Der Sohn des Wolfs

Das Gesicht von Mackenzie war vom fünfundzwanzigjährigen Kampf mit den wildesten Launen der Natur gezeichnet. Dabei waren die beiden letzten die wildesten und härtesten gewesen. Er hatte sie damit verbracht, nach dem Gold zu graben, das in der Finsternis der Eisregion verborgen lag. Er arbeitete schwerer als je zuvor. Den ganzen Sommer kämpfte er mit Moskitos und wusch die steilen Sandbänke im Stuart River rein. Dann flößte er Bauholz den Yukon abwärts nach Forty Mile und baute sich eine bequeme, gemütliche Hütte. Schließlich kaufte er sich doppelten Proviantvorrat.

Mackenzie war ein Mann, der meist das bekam, was er haben wollte. Obwohl er Arbeit und Anstrengungen gewohnt war, scheute er sich aber doch vor der Reise, die vor ihm lag - sechshundert Meilen übers Eis, zweitausend Meilen übers Meer und dann noch dreitausend Meilen bis zu seinem Ziel. Das alles tat er nur, um sich eine Frau zu holen. Das Leben war kurz. Deshalb spannte er seine Hunde vor und verstaute das Gepäck auf seinem Schlitten.

Er war ein zäher Reisender, und seine Wolfshunde konnten bei weniger Nahrung schwerer arbeiten und länger laufen als irgendein Gespann in Yukon. Drei Wochen später zog er in das Jagdlager am oberen Tanana ein. Die dort lebenden Indianer wunderten sich über sein Verhalten, denn sie waren für ihren schlechten Ruf bekannt. Sie hatten schon weiße Männer für unbedeutende Dinge, wie eine geschliffene Axt oder eine zerbrochene Büchse, getötet. Er aber kannte die Mentalität der Indianer genau, wusste, wann er ihnen schmeicheln sollte oder wann er mit dem Donnerkeil seines Zorns drohen musste.

Zuerst machte er dem Häuptling Thling-Tinneh seine Aufwartung und überreichte ihm ein paar Pfund schwarzen Tee und Tabak. Dann mischte er sich unter die Männer und Mädchen. Am Abend trafen sich alle. Der Schnee wurde festgestampft und in der Mitte des Platzes wurde ein Feuer angezündet. Die Hütten standen verlassen, und die ungefähr hundert Mitglieder des Stammes sangen zu Ehren des Gastes. Da der ihren geringen Wortschatz beherrschte, hielt er ihnen Reden in ihrem eigenen Stil und befriedigte ihre angeborene Liebe zur Poesie.

Nachdem Thling-Tinneh und der Schamane geantwortet hatten, schenkte er den Männern Kleinigkeiten, beteiligte sich an ihren Gesängen und erwies sich als ein Meister in ihrem ‚Zweiundfünfzig-Stöcke-Spiel'. Die Indianer rauchten seinen Tabak und waren vergnügt.

Trotzdem spürte er die herausfordernde Haltung der jungen Männer. Als er sich in seinen Schlafsack gewickelt hatte, dachte er genau darüber nach, welchen Plan er verfolgen würde.

Nur ein Mädchen hatte ihn gefesselt, und das war keine andere als Zarinska, die Tochter des Häuptlings. Ihre Züge, ihre Gestalt und Haltung entsprachen am meisten dem Schönheitstyp des weißen Mannes. Sie wollte er zu seiner Frau machen, und er wollte sie ‚Gertrud' nennen.

In den nächsten Tagen achtete Mackenzie darauf, dass die Männer ihn als sicheren Schützen und gewaltigen Jäger kennen lernten. Das Lager erscholl von Beifallsrufen, als er auf sechshundert Ellen einen Elch erlegte. Abends pflegte er dem Häuptling Thling-Tinneh einen Besuch in seinem Zelt abzustatten, mächtig zu prahlen und freigiebig Tabak zu verteilen.

