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LABBÉ Verlag
Mellvil - Ein Kinderforum zum Klarkommen

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Jemanden einsperren oder festhalten
[Freiheitsberaubung]

Der Nachbarsjunge ärgert dich ständig und macht sich vor anderen über dich lustig. Um dich zu rächen, lockst du ihn unter einem Vorwand in euren Schuppen. Dann machst du blitzschnell die Tür zu und verriegelst sie. Drei Stunden später schließt du den Schuppen wieder auf.

Pass auf!
Die Freiheit ist eines der wichtigsten Grundrechte, die im Grundgesetz besonders geschützt sind. Dazu gehört auch das Recht, sich frei zu bewegen - also seinen Aufenthaltsort frei zu bestimmen. Wenn du etwas unternimmst, das eine Person daran hindert, sich frei zu bewegen, machst du dich wegen Freiheitsberaubung strafbar. Konkret heißt das: Wenn du jemanden einsperrst - etwa in einen Zimmer, auf der Toilette, im Keller, auf dem Dachboden, im Schuppen, in einem Auto - oder gegen seinen Willen irgendwo, zum Beispiel auf einem Schiff, festhältst, dann begehst du eine Straftat.

Wenn du erwischt wirst
Im Erwachsenenstrafrecht, das heißt bei Tätern über 21 Jahren, wird Freiheitsberaubung mit einer Freiheits- oder mit einer Geldstrafe bestraft. Auch der Versuch ist strafbar. Ein Täter muss mit einer mehrjährigen Haftstrafe rechnen, wenn er das Opfer länger als eine Woche festhält oder wenn das Opfer einen schweren gesundheitlichen Schaden durch die Straftat erlitten hat.

Kinder bis 14 Jahre sind nicht strafmündig. Das bedeutet, dass du nicht vor Gericht kommst und daher auch nicht verurteilt werden kannst. Doch auch bei Kindern haben Straftaten Folgen: Das Jugendamt kann eine Akte über dich anlegen, in der deine Straftaten verzeichnet sind. Außerdem kann es Erziehungsmaßnahmen anordnen. Bei Jugendlichen, die zwischen 14 und 18 Jahre, in Ausnahmen bis 21 Jahre alt sind, wird Freiheitsberaubung vor dem Jugendgericht nach dem Jugendstrafrecht verhandelt.

Wenn du der Freiheitsberaubung beschuldigt wirst, musst du bei der Polizei nur Angaben zu deiner Person machen. Die Polizei ist verpflichtet, dich auf deine Rechte hinzuweisen, und zwar: du brauchst keine Angaben zur Sache, also zur Freiheitsberaubung zu machen; du darfst eine Person deines Vertrauens, etwa deine Eltern, und einen Rechtsanwalt hinzuziehen.

Denk daran

Freiheitsberaubung liegt vor, wenn man eine Person derart beeinflusst, dass sie ihren Aufenthaltsort nicht mehr frei wählen kann:

  • Wer jemanden fesselt, festhält, betäubt oder hypnotisiert, riskiert, dass er wegen Freiheitsberaubung vor Gericht kommt.

  • Wer einen Schlafenden einsperrt, macht sich wegen Freiheitsberaubung strafbar.

  • Wer durch eine falsche Anzeige veranlasst, dass ein Unschuldiger verhaftet wird, begeht ebenfalls Freiheitsberaubung.

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