Gefangen

  • Autor: Verne, Jules
Gefangen

Alles war blitzschnell geschehen. Die Luke schloss sich und es herrschte undurchdringliche Dunkelheit. Ich fühlte eine eiserne Treppe unter meinen Füßen an deren Ende eine Tür war, durch die wir geschoben wurden. Jemand schloss hinter uns ab.

Ned Land erholte sich schnell von dem Schreck und begann ordentlich zu fluchen. Er schwor jeden zu massakrieren, der ihn anrührte.

"Damit seien Sie mal vorsichtig. Unnötige Gewalt bringt uns nur in Gefahr. Stellen wir erst einmal fest, was das für Leute sind und wo wir uns befinden."

Ich tastete mich durchs Dunkel und lief den Raum ab. Er musste ungefähr sechs auf drei Meter groß sein und die Wände waren ebenfalls aus poliertem Eisen. Nach einer halben Stunde ging plötzlich ein grelles Licht über uns an.

Jetzt konnten wir die Einrichtung der Kabine genau erkennen. Um einen Tisch standen fünf Schemel - mehr war da nicht. Nicht einmal eine Türe war auszumachen. Wir hörten, wie ein Riegel zurückgeschoben wurde und zwei Männer traten herein.

Der eine war untersetzt und kräftig mit reichlich schwarzen Haaren und einem dicken Schnurrbart.

Der andere verdient eine ausführlichere Beschreibung. Auf den ersten Blick erkannte ich, dass ich es mit einem außergewöhnlichen Mann zu tun hatte. Er strahlte Selbstvertrauen, Gelassenheit und Energie aus und machte einen stolzen Eindruck.

Gegen meinen Willen fühlte ich mich in der Nähe dieses Mannes sicher und war gespannt auf ein Gespräch mit ihm. Sein Alter konnte ich kaum schätzen. Irgendwo zwischen fünfunddreißig und fünfzig Jahren.

Seine Augen standen etwas weiter auseinander, was ihm einen außergewöhnlichen Blick verlieh. Später sollte ich erfahren, dass er die Fähigkeit hatte in einem ungewöhnlich weiten Radius Dinge zu erspähen.

Die beiden Männer trugen Mützen aus Seeotterfell und Stiefel aus Robbenfell. Der Große betrachtete uns eindringlich und sprach kein Wort. Dann unterhielten sie sich mit unverständlichen Worten und schienen eine Frage an mich zu stellen.

Conseil schlug vor, dass ich unsere Geschichte in Französisch erzählen solle. Das tat ich dann auch langsam und deutlich. Aber die beiden machten nicht den Eindruck, als ob sie irgendetwas verstanden.

Daraufhin versuchte Ned Land sein Glück mit seinem besten Schulenglisch. Mit dem selbem Erfolg. Conseil, der Flame war, kramte seine Kenntnisse in Deutsch hervor und erzähle die Geschichte zum dritten Male.

Sie wechselten Blicke, sprachen kurz miteinander und zogen sich zurück, ohne sich weiter um uns zu kümmern.

Ned Land wurde wütend: "Da redet man französisch, englisch und deutsch und die verstehen nichts und lassen uns hier jämmerlich verhungern."

In diesem Augenblick wurde die Tür geöffnet und ein Steward trat ein. Er trug Kleidung über den Arm, die er an uns verteilte und legte anschließen drei Gedecke auf den Tisch. Die Schüsseln waren mit silbernen Glocken zugedeckt und man konnte meinen, man wäre im Pariser Grand-Hotel.

Wir hoben sie an und entdeckten allerlei Fisch, der köstlich zubereitet war. Andere Speisen konnte ich nicht richtig einstufen, aber sie schmeckten vorzüglich. Das Tafelsilber trug jedes eine Gravur, auf der stand: "Mobilis in Mobili", was so viel bedeutete, wie "Beweglich im Bewegten".

Das passte ausgezeichnet auf das Fahrzeug. Nach dem Essen, ergriff uns eine übermächtige Müdigkeit und meine beiden Gefährten sanken auf einer Matte nieder. In meinem Kopf schwirrten noch die ungelösten Fragen herum. Wo waren wir? Welche Macht hatte uns entführt? Sank das Fahrzeug auf den Meeresgrund?