LABBÉ Verlag
Lesekorb - Geschichten für Kinder

Pinocchios Nase beginnt zu wachsen

Sobald die drei Ärzte das Zimmer verlassen hatten, trat die Fee zu Pinocchio. Sie legte ihm die Hand auf die Stirn und stellte fest, dass er sehr hohes Fieber hatte.

Also löste sie ein Pülverchen in einem halbvollen Wasserglas auf und reichte es Pinocchio mit den Worten: "Wenn du das trinkst, bist du bald wieder gesund."

Pinocchio verzog den Mund und fragte mit kläglicher Stimme: "Ist es süß oder bitter?"

"Bitter, aber es hilft dir."

"Wenn es bitter ist, mag ich es nicht!"

"Trinke es, und du bekommst zur Belohnung ein Stückchen Zucker von mir."

Pinocchio begann mit der Fee zu verhandeln und wollte zuerst das Zuckerstückchen essen. Die Fee ließ sich darauf ein. Doch als Pinocchio den süßen Geschmack genossen hatte, weigerte er sich, die bittere Medizin zu trinken und verlangte nochmals ein Stück Zucker. Die Fee, geduldig wie eine Mutter, gab ihm noch eines. Doch Pinocchio spielte dasselbe Spiel. Die Fee ermahnte ihn, dass er ohne die Medizin bald sterben würde.

"Lieber sterbe ich, als dass ich dieses scheußliche Zeug trinke!", rief Pinocchio.

In diesem Augenblick sprang die Zimmertüre auf und vier Kaninchen, schwarz wie Tinte, kamen herein, die auf ihren Schultern einen kleinen Sarg trugen.

"Was wollen die von mir?", fragte Pinocchio ängstlich.

"Wir sind gekommen um dich zu holen. Da du die Medizin nicht nimmst, wirst du in wenigen Minuten tot umfallen."

"Ach, liebe Fee", schrie Pinocchio da, "gib mir schnell das Glas! Ich will nicht sterben!"

Er nahm das Glas mit beiden Händen und trank es in einem Zug aus.

"Nun", sagten die Kaninchen, "dann haben wir den Weg eben umsonst gemacht." Und verließen ärgerlich brummend das Haus der guten Fee.

Pinocchio sprang schon nach wenigen Minuten wieder im Zimmer herum. Holzpuppen werden nur sehr selten krank und dann sehr schnell wieder gesund.

Als die Fee ihn herumtollen sah ermahnte sie Pinocchio in Zukunft nicht so trotzig zu sein und die Medizin rechtzeitig zu nehmen. Pinocchio versprach es.

"So, und nun komm her und erzähle mir, wie du den Räubern in die Hände gefallen bist!"

Pinocchio setzte sich neben die Fee und begann zu erzählen. Vom Feuerfresser und den fünf Goldmünzen, vom Fuchs und dem Kater, die ihm vom Wunderfeld erzählten - die ganze Geschichte bis hin zur alten Eiche.

"Und wo hast du die vier Goldstücke jetzt?", fragte die Fee.

"Ich habe sie verloren", antwortete Pinocchio; aber das war gelogen, denn er trug sie in seiner Tasche. Kaum hatte er die Lüge ausgesprochen, wurde seine ohnehin schon lange Nase, um zwei Finger länger.

"Und wo hast du sie verloren?"

"Hier im Wald."

Bei dieser Lüge wurde die Nase noch länger.

"Wir werden sie suchen und bestimmt wiederfinden, denn hier im Wald geht nichts verloren."

"Ach, jetzt fällt es mir wieder ein. Ich habe die Goldstücke nicht verloren, sondern mit deiner Medizin verschluckt." Pinocchio wurde ganz heiß vor Verlegenheit.

Bei dieser dritten Lüge wurde die Nase so unerhört lang, dass der arme Pinocchio sich nicht mehr drehen konnte, ohne am Fenster oder am Bett anzustoßen. Die Fee schaute ihn an und lachte.

"Warum lachst du?", fragte Pinocchio ganz verwirrt und besorgt wegen seiner Nase.

"Ich lache über das Lügenmärchen, das du mir aufgetischt hast."

"Woher weißt du, dass ich gelogen habe?"

"Lügen kann man leicht erkennen. Es gibt zwei Arten: die mit den kurzen Beinen und die, die lange Nasen haben. Du wirst selbst erraten, zu welcher Art deine Lüge gehört."

Pinocchio schämte sich so sehr, dass er nicht wusste, wo er sich verstecken sollte. Aber seine Nase war so lang geworden, dass er nicht einmal mehr durch die Tür passte.





Die Geschichten von PINOCCHIO von Carlo Collodi (1826-1890) wurde von Gabi Müller für den Lesekorb nacherzählt. Die Bildcollagen wurden nach Illustrationen von Carlo Chiostri (1863-1890) hergestellt.

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