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Mellvil - Mellvil, ein Kinderforum zum Klarkommen

Teils angeboren, teils erlernt

Manche Ängste haben sich im Lauf der Entwicklung der Menschheit tief in unser Bewusstsein eingeprägt, z.B. die Höhenangst. Diese Angst ist angeboren. Wir haben Angst, aus großen Höhen in die Tiefe zu schauen. Das macht Sinn – schließlich kann man abstürzen und sich schwer verletzen oder dabei sterben. Höhenangst hat sich also als eine Eigenschaft erwiesen, die das Überleben sichert. Ganz ähnlich ist es, wenn wir ganz plötzlich ein lautes Geräusch hören oder wenn Dinge mit großer Geschwindigkeit auf uns zukommen. Auch dann zucken wir vor Angst zusammen und versuchen uns möglichst schnell in Sicherheit zu bringen.

Viele andere Ängste sind jedoch „erlernt“, z.B. die Angst vor Mäusen – diese kleinen Tiere richten nun wirklich keinerlei Schaden an. Zu den „erlernten“ Ängsten, d.h. Ängsten, die auf Grund von Erfahrung entstehen, zählen auch Versagensängste. Häufig liegt es an den Eltern, dass ihr Kind vor Anforderungen Angst hat: Sie erwarten hohe Leistungen in der Schule, in der Musik oder beim Sport. Wenn das Kind merkt, dass es die Erwartungen nicht erfüllen kann, bekommt es – natürlich – Angst. Andere wiederum werden von den Eltern so stark behütet, dass sie nur sehr wenige Dinge selbständig erledigen dürfen. Manche Kinder werden von ihren Eltern jahrelang auf ihrem Weg zur Schule begleitet, obwohl die Kinder sich sicher sind, dass sie es alleine sehr gut schaffen können. Die Folge: Die Kinder haben nicht nur Angst, wenn sich ungewohnte Situationen ergeben. Sie trauen sich generell viel weniger zu als Gleichaltrige, die von ihren Eltern in der richtigen Mischung aus Eigenverantwortung und Fürsorge erzogen werden. Zum Glück werden solche Ängste nicht nur mit der Zeit „gelernt“, sie können – manchmal mit etwas Unterstützung und Geduld – auch wieder verlernt werden.

Alles kann Angst machen
Höhenangst und die Angst vor dem Tod sind ebenso „normal“ wie die Tatsache, dass man bei lauten Geräuschen Angst bekommt. Doch was ist mit der Angst vor Mäusen, Spinnen, einer Fahrt mit der U-Bahn oder Aufzügen? Den allermeisten Menschen ist bewusst, dass sie vor diesen Dingen eigentlich keine Angst zu haben brauchen. Viele meinen deshalb, dass mit ihnen aufgrund dieser Ängste etwas nicht stimmt. Doch das ist falsch: Jede Angst, egal, wovor man sich ängstigt, ist eine Belastung. Manche haben deswegen sogar Angst davor, von anderen nicht ernst genommen zu werden. Das macht die Sache nur noch schlimmer. Jeder hat solche „unvernünftigen“ Ängste, der eine etwas mehr, der andere weniger.

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