Auch den Schamanen vergaß er nicht, denn er kannte den Einfluss des Medizinmannes auf sein Volk und war bestrebt, ihn auf seine Seite zu bekommen. Aber dieser fühlte sich als großer Mann, wollte sich nicht günstig stimmen lassen, so dass man offenbar mit ihm als einem künftigen Feind rechnen musste.

Obgleich sich keine Gelegenheit für ein Gespräch mit Zarinska ergab, warf Mackenzie ihr manchen verstohlenen Blick zu und gab ihr seine Absicht deutlich zu erkennen. Und sie verstand sie gut, umgab sich aber immer mit einem Kreis von Frauen.

Eines Abends, als er endlich dachte, dass der richtige Zeitpunkt gekommen sei, ging er in ihr Zelt. Die Frauen, die bei ihr waren, schickte er fort, und so war die Neuigkeit bald im ganzen Lager verbreitet. Er sprach mit Zarinska in ihrer Sprache und nach zwei Stunden erhob er sich um zu gehen.

"Zarinska wird also mit in die Wohnung des weißen Mannes gehen? Gut! Ich werde jetzt mit deinem Vater sprechen, denn ihm wird es vielleicht nicht gefallen. Und ich werde ihm viele Geschenke geben. Und wenn er nein sagt, wirst du trotzdem in die Wohnung des weißen Mannes kommen."

Als er schon gehen wollte, nahm sie aus ihrem Nähbeutel eine Scheide aus Elchfell, die herrlich mit bunten Perlen in phantastischen Mustern verziert war. Sie nahm sein großes Jagdmesser und schob es in seine neue Hülle. Daraufhin berührte er ihre Lippen mit seinem Bart - mit dieser ihr fremden Liebkosung der weißen Männer.

Große Erregung lag in der Luft, als er das Zelt von Thling-Tinneh betrat. Er hörte das Geschwirr von Weiberstimmen, und die jungen Männer berieten sich in Gruppen. Aus der Hütte des Schamanen ertönten die unheimlichen Klänge eines Beschwörungsgesanges.

Der Häuptling war allein mit seiner Frau, und ein Blick genügte, um Mackenzie zu sagen, dass die Neuigkeit auch ihnen bekannt war. Also zeigt er sofort die perlenbestickte Scheide, um die Verlobung bekannt zu geben.

"O Thling-Tinneh, du mächtiger Häuptling der Sticks und des Tanana-Landes, du Herrscher über Lachs und Bär, Elch und Rentier! Der weiße Mann steht in einer großen Sache vor dir. Viele Monde hat seine Wohnung leer gestanden, und er ist einsam. Er sehnt sich nach einer Frau, nach dem Trippeln von kleinen Mokassins und nach dem Klang von Kinderstimmen.

Eines Nachts sah er das Gesicht des Großen Raben, deines Vaters. Der Rabe sprach zu dem einsamen weißen Mann: ‚Schnalle deine Schneeschuhe an und belade deinen Schlitten mit Nahrung für eine weite Reise und mit schönen Geschenken für den Häuptling Thling-Tinneh. Du sollst nach den Jagdgründen dieses großen Häuptlings ziehen. In seiner Wohnung ist ein Mädchen, dem ich den Atem des Lebens für dich eingehaucht habe. Dieses Mädchen sollst du zum Weibe nehmen.'

Deshalb lege ich nun meine Geschenke zu deinen Füßen, deshalb bin ich gekommen, um deine Tochter mit mir zu nehmen."

Der Häuptling nahm sich Zeit mit einer Antwort. Ein Kind kroch in die Hütte und sagte, dass er in den Rat kommen solle, und verschwand wieder. Dann sprach Thling-Tinneh:

"Oh, weißer Mann, den wir den ‚Elchtöter' genannt haben, auch bekannt als der ‚Wolf' und der ‚Sohn des Wolfs'! Wir wissen, du kommst von einem mächtigen Volke. Wir sind stolz, dass wir dich als Gast bei uns haben. Aber ein Rabe paart sich nicht mit einem Wolf!"

