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Mellvil - Ein Kinderforum zum Klarkommen

Geschlechterrollen

"Mädchen sollen brav und ruhig sein, Jungen dürfen nicht weinen, Mädchen ziehen Röcke und Kleider an und tanzen gern, Jungen haben kurze Haare und mögen Fußball… " - jeder kennt solche Aussprüche. Wer "weiß", wie Jungen und Mädchen sein sollen? Und was ist mit den Jungen und Mädchen, die nicht so sind? Was sind das eigentlich für Erwartungen?

Es sind Rollenklischees, die den Geschlechtern zugeordnet werden. Im Englischen spricht man in diesem Zusammenhang von Gender. Gender steht für die Merkmale, die in einer Kultur als typisch für ein bestimmtes Geschlecht angesehen wird, zum Beispiel Kleidung, Hobbys, Frisur usw. Daneben gibt es im Englischen den Begriff Sex, der für das biologische Geschlecht steht.

Rollenklischees sind eine zwiespältige Sache. Warum? Gut ist, dass sie Orientierung schaffen. Doch sie können auch Erwartungsdruck erzeugen. Mehr noch: Rollenklischees führen oft dazu, dass Menschen, die nicht den Geschlechterrollen entsprechen, diskriminiert werden.

Rollenklischees machen Druck
Der Erwartungsdruck, den Rollenklischees erzeugen, ist oft groß; ältere Kinder und Jugendliche können darüber schwer ins Grübeln geraten. "Muss ich dünn sein wie ein Model, damit mich Jungen toll finden? Ist es in Ordnung, wenn ein Mädchen sich für Mathe und Physik begeistert? Ist es nicht doof, wenn ein Junge gerne backt und kocht…?" Hinter solchen Unsicherheiten steht eine große Frage: "Was sagen die anderen dazu - finden sie das auch gut?" Wer so oder so ähnlich denkt, sollte versuchen, Rollenklischees zu hinterfragen. Etwa so: "Was spricht dagegen, wenn ein Junge Kuchen bäckt?" Objektiv betrachtet, schadet er damit niemandem. Im Gegenteil: Jungen und Mädchen, die sich ein wenig von ihren Geschlechterrollen lösen, machen dabei oft überraschende Erfahrungen. Sie lernen sich von einer ganz neuen Seite kennen. Das macht selbstbewusst!

Rollenklischees diskriminieren
Jungen und Mädchen, die sich nicht dem Rollenmuster entsprechend verhalten, werden oft diskriminiert. Etwa so: Als "Weichei", "Softie", "Warmduscher" oder "Sitzpinkler" gelten Jungen, die sich nicht "wild" gebärden. Mädchen, die sich nichts dreinreden lassen, heißen "Zicke".

Es bleibt meist nicht bei solchen Ausdrücken. Häufig kommen abwertende Bemerkungen hinzu, bei denen die Sexualität eine Rolle spielt, wie zum Beispiel "Hure" oder "geiler Bock". Mädchen, die sich weigern, mit einem Jungen zu schlafen, werden als "frigide" beschimpft; umgekehrt gelten Mädchen, die mit mehreren Jungen Sex hatten oder haben, sehr schnell als "Flittchen" und "Hure". "Geiler Bock" richtet sich gegen Jungen, die Sex haben wollen.

Daneben gibt es Schimpfwörter, die andere wegen ihrer sexuellen Orientierung abwerten. Was heißt "sexuelle Orientierung"? Mit "sexueller Orientierung" ist gemeint, zu welchem Geschlecht sich jemand hingezogen fühlt. Man unterscheidet drei Grundorientierungen: Heterosexuell nennt man Menschen, die sich zum anderen Geschlecht hinzugezogen fühlen. Homosexuell nennt man Menschen, die sich zum gleichen Geschlecht hinzugezogen fühlen. Bisexuell nennt man Menschen, die sich zu Menschen beiderlei Geschlechts hinzugezogen fühlen.

Da es weniger Homosexuelle, Lesben - so bezeichnet man homosexuelle Frauen - und Bisexuelle als Heterosexuelle gibt, werden andere gern mit Schimpfwörtern, die diese "besonderen" Formen der Sexualität abwerten, verunglimpft.

Vielen ist nicht richtig bewusst, was sie tun, wenn sie jemandem "Schwuchtel", "Schwuler", "Homo" oder "Lesbe" nachrufen oder das Gerücht verbreiten, jemand sei "homo", "schwul", "lesbisch" oder "bi", das heißt bisexuell. Wer sich so verhält, tut so, als ob diese Ausprägung von Liebe und Zuneigung etwas Negatives sei. Niemand darf wegen seiner sexuellen Orientierung diskriminiert werden.

Wichtig!

Hinterfrage traditionelle Rollen! Aussagen wie "es war schon immer so, dass Mädchen bzw. Jungen…" sind nur ein Argument unter vielen. Die Zeiten ändern sich und damit auch die Rollen der Geschlechter.

Deine Interessen, dein Aussehen und deine Fähigkeiten machen dich unverwechselbar. Du musst niemanden nachahmen und kein Supertyp sein, damit dich die anderen mögen. Sei wie du bist!

Jeder hat das Recht, so zu sein, wie er ist - unabhängig vom Geschlecht und seiner sexuellen Orientierung.

Schimpfe nicht wüst drauflos, wenn du mit jemandem streitest. Benutze keine Schimpfworte, die das Geschlecht des anderen pauschal abwerten oder auf die Sexualität anspielen.

Abwertende Bemerkungen über das Geschlecht und die Sexualität sind besonders kränkend. Beschimpfe niemanden mit einschlägigen Ausdrücken; wehre dich gegen abwertende Äußerungen, bei denen es um dein Geschlecht und deine Sexualität geht. Lasse nicht zu, dass du gemobbt wirst - sprich mit einem Erwachsenen darüber.

Die Art und Weise, wie Männer und Frauen in Fernsehserien dargestellt werden, sind nicht immer der Wirklichkeit entsprechend. Solche Sendungen wollen unterhalten, nicht informieren.

Lass dich nicht in deinen Interessen von Rollenklischees lenken. Egal, ob Fotografie, Tanzen, Kochen, Mathematik, Basteln, Programmieren, Experimente, Musik… - gehe deinen Interessen nach und suche Gleichgesinnte - egal, ob Junge oder Mädchen.

Es gibt in jeder Familie Erwartungen, wie sich ein Mann und ein Junge und wie sich eine Frau und ein Mädchen verhalten sollten. Solche Rollenerwartungen sind oft von der Familientradition geprägt.

Lass dich später bei der Berufswahl nicht von Rollenklischees beeinflussen. Mädchen und Frauen landen oft in Berufen, die geringe Aufstiegs- und Verdienstmöglichkeiten bieten. Sie haben dadurch vielfältige Nachteile.

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