LABBÉ Verlag
Lesekorb - Geschichten für Kinder

Pinocchio und seine Schulkameraden

Am Tag darauf ging Pinocchio tatsächlich in die Schule. Vielleicht könnt ihr euch die Lausbuben vorstellen, wie sie gelacht haben, als eine Holzpuppe ihr neuer Schulkamerad wurde. Sie neckten und hänselten ihn, zogen ihm die Mütze vom Kopf und zupften an seiner Jacke. Eine Weile ließ sich Pinocchio alles gefallen, doch dann riss ihm der Geduldsfaden und er sagte:

"Ich bin nicht hier, damit ich für euch den Hanswurst spiele. So wie ich andere achte, möchte ich auch geachtet werden."

Da grölten die Jungen noch mehr und einer wollte Pinocchio sogar an seiner Nase ziehen. Doch dazu kam es nicht. Pinocchio stelle ihm ein Bein und versetzte ihm einen Stoß mit seinem Ellbogen. Nach dieser Tat, gewann Pinocchio die Achtung aller Mitschüler und sie schlossen ihn in ihr Herz.

Auch der Lehrer war stolz, weil Pinocchio aufmerksam, fleißig und klug war. Er machte nur den Fehler, dass er sich mit Jungen anfreundete, die rechte Taugenichtse waren. Die Fee ermahnte ihn, dass diese schlechten Freunde ihn eines Tages verführen würden und ins Unglück stürzen. Aber Pinocchio beruhigte seine Mutter und meinte, dass er doch nicht dumm wäre.

Einige Tage später begegnete Pinocchio auf dem Weg zur Schule einem Haufen solcher Schulkameraden. Sie riefen: "Weißt du schon das Allerneueste?"

"Was denn?"

"Nicht weit von hier schwimmt ein Walfisch im Meer, der so groß ist wie ein Berg! Wir gehen zum Strand, um ihn uns anzusehen. Kommst du mit?"

"Ich? Nein ich muss zur Schule. Was wird der Lehrer sonst sagen. Und meine Mutter."

"Lass den Lehrer doch reden und deine Mutter erfährt davon sowieso nichts."

Pinocchio musste daran denken, wie ein riesiger Wal durchs Meer geschwommen war, als Geppetto mit seinem Boot kenterte und so beschloss er, sich den Walfisch anzusehen. Schnell wie er war, rannte er allen davon und lachte sie aus ganzem Herzen aus, wie sie hinter ihm herhechelten.

Der Unglückselige ahnte in diesem Augenblick nicht, welch furchtbares Unheil vor ihm lag.

Am Meer angelangt, ließ er seinen Blick übers Wasser streifen, aber er konnte nichts erkennen.

"Vermutlich ist der Wal gerade beim Frühstücken, oder er hat sich ins Bett gelegt, um ein Nickerchen zu machen", scherzte einer der Buben.

An diesem albernen Ausspruch merkte Pinocchio, dass seine Schulkameraden ihn nur an der Nase herumgeführt hatten. Er wurde sehr zornig und rief: "Was soll das? Warum habt ihr mir ohne Sinn dieses Märchen erzählt."

"Oh, es hatte schon seinen Sinn. Wir wollten, dass du endlich einmal die Schule schwänzt. Schämst du dich nicht, jeden Tag so pünktlich und eifrig in den Unterricht zu gehen? Wegen dir stehen wir vor unserem Lehrer schon richtig schlecht da."

"Was soll ich tun, damit ihr zufrieden seid?", fragte Pinocchio.

"Du sollst die Schule endlich einmal gründlich satt haben, so wie wir."

"Ihr seid wirklich lächerlich", sagte Pinocchio kopfschüttelnd.

"Komm uns nicht so, Pinocchio. Wir sind sieben und du nur allein."

Was nun folgte könnte man als Schlag auf Schlag bezeichnen. Ein Wort folgte dem anderen und aus den Worten wurden Hiebe. Bald war eine erbitterte Prügelei im Gange. Pinocchio, obwohl er ganz allein war, verteidigte sich wie ein Held und hinterließ bei seinen Gegnern blaue Flecken als Andenken.