"Nein, das stimmt nicht!", rief Mackenzie. "Ich habe Töchter des Raben in den Lagern der Wölfe gesehen und von vielen anderen Squaws gehört, auch wenn meine Augen sie nicht gesehen haben."

"Sohn, deine Worte sind wahr, aber sie passen schlecht zusammen, wie Wasser und Sand, wie Schneeflocken und Sonne. Hast du Mason und seine Squaw getroffen? Nein? Er kam vor langer Zeit, der erste aller Wölfe. Mit ihm kam ein mächtiger Mann, groß und stark wie ein Bär, mit einem Herz wie ein Sommermond."

"Mackenzie unterbrach ihn, da er sich gut an die wohlbekannte Gestalt erinnerte: "Malemute Kid!"

"Ja, er war ein mächtiger Mann. Aber sahst du seine Squaw? Sie war Zarinskas Schwester."

"Nein, Häuptling, aber gehört habe ich von ihr. Mason zerschmetterte fern im Norden eine alte Kiefer. Aber seine Liebe war groß, und er hatte viel Gold. Mit dem und mit ihrem Knaben reiste sie viele Tage weit in ein fernes Land ohne schneidenden Frost, ohne Schnee. Dort lebt sie noch."

Wieder kam ein Bote mit der Nachricht, sofort in den Rat zu kommen. Mackenzie sah draußen schwankende Gestalten vor dem Feuer, hörte die tiefen Basstöne vom Gesang der Männer und wusste, dass der Schamane den Zorn des Volkes entfachte. Er wusste, dass Eile geboten war und wandte sich wieder an den Häuptling:

"Ich will dein Kind haben. Hier sind Tabak, Tee, viele Tassen Zucker, warme Decken, Bücher! Und hier, sieh, hier ist eine treffliche Büchse mit vielen Kugeln und viel Pulver."

"Nein", antwortete der alte Mann und wehrte sich gegen die Reichtümer. "In diesem Augenblick hat mein Volk sich versammelt. Es will nichts von dieser Heirat wissen."

"Aber du bist der Häuptling!"

"Doch meine jungen Männer sind wütend, weil die Wölfe ihnen die Mädchen genommen haben, so dass sie nicht heiraten können."

"Höre mich, Thling-Tinneh! Ehe die Nacht dem Tage weicht, wird der Wolf mit seinen Hunden in das Land des Yukon ziehen, und Zarinska wird mit ihm gehen."

"Und ehe die Nacht halb vergangen ist, werfen meine jungen Männer vielleicht das Fleisch des Wolfes den Hunden vor, und seine Knochen liegen im Schnee verstreut."

Das war eine klare Drohung. Mackenzie versuchte es noch einmal: "Der Wolf stirbt mit zusammengebissenen Zähen, und mit ihm werden zehn deiner stärksten Männer zur Ruhe gehen, Männer, die man vermissen wird, bei der Jagd und beim Fischfang. Was nützt es euch, dass ich sterbe? Denke daran, wenn du mir dein Kind gibst, wird dieser ganze Reichtum dir gehören. Und noch eins: Meine Brüder werden kommen und eure Frauen holen! Willige in die Hochzeit ein!"

Mackenzie spannte den Hahn seiner Büchse und lockerte die beiden Revolver im Gürtel. "Sag ja, o Häuptling!"

"Aber mein Volk wird nein sagen."

"Sag ja und, alles ist dein. Mit deinem Volk werde ich später abrechnen!"

"Der Wolf will es so. Schön, ich nehme seine Geschenke, aber ich habe ihn gewarnt."

Mackenzie reichte ihm die Sachen, sorgte aber dafür, dass der Patronenauswerfer der Büchse vernagelt war.

