LABBÉ Verlag
Lesekorb - Geschichten für Kinder

Passepartout verschwatzt sich

Fix brauchte nicht lange nach Passepartout zu suchen. Der spazierte auf dem Kai hin und her und beobachtete das bunte Treiben um sich herum.

Der Detektiv schlenderte heran und fragte: "Hat die Sache mit dem Pass geklappt?"

"Ach Sie sind es!", sagte der Franzose. "Nochmals vielen Dank. Das Visum ist eingetragen worden."

"Und jetzt sehen Sie sich ein wenig Land und Leute an?"

"Ich möchte schon! Aber wir reisen so schnell, dass ich nicht weiß, ob ich wach bin oder träume. Das hier ist also Suez."

"Ganz Recht, Suez."

"Suez in Ägypten,genauer gesagt in Afrika. Nicht zu glauben!", staunte Passepartout. "Sie müssen wissen, zuerst dachte ich, wir würden nur nach Paris reisen. Dort waren wir auch. Aber alles was ich von dieser wunderschönen Stadt zu sehen bekam, war der Weg von einem Bahnhof zum nächsten. Obendrein regnete es noch in Strömen, sodass ich durch die Droschkenfenster so gut wie nichts erkennen konnte."

"Sie sind in Eile?", fragte der Inspektor.

"Ich nicht; aber mein Herr will keine Zeit verlieren. Da fällt mir ein, ich muss noch Socken und Hemden kaufen. Außer unserem Nachtzeug haben wir nämlich nichts mitgenommen."

"Da kann ich Ihnen den Weg zum Basar zeigen. Dort erhalten Sie alles, was sie benötigen."

"Ich weiß gar nicht, wie ich Ihnen danken soll", sagte Passepartout. Auf dem Weg zum Basar plapperte er munter weiter. "Ich darf auf keinen Fall die Abfahrt des Schiffes verpassen."

"Sie haben noch ausreichend Zeit, es ist doch erst 12 Uhr", erwiderte Fix.

Passepartout zückte seine riesige Taschenuhr. "12 Uhr? Wie kommen Sie darauf? Es ist gerade 9 Uhr und 52 Minuten."

"Ihre Uhr geht offensichtlich nach", antwortete Fix.

"Meine Uhr und nachgehen! Das ist ein Familienerbstück. Sie stammt von meinem Urgroßvater und ist noch niemals mehr als fünf Minuten im Jahr nachgegangen. Ein richtiges Kunstwerk."

"Ich kann Ihnen sagen, woran es liegt", sagte Fix. "Sie haben noch Londoner Uhrzeit. Hier in Suez sind wir zwei Stunden weiter. Sie sollten Ihre Uhr danach stellen, sonst stimmt sie mit dem Sonnenstand nicht mehr überein."

"Umso schlimmer für die Sonne, dann geht die eben falsch. An meiner Uhr verstelle ich niemals etwas", sagte der treuherzige junge Bursche und ließ die Uhr in seiner Tasche verschwinden.

Nach kurzer Zeit nahm Fix das Gespräch wieder auf: "Sie sagten, Ihre Abreise aus London wäre Ihnen ein wenig überstürzt vorgekommen?"

"Das kann man wohl sagen. Letzten Mittwoch kam Mister Fogg ganz gegen seine Gewohnheiten schon um 8 Uhr abends aus dem Club nach Hause. Eine dreiviertel Stunde später waren wir bereits unterwegs."

"Wohin möchte Ihr Herr eigentlich reisen?"

"Immer der Nase nach. Er macht eine Reise um die Erde."

"Eine Reise um die Erde?" Fix staunte.

"Ja, und das Ganze in 80 Tagen. Es geht angeblich um eine Wette. Aber daran glaube ich nicht so Recht. Wahrscheinlich steckt irgendetwas anderes dahinter. So verrückt ist doch niemand."

"Ist Mister Fogg vermögend?", erkundigte sich der Detektiv.

"Ganz bestimmt. Er trägt ein hübsches Bündel funkelnagelneuer Banknoten mit sich herum. Außerdem ist er überhaupt nicht geizig. Sogar dem Maschinisten der Mongolia hat er ein nettes Sümmchen geboten, falls er uns ein bisschen schneller nach Bombay bringt."

"Und Sie kennen Ihren Herrn schon lange?"

"Wie kommen Sie denn darauf?", antwortete Passepartout. "Ich bin erst an unserem Abreisetag in Mister Foggs Dienste getreten."

Mr. Fix war glücklich. Alles, was er gehört hatte, passte zusammen und bestärkte Ihn darin, den Bankräuber gefunden zu haben. Er ließ Passepartout noch weiterschwatzen und erfuhr noch einiges über die Eigenheiten seines Herrn. Nach dem Gespräch war klar: Phileas Fogg würde die Mongolia nicht in Suez verlassen, sondern bis Bombay reisen.

"Ist Bombay sehr weit weg?", fragte Passepartout.

"Ein gutes Stück. Vor Ihnen liegt eine zehntägige Seereise. Bombay liegt in Indien, Asien", erklärte Fix.

"Verflixt. Ich muss Ihnen nämlich etwas anvertrauen… eine Sache, die mir keine Ruhe lässt. Wissen Sie mein Hahn…"

"Was für ein Hahn?"

"Mein Gashahn! Bei unserer übereilten Abreise habe ich vergessen ihn abzudrehen. Jetzt brennt das Gas die ganze Zeit auf meine Kosten. Ich habe mir ausgerechnet, dass 24 Stunden zwei Schilling kosten. Das ist ein Sixpence mehr, als ich verdiene! Wenn unsere Reise nun immer weiter fort führt…"

Es sah nicht so aus, als hätte Fix die Gastragödie begriffen. Stattdessen schmiedete er Pläne, wie es nun weiter gehen sollte. Nachdem Passepartout die Einkäufe erledigt hatte und zurück zur Mongolia eilte, lief Fix schnurstracks zum Konsulat.

Dort berichtete er dem Konsul von seinem Gespräch mit dem Franzosen.

"Sie haben Recht. Alles spricht gegen diesen Fogg", stimmte der Konsul zu. "Was werden Sie jetzt unternehmen?"

"Ich schicke ein Telegramm nach London und bitte um die Ausstellung eines Haftbefehls für Bombay. Dann schiffe ich mich auf der Mongolia ein und lasse den Kerl nicht mehr aus den Augen. Wenn wir in Indien auf englischem Hoheitsgebiet sind, lege ich ihm die Hand auf die Schulter und zeige ihm den Haftbefehl."

Der Inspektor erledigte alles nach Plan und nur ein Viertelstunde später fand er sich mit einer kleinen Reisetasche und ausreichend Geld an Bord ein. Kurz darauf legte das Schiff mit Volldampf ab.





Der Klassiker IN 80 TAGEN UM DIE WELT von Jules Verne (1828-1905) wurde von Gabi Müller für den Lesekorb nacherzählt. Die Bildcollagen wurden nach Illustrationen von Alphonse de Neuville (1836-1885) und Léon Benett (1839-1917) hergestellt.

Artikel versenden

Einfach Karte ausfüllen und per E-Mail an Freunde verschicken!

Dein Name:

Deine E-Mail:

Name des Empfängers:

E-Mail des Empfängers:

Deine Nachricht:



Artikel versenden

Sorry!
Beim Versenden ist leider ein Fehler aufgetreten:




Artikel versenden

Vielen Dank!
Deine Nachricht an wurde erfolgreich versendet. Wenn du möchtest, kannst du noch eine weitere Mail versenden:


Shop
Shop
Shop
Shop
Shop
Shop