Jan, der Unverbesserliche

Kratzend und um sich tretend wälzte Jan sich auf dem Boden. Er kämpfte mit Händen und Füßen gegen drei Männer, grimmig und schweigend. Sie wollten ihn bändigen. Einer der Männer heulte. Sein Finger steckte zwischen Jans Zähnen. In dem Zelt lag ein Toter, John Gordon.

"Lass jetzt den Unsinn, Jan, und sei vernünftig!", stöhnte der Rote Bill, indem er Jan die Arme um den Hals schlang, so dass er fast erstickte. "Warum kannst du dich nicht ruhig und friedlich hängen lassen, zum Donnerwetter?"

Aber Jan ließ den Finger des einen Mannes nicht los. Er hieß Taylor und sagte: "Du hast Herrn Gordon umgebracht, einen tapferen und rechtschaffenden Mann. Du bist ein Mörder und hast keine Ehre im Leib!"

Auch der dritte Mann redete auf Jan ein. Es war Lawson, ein Seemann. Lange dauerte die kämpferische Auseinandersetzung der Männer. Jan hatte nur ein Ziel vor den Augen: Er wollte leben! Es war nicht möglich, mit ihm fertig zu werden. Der Wahnsinn verlieh ihm Riesenkräfte.

Aber ganz plötzlich, ohne sichtbare Ursache, ließ er seine Gegner los, wälzte sich auf den Rücken und grinste boshaft.

"Meine Freunde", sagte er, immer noch grinsend, "ihr habt mich gebeten höflich zu sein. Das bin ich jetzt. Was wollt ihr von mir?"

Der Rote Bill antwortete beschwichtigend: "Jan, nur ruhig! Ich wusste ja, dass du Vernunft annehmen würdest. Bleib jetzt nur ruhig, dann werden wir dich sauber hängen."

"Mich hängen? Mich? Ha! Ha! Hört den Mann! Was für einen Unsinn er redet. Er will mich hängen! Ich denke ja nicht daran!"

Mit einiger Mühe kam er auf die Beine und sah sich um. Lawson durchschnitt eine Schlittenleine und rollte sie sorgfältig auf. "Heute hat Richter Lynch das Wort."

"Einen Augenblick!" Jan trat einen Schritt von der Schlinge zurück. "Ich habe euch etwas zu fragen und einen Vorschlag zu machen." Er wandte sich an Lawson. "Du kennst Richter Lynch?"

"Ja, auf den kann man sich verlassen, der ist nicht käuflich. Er erweist Gerechtigkeit ohne Bezahlung."

"Nun ja", meinte Jan, "so sag mir denn: Wenn ein Mann einen anderen totschlägt, hängt Richter Lynch dann den Mann?"

"Wenn die Beweise genügen - ja."

"Und wenn Richter Lynch den Mann nicht hängt, was dann?"

"Wenn Richter Lynch den Mann nicht hängt, dann kann er frei hingehen, wohin er will, und seine Hände sind rein, es klebt kein Blut an ihnen. Und noch etwas sagt unsere Verfassung: Kein Mann kann zweimal wegen ein und demselben Verbrechen mit dem Tode bedroht werden."

"Und dem Mann geschieht dann auch wirklich nichts?"

"Nein."

Ungeachtet von Jans Rede begannen die Männer einen Galgen zu bauen. "Nein, nein!", rief er. "Ich lasse mich nicht hängen. Ich will anders sterben, bevor ich mich hängen lasse!"

Er begann mit Taylor und dem Roten Bill zu ringen. Sie wälzten sich wie rasend auf dem Boden. Von Zeit zu Zeit tauchten Jans Hände und Füße aus dem Chaos auf. Lawson bekam diese schließlich zu fassen und band sie zusammen. Um sich tretend, rasend, furchtbare Flüche ausstoßend, wurde Jan besiegt und gefesselt und dann zu der Stelle geschleppt, wo der Galgen stand. Der Rote Bill legte ihm die Schlinge um den Hals. Taylor und Lawson standen bereit, den Galgen auf das Kommando hoch zu ziehen.

In diesem Augenblick stieß Jan hervor: "Herr Gott! Seht, dort!"

Das Entsetzen in seiner Stimme ließ die anderen innehalten. In der Dämmerung kroch John Gordon taumelnd aus der Öffnung des Zeltes hervor.

"Teufel, was -?" Er unterbrach sich, denn mit einem einzigen Blick erfasste er die Situation.

"Wartet ein bisschen, ich bin nicht tot!", rief er und näherte sich zornig der Gruppe. "Er hat mich nur betäubt. Die Kugel traf mich zwischen Hirnschale und Halswirbel. Das lähmte mich eine Weile, aber es ist kein Schaden geschehen."

Dann wandte er sich an den Gefesselten. "Steh auf, Jan! Und wenn du dich nicht bei mir entschuldigst, verbläue ich dich, dass du dich nicht mehr rühren kannst."

"Ich denke nicht daran", antwortete Jan, der Unverbesserliche. "Lasst mich los, und ihr werdet sehen. Dann verbläue ich dich und diese blöden Hunde hier, einen nach dem anderen."