Der Schamane trat jetzt mit einem Dutzend junger Leute ein, aber Mackenzie drängte sich kühn zwischen ihnen hindurch und verließ das Zelt. "Pack ein!", rief er Zarinska in ihr Zelt zu. Dann eilte er, um seine Hunde anzuschirren.

Wenige Minuten später bog er an der Spitze seines Gespanns auf den Ratsplatz ein - Zarinska an seiner Seite. Er setzte sich an das obere Ende des Kreises neben den Häuptling, Zarinska hinter sich. Zu beiden Seiten saßen Männer um das Feuer und sangen ein Lied aus alten Zeiten. Am unteren Ende tanzten Weiber unter den Augen des Schamanen, ganz in Ekstase durch seine Beschwörungen. Es war eine unheimliche Szene. Dann hörten Singen und Tanzen auf. Der Schamane redete wild auf sein Volk ein. Seine Stellung war stark. Er stellte Mackenzie als ein Kind des Teufels dar. Er sagte, dass es der größte Verrat und Gotteslästerung sei, ihre Töchter mit diesen Erbfeinden zu vermählen; er sprach vom Zorn der Götter.

"Oh, Brüder! Der Feuerbringer hat eurem Schamanen eine Botschaft zugeflüstert, und ihr sollt sie hören: ‚Lasst die jungen Männer die jungen Weiber in ihre Hütten führen. Lasst sie dem Wolf an die Kehle fahren. Wir sollen wieder ein mächtiges Volk werden, dass die Wölfe vertreibt, und wir werden wieder über das Land herrschen.' Das war die Botschaft."

Diese Rede ließ die Indianer aufspringen und in ein heiseres Geheul ausbrechen. Geschrei erhob sich, und man rief nach dem Fuchs, bis einer der jungen Männer vortrat und sprach:

"Brüder! Der Schamane hat weise gesprochen. Die Wölfe haben unsere Weiber genommen, und unsere Männer sind kinderlos. Viele schlimme Dinge haben sie über uns gebracht. Ich, der Fuchs, habe mir kein Weib genommen und weshalb? Zweimal sind die Mädchen, die mir gefielen, in das Lager der Wölfe gegangen. Und nun habe ich viele Felle gesammelt, um die Gunst von Thling-Tinneh zu gewinnen, damit er mir Zarinska, seine Tochter, gibt. Aber nun soll sie mit dem Wolf gehen.

So wie mir geht es vielen jungen Männern. Die Wölfe nehmen immer das Beste, die Raben bekommen immer nur den Abfall." Er zeigte auf Frauen mit schielenden Augen, mit Ohren, die nicht hören können und anderen Gebrechen. "Haben die Wölfe sie gewählt?"

"Nein, nein!", brüllten seine Stammesgenossen, und grausamer Beifall erscholl.

Dann trat auch noch der Bär nach vorn, groß und mit breiter Brust. Er war kein gewandter Redner wie der Fuchs, aber er sprach von seinen Heldentaten, die er schon vollbracht hatte. "Als meine Stimme noch die eines Mädchens war, tötete ich bereits Luchs, Elch und Rentier. Später tötete ich drei Männer vom Stamm des weißen Flusses und auch dem grauen Bären wich ich nicht aus.

Heute Nacht will ich mit dem Wolf kämpfen. Ich will ihn töten, und Zarinska soll an meinem Feuer sitzen."

Mackenzie wusste, dass er keine Chance hatte, wenn sie ihn gesammelt angriffen. Er schob beide Revolver im Gürtel so hin, dass er sie mit einem einzigen Griff erreichen konnte. Der Bär aber hielt die anderen Indianer zurück.

Mackenzie blickte sich nach Zarinska um. Sie sah prachtvoll aus. Ihre großen schwarzen Augen beobachteten alles. Sie schien zu Stein verwandelt. Als der Weiße sie ansah, ließ ihre Spannung nach. Sie warf ihm einen Blick zu, der mehr als Liebe enthielt.

