Mit einem Reim zum Bürgermeisteramt

  • Autor: Simrock, Karl

Das kleine Städtchen Schilda gehörte zu einem Land namens Utopia. Dort regierte ein Kaiser. Und dem war immer wieder einmal zu Ohren gekommen, dass die Bürger dieses kleinen Städtchens ganz besonders dumm seien. Nun beschloss er, selbst einmal nach dem Rechten zu sehen und kündigte seinen Besuch an.

In Schilda herrschte plötzlich helle Aufregung. Wer sollte den Kaiser begrüßen? Man hatte zwar alle offiziellen Ämter besetzt, das Amt des Bürgermeisters aber schlicht und einfach vergessen.

Da der Kaiser Reime liebte, beschlossen die Schildbürger nun denjenigen zum Bürgermeister zu machen, der den schönsten Reim vorlegen könne. Auch der Schweinehirt wollte sich mit einem kleinen Verslein an dem Wettstreit beteiligen, doch ihm fiel partout nichts ein.

„Werde ich dann Frau Bürgermeisterin, wenn du den Wettstreit gewinnst?“, wollte eines Abends seine Ehefrau wissen. „Natürlich wirst du das“, antwortete der Schweinehirt.

In der folgenden Nacht wecke sie ihn auf. „Ich habe einen Reim“, sagte sie und legte los: „Katrine heißt die Gattin mein, möchte gerne Bürgermeist`rin sein, ist schöner als mein schönstes Schwein und trinkt am liebsten Moselwein.“

99 Mal musste der Schweinehirt nun das kleine Gedicht nachsprechen, dann waren beide davon überzeugt, dass er es nie wieder vergessen würde.

Der Tag des Wettbewerbs kam. Der Schuster wollte auch Bürgermeister werden und deklamierte: „Ich bin ein Bürger und kein Bauer und mache mir das Leben bitter.“ Dann kam der Hufschmied an die Reihe: „Ich bin ein Bürger und kein Ritter und mache mir das Leben sauer.“

So ging es weiter, bis außer dem Schweinehirten niemand mehr da war, der Bürgermeister werden wollte. „Meine Frau, die heißt Katrine, wäre gerne Bürgermeisterin, ist schwerer als das schwerste Schwein und trinkt am liebsten Bayrisch Bier.“

Dass er Bürgermeister wurde, ist doch schon klar.