LABBÉ Verlag
Lesekorb - Geschichten für Kinder

Eulenspiegel als Maler unterwegs

Als Till Eulenspiegel eines Tages den Landgrafen von Hessen kennen lernte, da fragte dieser ihn, welchen Beruf Till ausübe. „Ich bin Künstler“, sagte Till Eulenspiegel und wurde dabei noch nicht einmal rot. Nun freute sich der Landgraf mächtig, denn er dachte, einen Artisten vor sich zu haben. Denn diesen Eindruck macht Till Eulenspiegel ja in seinem bunten Gewand.

Als er Till aufforderte, das ein oder andere Kunststück zu zeigen, da klärte Eulenspiegel das Missverständnis schnell auf. „Ich bin ein Maler!", verkündete er nicht ohne Stolz. „Dann zeig mir einige deiner Werke“, entgegnete der Landgraf. Till zögerte einen Augenblick, zog dann aber aus der Satteltasche seines Pferdes einige Bilder flämischer Maler heraus, die er günstig erworben hatte. Diese gefielen dem Landgrafen prächtig, und so forderte er Till Eulenspiegel auf, auch ihm ein solches Kunstwerk zu schaffen.

Till versprach`s, ließ sich Staffelei, Farbe und Leinwand kommen und bat sich jede Störung aus. Dann schloss er sich in dem Saal, den ihm der Landgraf zu Hessen zur Verfügung gestellt hatte, ein. Die Wochen vergingen, ohne dass auch nur irgendjemand das Bild Till Eulenspiegels zu sehen bekam. Nach 21 Tagen ließ sich der Landgraf nicht mehr abwimmeln, er bestand darauf, sofort sein Bild sehen zu dürfen.

Und Till? Der willigte ein, führte den Landesherren vor die Staffelei, auf der das Bild, mit einem großen, weißen Laken bedeckt, stand. „Ich habe“, so sagte Eulenspiegel, „euren Urgroßvater mit seiner Frau und den Kindern, euren Großvater, euren Vater und gar euch selbst auf diesem Gemälde verewigt. Allerdings birgt es ein kleines Geheimnis. Wer nämlich unehelich geboren wurde, der wird nur eine große weiße Fläche sehen.“

Dann zog er das Laken von dem Bild ab. Und der Landgraf, der sah nichts. Nur eine große weiße Fläche. Da er nun aber nicht zugeben wollte, dass er unehelich geboren sei, da schwärmte er in höchsten Tönen von dem Bild.

Auch seine Frau, die Landgräfin, sah, als man sie mit ihrer Gefolgschaft gerufen hatte, natürlich nichts auf dem Bild. Wie hätte sie denn auch was sehen können. Till Eulenspiegel hatte ja nichts gemalt! Doch auch ihr und den Frauen, die bei ihr waren, erzählte der Schalk die Geschichte, wer unehelich geboren sei, der könne auf dem Bild nichts erkennen. Nun lobten alle, wie sie da standen, das Bild Eulenspiegels in den höchsten Tönen.

Nur eine nicht, aber die galt wenig in dem erlauchten Kreis der Hofdamen. Sie aber sagte: „Ich sehe rein gar nichts. Und ich kann ruhig zugeben, dass ich unehelich geboren bin, das weiß eh ein jeder.“ Nun kamen auch den anderen große Zweifel. Doch als sie von Till Eulenspiegel eine Erklärung wollten, tja, da war er schon wieder weg.





Diese Geschichte von TILL EULENSPIEGEL (erschienen 1510) wurde von Martina Meier für den Lesekorb nacherzählt. Die Bildcollagen wurden nach Illustrationen von H. Stache, R. Hansche und R. Trache hergestellt.

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