Thling-Tinneh versuchte zu reden, aber sein Volk übertönte seine Stimme. Da trat Mackenzie vor. Der Fuchs öffnete den Mund zu einem durchdringenden Schrei, aber Mackenzie sprang so wild auf ihn los, dass er zurückwich und der Schrei in seiner Kehle erstickte. Schallendes Gelächter erklang. Dann trat einen Augenblick Ruhe ein, den Mackenzie zum Sprechen nutzte.

"Brüder! Der weiße Mann, den ihr ‚Wolf' nennt, sprach keine Lügen zu euch. Er kam als Freund und wollte euer Bruder sein. Aber eure Männer haben gesprochen, und die Zeit der sanften Worte ist vorbei.

Zunächst will ich euch sagen, dass der Schamane eine böse Zunge hat und euch belügt. Die Botschaft, von der er sprach, kam nicht von euren Göttern. Als ihr in Hungersnot gelebt habt, als alte Menschen und Kinder starben, brachte da der Schamane euren Jägern Glück? Brachte er euch Fleisch? Ich sage euch, der Schamane hat keine Macht."

Kein Laut war zu hören. Einige Frauen waren entsetzt, aber unter den Männern war nur eine Spannung zu spüren.

Der Schamane war sich klar, dass ein kritischer Augenblick gekommen war. Er fühlte seine Macht wanken, öffnete den Mund zu Drohungen, wich aber vor Mackenzies erhobener Faust und seinem flammenden Blick zurück.

Dieser lächelte höhnisch und fuhr in seiner Rede fort: "Hat mich vielleicht der Blitz getroffen? Sind Sterne vom Himmel gefallen und haben mich zerschmettert? Pah! Mit dem Hund bin ich fertig!

Und jetzt will ich euch von meinem Volk erzählen, dem mächtigsten aller Völker, die auf Erden leben.

Zarinska ist ein schönes Mädchen, aufrecht und stark; wohl geeignet, Mutter von Wölfen zu werden. Wenn ich sterbe, werden meine Brüder kommen. Hört das Gesetz des Wolfes: Wer das Leben eines Wolfes nimmt, wird mit zehn Leben seines eigenen Volkes dafür büßen.

Lasst mich wieder zurückkommen auf den Bären und den Fuchs. Beide hatten ein Auge auf das Mädchen geworfen. Aber seht, ich habe sie gekauft! Thling-Tinneh hat die Büchse und alle anderen Waren. Aber ich will den jungen Männern entgegen kommen. Dem Fuchs will ich fünf lange Rollen Tabak geben. Dem Bären, auf den ich stolz bin, will ich zwei Decken, zwanzig Tassen Mehl und ebenfalls fünf Rollen Tabak geben. Und wenn er mit mir über die Berge nach Osten zieht, will ich ihm eine Büchse geben, wie Thling-Tinneh sie bekam.

Nun ist der Wolf der Worte müde. Doch noch einmal will er die Worte des Gesetzes sagen: Wer das Leben eines Wolfes nimmt -zehn von seinem Volk sollen mit ihrem Leben dafür büßen."

Mackenzie trat lächelnd auf seinen Platz zurück, innerlich sehr unruhig. Die Entscheidung fiel für den Kampf. Der Platz um das Feuer wurde erweitert. Dabei wurde viel über die Niederlage des Schamanen gesprochen. Manche behaupteten, er hätte nur seine Macht zurückgehalten, während andere dem Wolf Recht gaben.

Der Bär trat in die Mitte des Kampfplatzes, ein langes, entblößtes Jagdmesser in der Hand. Mackenzie vertraute seine Büchse Zarinska an und sagte ihr, sie solle ihn warnen, wenn Gefahr von hinten drohe.

