LABBÉ Verlag
Lesekorb - Geschichten für Kinder

Die Gründung Roms

Die beiden Brüder Romulus und Remus hatten beschlossen, eine Stadt am heiligen Fluss Tiber zu erbauen. Es war der Ort, wo sie als Neugeborene in einem Körbchen ans Ufer gekommen waren.

Romulus spannte nun eifrig zwei Rinder vor seinen Pflug und trieb sie im Viereck um den Palatin [1]. Das ausgehobene Erdreich und die Furche sollten Wall und Graben andeuten. Dort aber, wo die Tore vorgesehen waren, nahm Romulus seinen Pflug stets ein Strecke weit aus dem Boden.

Wer sollte jetzt König sein und der neuen Stadt seinen Namen geben? Beide Brüder erhoben Anspruch darauf, doch als Zwillinge konnte keiner das Recht der Erstgeburt behaupten.

"Ihr müsst nach der Weisung der Götter handeln und den Vogelflug erkunden," sprach Numitor, als die Brüder um Rat fragten. Der Rat des Großvaters erschien weise und sie befolgten ihn. Wem die Vögel zuerst ein glückliches Zeichen gaben, der sollte König sein.

Lange mussten die beiden auf göttliche Weisung warten, Romulus auf dem Palatin, Remus auf dem Aventin [2]. Doch endlich zeigten sich dem Remus sechs Geier, die den Hügel im weiten Bogen umkreisten.

"Remus ist unser neuer König!", riefen seine Begleiter voller Freude. Sogleich eilten sie zu Romulus, um ihm davon Kunde zu bringen. Doch bei ihrer Ankunft auf dem Palatin sahen sie zwölf Geier bei Blitz und Donner vorüberziehen.

"Mir steht die Königswürde zu!", rief Romulus mit gebieterischer Stimme, "denn mir ist die doppelte Zahl an Vögeln erschienen. Auch kamen sie unter göttlichen Vorzeichen!"

Remus wollte diese Worte nicht hinnehmen, und schickte sich an, den Bruder zu verspotten. Leichtfüßig sprang Remus über die wenig hohe Ummauerung der neuen Stadt, um ihre Wertlosigkeit zu beweisen. Damit gab er Romulus der Lächerlichkeit preis, und verletzte ihn tief in seiner Seele. Nun war die Wut in Romulus entfacht und er streckte seinen Bruder mit tödlichem Schwertstreich nieder. "So", rief er, "wird es jedem ergehen, der diese Mauer vor meinen Augen zu übersteigen wagt!"

Romulus hatte sich mit dieser Tat zum König gemacht und gab der jungen Stadt Rom seinen Namen. Doch Romulus wollte auch den Schatten seines getöteten Bruders Remus versöhnen. So ließ er neben sich einen zweiten Thron errichten, der an die brüderlichen Herrschaftsrechte erinnerte.

 

Erklärungen:

[1] Der Palatin ist eine Hügelgruppe, auf der die älteste Ansiedlung Roms lag.

[2] Der Aventin gehört zu den sieben Hügeln, auf denen Rom erbaut wurde. Der Aventin liegt dem Palatin gegenüber.

 





Diese Sage von Gustav Schwab (1792-1850) wurde von der Labbé-Redaktion für den Lesekorb nacherzählt.

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