darauf gefasst, nichts zu sehen. So begann er heftig zu zittern, als er niemanden im Raum vorfand. Es verging eine viertel Stunde, doch nichts tat sich. Währenddessen lag er in seinem Bett und auf ihm ruhte der Schein eines roten Lichtes, das ihn mehr beunruhigte, als jedwelcher Geist.

Nach einer Weile glaubte er zu erkennen, dass der Lichtschein vom Nebenraum herkam. Er stand auf und schlürfte in seinen Pantoffeln zur Tür. Eine eigenartige Stimme rief ihn beim Namen und befahl, er möge eintreten. So legte er seine Hand auf die Türklinke und folgte dem Ruf.

Zweifellos war es sein eigenes Zimmer, in das er eintrat. Doch es sah überraschend anders aus. Lebendiges Grün rankte von Wänden und Decke herab, rubinrote Beeren hingen an den Zweigen. Das Licht brach sich in den frischen Blättern der Stechpalme, der Mistel und des Efeus und im Kamin prasselte ein gewaltiges Feuer.

Auf dem Boden türmten sich Truthühner, Gänse, Speckseiten, Wildbret, appetitliche Schinken, Spanferkel, Würste, Pasteten, Pflaumenpudding, Austern in Fässchen, glühende Kastanien, rotbackige Äpfel, süße Orangen, glänzende Birnen, Dreikönigskuchen und Schalen mit dampfendem Punsch. Ein köstlicher Duft erfüllte den Raum.

Auf diesem grandiosen Ruhekissen saß lässig ein lustiger Riese. In seiner Hand hielt er eine Fackel, die einem Füllhorn glich und ihr Licht auf Scrooge richtete. "Nur herein, nur herein!", rief der Geist, "so lernen wir uns besser kennen! Ich bin der Geist der gegenwärtigen Weihnacht."

Scrooge trat respektvoll ein.

"Du hast mich noch nie gesehen", rief der Geist, "bist noch nie mit meinen Brüdern losgezogen? Ich meine die älteren Brüder. Ich selbst bin noch sehr jung."

"Vermutlich nicht", erwiderte Scrooge, "hast du viele Brüder?"

"Zurückblickend bis zur ersten Weihnacht waren es sicher mehr als 1800", polterte der Geist belustigt.

"Eine große Familie, die es zu versorgen gilt", brummelte Scrooge.

Der Geist erhob sich. Scrooge sagte untertänig, "Geist, du kannst mich führen, wohin du willst. Die Wanderung der letzten Nacht war mir eine Lehre, die ich noch lange spüren werde. Wenn du mich heute etwas lehren willst, werde ich es annehmen."

"Gut - so berühre mein Gewand!"

Scrooge hielt sich fest und augenblicklich verschwand die ganze Pracht der Speisen. Ebenso erlosch die Glut im Kamin und sie standen am Weihnachtsmorgen in der Stadt, inmitten der beschäftigten Leute. Unsichtbar gingen sie geradewegs zur Wohnung von Scrooges Gehilfen.





Der Klassiker EINE WEIHNACHTSGESCHICHTE von Charles Dickens (1812-1870) wurde von Angelika Kopp für den Lesekorb nacherzählt. Die Bildcollagen wurden nach Illustrationen von John Leech (1817-1864) erstellt.

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