LABBÉ Verlag
Lesekorb - Geschichten für Kinder

Trauriges Ende

So gegen Mittenacht nahte endlich Hilfe. Ich hörte es am Klappern von Pferdehufen. Sie kamen näher und ich glaubte, Gingers Schritt zu hören. Kurze Zeit später bestätigte sich meine Hoffnung. Es war Ginger. Ich wieherte und freute mich, menschliche Stimmen zu hören. Der Wagen wurde langsamer und hielt neben Reuben, der inmitten des Weges lag. Ein Mann kümmerte sich gleich um den am Boden Liegenden und rief: "Er bewegt sich nicht."

Der andere Mann, der dazu kam, fühlte Reubens Hand und sagte: "Tot!" Sie richteten ihn auf, sahen das vom Blut verkrustete Haupt und legten ihn behutsam wieder ab. Dann kümmerten sie sich um mich. Glücklicherweise erkannten sie sofort mein verletztes Knie. Doch zuerst glaubten sie, ich hätte Schwäche gezeigt und wäre grundlos gefallen. "Unglaublich, dass Black Auster gestürzt ist. Wer hätte das gedacht! Vor allem ist es eigenartig, dass er nicht fortgelaufen ist."

Robert nahm meine Zügel und wollte mich fortführen. Doch ich fiel schon beim ersten Schritt wieder hin. Da sahen sie mein Elend und waren voll des Mitleids. "Da musste er ja stürzen, so schlimm, wie das aussieht. Wenn ich das so anschaue, dann glaube ich fast, dass mit Reuben was nicht in Ordnung war. Wie sonst kommt es, dass er ein Pferd ohne Eisen über eine solch steinige Straße jagt. Hoffentlich ist es nicht wieder der Alkohol. Seine arme Frau - ich glaube sie ahnte schon was, als sie uns ihre Sorgen mitteilte, weil er noch nicht zurück sei. Wir müssen das Pferd in den Stall bringen und die Leiche nach Hause. Aber wie?"

Nach einigen Überlegungen beschlossen sie, dass Robert, der Stallbursche, mich führen solle und Ned würde die Leiche im Wagen transportieren. Letzteres gestaltete sich anfangs schwierig, doch Ginger schien zu spüren, was passiert war und blieb geduldig stehen, obwohl niemand sie festhielt. Ned bewegte sich bald mit seiner traurigen Fracht in Richtung Earlshall.

Der Stallbursche band ein Tuch um meinen geschundenen Huf. Trotzdem waren es die längsten drei Meilen meines Lebens, die ich unter diesen Schmerzen noch zurücklegen musste. Im Stall angekommen, versorgte Robert mich mit feuchten Tüchern, Kleieumschlägen und holte fürsorglich den Tierarzt. Müde schlief ich ein, obwohl die Schmerzen immer noch gewaltig waren.

Der Tierarzt, der am nächsten Morgen genauer nach meinen Verletzungen sah, meinte, es würden zwar Narben zurückbleiben, doch arbeiten könnte ich weiterhin. Trotz der liebevollen Pflege dauerte meine Genesung lange und es war schmerzvoll. Es wuchs auch wildes Fleisch an meinem Knie, das sie wegätzen mussten. Am Ende der gesamten Behandlung goss man mir eine teuflische Lösung über meine Knie. Dann fielen die Haare aus. Aber mir war klar, dass sie ihre Gründe haben mussten, und ließ auch das noch über mich ergehen.

Da es außer mir keine Zeugen für Reubens Tod gab, wurde das Gericht bemüht. Doch am Ende gab man mir keine Schuld. Der Wirt sagte aus, dass Reuben total betrunken die Gaststätte verlassen hätte, der Wachposten der Zollschranke hatte uns in vollem Galopp vorbeijagen sehen und zwischen den Steinen auf der Straße fand man mein Eisen.

Die arme Susan brach nach dem überraschenden Tod ihres Mannes zusammen. Ständig rief sie: "Dieser gute Mann! Er war doch so ein guter Vater! Dieser verdammte Alkohol! Weshalb verkauft man überhaupt so ein Zeug!" So klagte sie, bis nach der Beerdigung. Danach musste sie aus dem Häuschen ausziehen mitsamt ihren sechs kleinen Kindern. Sie hatte keine Verwandten und endete im Armenhaus.





Der Klassiker BLACK BEAUTY von Anna Sewell (1820 - 1878) wurde von Angelika Kopp für den Lesekorb nacherzählt.

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