Lügen, flunkern, schwindeln, mogeln

Jeder von uns lügt – hin und wieder mal. Manche lügen mehr, manche weniger. Es gibt Notlügen und Lügen, mit denen man andere bewusst täuscht. Und es gibt Momente, da man hat man das Gefühl, dass man sich nur mit einer Lüge retten kann. Das kann manchmal schief gehen.

Doch nicht nur Kinder, auch viele Erwachsene nehmen es mit der Wahrheit nicht immer so genau.

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Sonnenschirm (M 11)
Hallo ihr und alle anderen,
wir finden es gar nicht schön, wenn die Erwachsenen uns Kinder anlügen. Nur mal ein Beispiel: Wenn ein kleines Kind was gemalt hat und es dann seinen Eltern zeigt, dann sagen die immer: "Oh, schöööön!" Die finden das aber gar nicht schön. Einmal, da waren wir bei unserer früheren Tagesmutter. Ein Kind hat ihr gezeigt, was es gezeichnet hat. Da hat sie gefragt, ob das ein Haus ist. "Nein, das ist doch ein Motorboot!" hat das Kind gesagt. Da sieht man doch, dass sie das Bild gar nicht richtig angeschaut hat!$$

Manche Lügen helfen einem für einen Moment aus der Patsche; es gibt aber auch Lügen, die einen erst richtig in Schwierigkeiten bringen.

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schäfchen (M 13)
Hallo ihr alle,
wegen der Schule habe ich jetzt ein total schlechtes Gewissen. Es ist wegen einem Englisch-Aufsatz. Wir sollten einen Aufsatz schreiben, eine Fantasie-Geschichte, egal, welches Thema, aber mindestens eineinhalb Seiten. Jetzt ist es so, dass ich echt nicht gut bin in Englisch, ich habe mir nur gedacht – au weia, wie kriege ich das bloß gebacken. Der Aufsatz sollte ja auch benotet werden. Und was hab ich gemacht? Ich bin in die Stadtbibliothek, dort gibt’s englische Kinderbücher. Ich habe mir eins ausgesucht und eine Geschichte so halb abgeschrieben. Und was war? Ich hatte keinen einzigen Fehler, eine glatte eins, die meisten anderen hatten so um die 10 bis 20 Fehler. Die Lehrerin hat mich ganz komisch angeschaut und mich gefragt, ob ich den Aufsatz wirklich allein geschrieben habe. Jaaaa, doch, das habe ich! Das war natürlich gelogen. Die hat es mir nicht so ganz geglaubt, denke ich mal, trotzdem hat sich mich gelobt. Mein Gott, wie war mir das peinlich! Morgen haben wir wieder Englisch, ich glaube, ich sterbe. Ich sag euch: Lasst bloß die Finger von solchen Schummeleien, diesen Tricks. Ich hab den Blödsinn gemacht und denke mir jetzt immer, hätte ich das bloß nicht getan mit dem Abschreiben.$$

Viele Kinder lügen einfach so, sie erzählen die unglaublichsten Geschichten. Das macht mächtig Eindruck, die anderen kommen aus dem Staunen nicht mehr heraus. Aber es dauert oft nicht lange, dann wünscht man sich, man hätte bloß nie damit angefangen.

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bingo (M 12)
Hallo!
Ich flunkere die ganze Zeit! Ich habe erzählt, mein Papa spielt in einer bekannten Band, ich darf aber nicht sagen, wie sie heißt, weil wir sonst nie Ruhe daheim hätten. Jetzt wollen meine Kumpel zu mir nach Hause und meinen Popstar-Papa treffen. Oh je, was soll ich bloß machen? Ich habe auch erzählt, ich hätte wahnsinnig viele Pokale beim Hochsprung gewonnen, die gehen aber so leicht kaputt, dass ich sie nicht mitbringen und herzeigen kann… Herrje, kann mir einer verraten, wie ich da wieder rauskommen kann?$$

Wichtig!

Nicht jede Lüge ist schlecht. Manchmal gehört es sogar zum "guten Ton", wenn man schwindelt. Anstatt jemanden zu sagen, wie doof sein T-Shirt aussieht und ihn dadurch zu verletzen, sind wir höflich und sagen etwas Nettes. Solche Lügen nennt man "Notlügen".

Manche lügen aus Angst, andere zu enttäuschen. Wenn du dich zum Beispiel nicht traust, zu Hause deine Noten zu zeigen, sprich mit deinen Eltern oder mit dem Schulpsychologen darüber.

Manche lügen, weil sie Angst vor einer Strafe haben, z.B. wenn sie etwas kaputt gemacht oder verloren haben. Dann sagen sie, es wäre jemand anders gewesen oder es sei ihnen geklaut worden. Wenn sie etwas geklaut haben, sagen sie, sie hätten es gefunden oder jemand hätte es ihnen geschenkt. Vielleicht glauben es die Eltern und die Lüge kommt nie heraus, vielleicht auch nicht – dann ist man erst recht blamiert. In jedem Fall hat man ein schlechtes Gewissen!

Manche lügen, um auf andere Eindruck zu machen. Sie möchten bewundert werden, genauso beliebt sein wie die anderen, Freunde finden, in eine Clique aufgenommen werden. Hier heißt es aufpassen – früher oder später wird man dahinter kommen. Lass lieber das Flunkern! Echte Freunde mögen dich so wie du bist.