Nicht allein an Reichweite und Größe war der Bär ihm überlegen. Seine Klinge war um gut zwei Zoll länger als die Mackenzies, und sein Gesicht war das eines entschlossenen Mannes. Immer wieder wurde der Weiße bis an den Rand des Feuers oder in den tiefen Schnee hinaus gedrängt; aber immer wieder arbeitete er sich mit der Taktik des geübten Faustkämpfers in die Mitte zurück. Nicht eine Stimme erhob sich, um ihn anzufeuern, während sein Gegner Beifall, Hinweise und Warnungen erhielt. Aber er biss die Zähne zusammen, während die Messer klirrten, und kämpfte mit all seiner Kraft. Er wusste, dass er um sein Leben kämpft - und um seine Frau.

Zweimal traf er den Bären und sprang selbst unbeschädigt zurück. Das dritte Mal aber verfing sich sein Messer, und sie blieben aneinander hängen. Jetzt begann er die furchtbare Kraft seines Gegners zu spüren. Seine Muskeln spannten sich schmerzhaft, die Sehnen drohten zu zerreißen, aber die Klinge des Bären kam immer näher. Der Kreis der Indianer schloss sich dichter.

Mackenzie machte mit einem Ringergriff eine halbe Seitwärtsdrehung und hieb nach seinem Gegner. Dieser kam dadurch aus dem Gleichgewicht. Das nutzte Mackenzie aus, warf sich vor und schleuderte den Bären außerhalb des Kreises in den tiefen Schnee. Der Bär taumelte, kam aber zurück.

Da erklang Zarinskas Stimme, zitternd vor Angst. Ein Bogenstrang schwirrte, Mackenzie duckte sich blitzschnell, ein Pfeil mit einer Knochenspitze flog über ihn hinweg und bohrte sich in die Brust des Bären.

Im nächsten Augenblick stand Mackenzie wieder auf den Beinen und hatte sich umgedreht. Der Bär lag unbeweglich da, aber auf der anderen Seite des Feuers stand der Schamane und legte einen neuen Pfeil auf den Bogen.

Mackenzies Messer kreiste durch die Luft. Die schwere Klinge funkelte im Feuerschein, als das Messer über die Flammen schwirrte. Der Schamane schwankte einen Augenblick und stürzte dann nach vorn in die Glut. Das Messer saß bis zum Schaft in seiner Kehle.

Inzwischen hatte sich der Fuchs der Büchse Thling-Tinnehs bemächtigt und versuchte vergeblich, eine Patrone hinein zu schieben. Als er das Lachen des weißen Mannes hörte, ließ er sie fallen.

Mackenzie lacht und höhnte: "Der Fuchs weiß wohl nicht mit dem Spielzeug umzugehen? Er ist nur ein Weib! Komm her und gib sie mir! Dann will ich es dir zeigen!"

Der Fuchs zögerte erst, kroch dann aber wie ein geprügelter Hund vorwärts. Eine Patrone flog an ihren Platz, die Büchse war schussbereit, und Mackenzie hob sie an die Schulter.

"Der Fuchs hat gesagt, heute sollen große Taten verrichtet werden, aber seine war die kleinste. Ist er immer noch entschlossen, Zarinska heimzuführen? Will er vielleicht den gleichen Weg wie der Schamane und der Bär gehen? Nicht? Gut!"

Mackenzie wandte sich verächtlich ab und zog sein Messer aus der Kehle des Schamanen.

"Gibt es noch andere junge Männer, die den Kampf mit mir suchen? Dann will der Wolf sie zu zweit oder zu dritt auf einmal nehmen. Keiner mehr? Gut!

Thling-Tinneh, hier gebe ich dir deine Büchse zurück. Wenn du einmal ins Land des Yukons kommst, so wisse, dass immer ein Platz und viel Essen für dich am Feuer des Wolfes ist.

Ich gehe jetzt, aber vielleicht komme ich wieder. Und noch einmal: Denkt an das Gesetz des Wolfes!"

Er ging zu Zarinska. Sie nahm ihren Platz an der Spitze des Gespanns ein, und die Hunde setzten sich in Gang. Als sie im Wald verschwunden war, schnallte Mackenzie die Schneeschuhe an, um ihr zu folgen.