LABBÉ Verlag
Lesekorb - Geschichten für Kinder

Wirtshaus "Zum Roten Krebs"

So wanderte Pinocchio gemeinsam mit dem Fuchs und dem Kater. Als es Abend wurde erreichten sie todmüde das Wirtshaus "Zum Roten Krebs".

"Hier wollen wir eine Rast machen", meinte der Fuchs. Sie wollten etwas essen, ein paar Stunden schlafen, um dann um Mitternacht zu diesem Wunderfeld aufzubrechen. Der Kater und der Fuchs, meinten, dass sie gar keinen Hunger hätten, weil ihr Magen schmerzte. So aßen sie nur fünfunddreißig Seebarben mit Tomatensoße und vier Portionen Pansen mit Parmesan; sowie einen gut gewürzten Hasenbraten und ein Ragout aus Geflügelfleisch mit Eidechsen.

Nur dem armen Pinocchio waren die Goldstücke tatsächlich auf den Magen geschlagen. Der Fuchs bestellte beim Wirt zwei Zimmer, eines für ihn und den Kater und eines für seinen Freund Pinocchio. Der Wirt lächelte ihn wissend an, als der Fuchs darum bat, dass er alle drei um Mitternacht wecken solle.

Pinocchio schlief augenblicklich ein und träumte von seinem neuen Reichtum. Doch gerade als er nach dem Bäumchen greifen wollte, um die Goldtaler zu ernten, da schreckte er, von drei kräftigen Schlägen an seine Zimmertür geweckt, auf. Es war der Wirt, der mitteilte, dass es Mitternacht war.

"Sind meine Freund schon bereit?", fragte Pinocchio.

"Mehr als das. Sie sind bereits vor zwei Stunden abgereist. Das älteste Kätzchen des Katers hat Frostbeulen an den Pfoten und schwebt in Lebensgefahr. Aber sie werden euch bei Tagesanbruch am Wunderfeld treffen."

"So, so. Das Abendessen haben sie aber bezahlt, oder?"

"Aber wo denken Sie hin. Die beiden sind so gut erzogen, dass Sie euch die Freude nicht nehmen wollten."

"Schade, auf diese Freude hätte ich gerne verzichtet", erwiderte Pinocchio, zahlte ein Goldstück für Essen und Nachtlager und ging davon. Die Nacht war überaus finster und Pinocchio kam nur tastend voran. Während er so dahin schlich, entdeckte er auf einem Baumstumpf ein kleines Wesen. Es schimmerte in einem fahlen Licht.

"Wer bist du?", fragte Pinocchio.

"Ich bin der Schatten der Grille", antwortet das kleine Wesen mit einem Stimmchen so leise, als käme es aus einer anderen Welt. "Ich möchte dir einen guten Rat geben. Kehre um und bringe die restlichen vier Goldstücke deinem armen Vater. Er weint zu Hause, weil er nicht weiß, wo du bist."

"Morgen ist Geppetto ein reicher Mann. Aus den vier Goldstücken werde ich nämlich zweitausend machen."

"Traue niemals Menschen, die dir versprechen von heute auf morgen reich zu werden. Das sind nur Betrüger. Höre auf mich und kehre um."

"Ich will aber weitergehen!"

"Es ist spät, und die Nacht ist dunkel."

"Ich will weitergehen!"

Die Grille gab sich alle Mühe Pinocchio zu überzeugen, aber der wollte ihr nicht zu hören. Im Gegenteil, ihn langweilten die Worte und er wünschte ihr eine Gute Nacht.

"Gute Nacht Pinocchio! Und der Himmel soll dich vor Räubern beschützen."

Kaum hatte sie dies gesagt, verlosch ihr Licht und auf der Straße wurde es dunkler als zuvor.

Während Pinocchio darüber nachdachte, dass er vor Räubern überhaupt keine Angst hatte, hörte er plötzlich ein leises Blätterrascheln hinter sich. Als er sich umdrehte, erblickte er zwei unheimliche schwarze Gestalten die sich in Kohlesäcke vermummt hatten. Da ihm nichts Besseres einfiel, steckte er seine Goldstücke geschwind in den Mund.

Dann versuchte er wegzurennen. Aber er wurde am Arm gepackt und eine hohle Stimme rief: "Geld oder Leben!"

Da Pinocchio wegen der Goldstücke nicht sprechen konnte, machte er tausend Verrenkungen und versuchte den Dieben klarzumachen, dass er nur eine arme Holzpuppe sei.

Doch die Gesellen ließen sich nicht beirren. "Gib das Geld heraus, oder du bist des Todes!", sagte der Größere.

"Des Todes!", wiederholte der Andere.

Dann drohten sie damit, auch Pinocchios Vater zu töten. Da rief er: "Nein, nicht meinen Vater!" Dabei klirrten die Münzen in seinem Mund.

"Ah, du Bengel. Du hast Geld unter deiner Zunge versteckt. Spuck es sofort aus!"

Nun versuchten die Diebe mit aller Gewalt Pinocchios Mund zu öffnen. Doch Pinocchio packte einen der Räuber an der Hand und biss sie ab. Nun stellt euch vor, wie verwundert Pinocchio war, als er erkannte, dass er keine Hand sondern eine Pfote abgebissen hatte.

Er nutzte diesen Moment und befreite sich aus der Gewalt, um zu fliehen. Die Räuber jagten über Hecken und Felder hinter ihm her. Der, der seine Pfote verloren hatte, rannte auf drei Beinen.

Nach einer Hetzjagd von nahezu fünfzehn Kilometer war Pinocchio völlig erschöpft. Mit letzter Kraft kletterte er am Stamm einer hohen Pinie hinauf. Die Verfolger versuchten es ebenfalls, aber es gelang ihnen nicht und sie fielen zu Boden.

Sie gaben sich aber nicht geschlagen, sondern sammelten trockenes Holz und entfachten ein Feuer am Fuß der Pinie. Pinocchio sah die Flammen immer höher steigen. In seiner Verzweiflung tat er einen gewaltigen Satz aus dem Baumwipfel und rannte weiter über Felder und durch Weingärten.

Die Räuber hinter ihm her. Als Pinocchio an einen Graben voll mit schlammigem Wasser kam, machte er einen riesigen Sprung und landete sicher auf der anderen Seite. Seine Verfolger sprangen ebenfalls, aber sie taten sich in ihren Säcken schwer und landeten mittendrin.

"Angenehmes Bad, meine Herren Räuber!", rief Pinocchio. Er freute sich schon, dass die beiden ertrunken wären, als er bemerkte, dass sie ihm bereits wieder, triefend wie ein Fass ohne Boden, nachliefen.





Die Geschichten von PINOCCHIO von Carlo Collodi (1826-1890) wurde von Gabi Müller für den Lesekorb nacherzählt. Die Bildcollagen wurden nach Illustrationen von Carlo Chiostri (1863-1890) hergestellt.

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