Da rief plötzlich ein dicker Krebs, der aus dem Wasser gestiegen kam, mit heiserer Stimme, die wie ein erkältete Trompete klang: "Hört ihr wohl auf, ihr Lausejungen. Solche Raufereien nehmen bekanntlich ein böses Ende!"

Keiner hörte auf den Krebs und Pinocchio, der Schlingel, erwiderte spöttisch: "Schweig, du Krebs. Lutsche besser ein paar Hustenpastillen und leg dich ins Bett, damit du dein Erkältung los wirst!"

Die Jungen waren in der Zwischenzeit dazu übergegangen, sich mit Gegenständen zu bewerfen. Und was lag da näher, als die Schulbücher zu verwenden. Als ihre eigenen Bücher alle im Meer schwammen, zogen sie aus Pinocchios Schultasche den dicken Wälzer über die Zahlenlehre heraus. Einer der Bengel holte aus und schmiss das Buch mit aller Kraft. Doch statt Pinocchio zu treffen, traf er seinen Kameraden am Kopf.

Der wurde weiß, wie ein Leintuch und schrie: "Mama! Hilfe! Ich sterbe!" Dann sank er zu Boden. Bei diesem Anblick rannten die entsetzten Jungen davon. Nur Pinocchio blieb stehen. Voller Panik rannte er ans Meer und tränkte ein Taschentuch, um es seinem Schulkameraden an die Schläfe zu halten.

"Eugen! Armer Eugen! Mach doch endlich die Augen auf und antworte mir! Ich bin unschuldig. Ich lasse nicht zu, dass du hier stirbst."

Pinocchio begann verzweifelt zu weinen. Wie sollte er dies alles seiner lieben Mutter erklären. Sie hatte ihn vor den schlechten Kameraden gewarnt. Aber er hatte nicht gehört. Was sollte nur werden? Da hörte er Schritte, die näher kamen. Er drehte sich um; es waren zwei Polizisten.

"Was machst du auf dem Boden?", fragten sie Pinocchio.

"Ich helfe meinem Schuldkameraden."

"Ist ihm schlecht geworden?"

"Es scheint so!"

"Dem ist nicht einfach nur schlecht", sagte einer der Polizisten, der sich über Eugen gebückt hatte. "Er ist an der Schläfe verletzt. Wer hat das getan und womit?"

"Es ist mit diesem Buch passiert, aber ich war es nicht."

"Wem gehört dieses Buch?"

"Mir."

"Das ist wohl eindeutig. Steh sofort auf und komme mit uns!"

"Aber ich bin unschuldig!"

Bevor sie gingen, riefen die Polizisten einige Fischer herbei, die gerade mit ihrem Boot am Strand vorüber fuhren, und sagten zu ihnen: "Könnt ihr euch um diesen Jungen kümmern? Er ist am Kopf verletzt. Nehmt ihn mit nach Hause."

Dann schoben sie Pinocchio vor sich her. Der verstand die Welt nicht mehr. Alles erschien ihm wie ein böser Traum. Am schrecklichsten schien ihm der Gedanke, dass die gute Fee ihn so sehen würde. Als ein Windstoß seine Mütze einige Meter davon wehte, bat er darum, sie wieder zu holen.

Dies war die Gelegenheit. Pinocchio rannte in gestrecktem Galopp Richtung Strand. Die Polizisten hetzten ihm einen großen Hund hinterher, der in allen Hunderennen den ersten Preis gewonnen hatte.

Die Menschen hingen aus den Fenstern, um sich das Schauspiel nicht entgehen zu lassen. Aber Pinocchio und der Hund wirbelten eine solche Staubwolke auf, dass sie um ihr Vergnügen gebracht wurden.





Die Geschichten von PINOCCHIO von Carlo Collodi (1826-1890) wurde von Gabi Müller für den Lesekorb nacherzählt. Die Bildcollagen wurden nach Illustrationen von Carlo Chiostri (1863-1890) hergestellt.

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